Die japanische Firma KORG ist mit einer Tradition seit 1963 für Musiker ein fester Begriff. Von Digitalpianos, Synthesizer und Keyboards bis DJ Tools und Mixer haben die Japaner ein breites Spektrum im Sortiment. Und dazu kommt mittlerweile auch ein tragbarer Plattenspieler namens Handytraxx Tube und genau den habe ich für euch genauer unter die Lupe genommen. Taugt er für den mobilen Einsatz wie z.B. einer Plattenbörse?
Testbericht Mobiler Plattenspieler KORG Handytraxx Tube
Wie schön wäre es doch, einen Plattenspieler überall dabei zu haben und jederzeit Schallplatten anhören zu können - ohne zusätzliche Geräte wie Verstärker oder Lautsprecher. Klar, es gibt schon recht viele Modelle auf dem Markt, die oft unter dem Begriff des Koffer-Plattenspieler im Retro-Design für wenig Geld zu haben sind. Wer aber nur ein wenig Anspruch an die Qualität eines Phono-Gerätes hat, wird seine wertvollen Platten nicht mit diesen Plastik-Kisten abspielen wollen.
Mein Ansatz war es nun, portable Plattenspieler zu finden, deren wichtiges und den Klang beeinflussendes Teil - der Tonabnehmer - einstellbar ist. Andere Kriterien wären, dass Lautsprecher eingebaut sind und ein Kopfhörer anschließbar wäre. Und siehe da, ich wurde fündig: der KORG Handytraxx und zwar in der Variante "Tube". Je nach Anwendungsbedarf gibt es ihn nämlich auch in einer anderen Version: der Handytraxx Play richtet sich eher an DJs und der Handytraxx 1bit eignet sich besonderes zum digitalen Überspielen (inklusive Software).
Der KORG Handytraxx Tube ist für Leute gedacht, die guten analogen Klang schätzen und trotzdem ein (bezahlbares) mobiles Gerät suchen. Dank Batteriebetrieb klappt das auch Netz-unabhängig, egal ob auf der Plattenbörse oder der Party bei Freunden. Gut, zur Beschallung einer Halle reichen die eingebauten Lautsprecher mit gerade mal 2,5 Watt sicherlich nicht, aber mich hat der Klangvolumen dennoch positiv überrascht. Und man hat die Möglichkeit, den kleinen Handytraxx mit einem Cinchkabel an eine Stereoanlage anzuschließen.
Kein Plug & Play
Bevor ich zu den Besonderheiten dieses Gerätes komme, steht erst mal die Inbetriebnahme an. Nach dem Öffnen des Kartons darf man erst mal feststellen, dass alle Komponenten sehr solide und professionell sicher eingepackt wurden. Und schnell wird deutlich, dass der Plattenspieler erst einmal noch "zusammengebaut" werden muss - also kein Plug & Play. Aber keine Bange, das ist alles recht einfach.
Plattenteller / Riemen einlegen
Der Plattenteller aus Druckguss-Aluminium wird auf die Lager-Mittelachse aufgesetzt und der Riemen, der noch an der Unterseite des Tellers anliegt, soll nun mittels des mitgelieferten roten Bandes auf das Pulley (Riemenscheibe) des Antriebsmotor eingefädelt werden. Wie das genau geht, ist sowohl in der beiliegenden Schnellstartanleitung wie auch in der ausführlichen Bedienungsanleitung (die man sich übrigens herunterladen muss) gut beschrieben und bebildert. Danach kommt noch die Gummimatte darüber, auf der dann die Schallplatten rutschsicher aufgelegt werden können.
Headshell montieren & Tonarm ausbalancieren
Nun widmen wir uns dem Headshell mit dem vormontierten Tonabnehmer (ein JICO J44 A7, das einzeln rund 140 EUR kostet!) - es wird dank Bajonett-Verschluss an das Tonarmrohr festgeschraubt. Das ist solide gemacht und zeigt, dass KORG hier nicht gespart hat. Dann wird noch das Gegengewicht hinten an das Ende des Tonarmes angebracht und so ausbalanciert, dass der Tonarm parallel zur Plattenteller-Oberfläche ausgerichtet ist.
Auflagekraft einstellen
Zuletzt muss man nun noch die Auflagekraft einstellen und das geschieht mit den Gegengewicht, das im Uhrzeigersinn gedreht wird (nachdem man zuvor den so genannten Messring mit der Skala auf Null gestellt hat), um den empfohlenen Wert von 2,5 einzustellen.
So, eigentlich wärs das mit dem Zusammenbau und man könnte, nach Einlegen der Batterien (auf der Unterseite ist das Batteriefach, das man leider erst mit einem kleinen Kreuzschraubendreher öffnen muss) oder dem Anstecken des Netzteils losgehen. Wenn du eine Steckdose in unmittelbarer Nähe des Plattenspielers hast, super. Wenn nicht, dann wirst du eine Steckdosen-Verlängerung benötigen, denn das Kabel des beiliegenden Netzteil ist nur einen Meter lang. Damit kann der Hörspaß also beginnen. Fast - denn nun kommt mein Aber:
Nachjustieren des Tonabnehmers
Der Tonabnehmer war bei meinem Exemplar nicht ganz korrekt montiert, da musste ich deutlich nachjustieren.
Es ist keine wirklich besonders große Fehlstellung und man könnte zweifellos auch ohne eine solche exakte Justage sofort die ersten LPs abspielen. Aber ich bin da pingelig und an der Stelle muss es für mich einfach stimmen. Erst nach feinem Einstellen mittels der Schön-Schablone war Kröpfung und Überhang richtig.
Immerhin ist diese Einstellbarkeit möglich, wie bei jedem normalen Hifi-Plattenspieler halt auch. Und man könnte jederzeit auch andere, geeignete Tonabnehmer einbauen. Dies ist definitiv ein Vorteil dieses mobilen Players und aus meiner Sicht einer der Hauptgründe, warum ich mir ein solches Gerät zulegen würde und keinen Kofferplattenspieler für einen Bruchteil des hier aufgerufenen Preises.
Die Überprüfung der Auflagekraft, die mit dem Gegengewicht zuvor auf 2,5 g. eingestellt wurde, war absolut korrekt - top. Nur leider lässt sich das Stellrad für die Auflagekraft viel zu leicht verstellen, da wäre eine leichte Bremswirkung sinnvoll. Eine Anti-Skating-Einstellung gibt es hier nicht.
Schallplatte abspielen
Jetzt geht los! Schallplatte, entweder normale LP bzw. 10"- oder 7"-Single auflegen. Hat die Single ein großes Loch, kann man den beiliegenden Single-Adapter verwenden, der ansonsten praktischerweise eine eigene Aufnahme neben den Plattenteller hat. Mit dem Kippschalter (auf Start) die Drehbewegung einschalten, den Tonarm entriegeln und mittels des Haltebügel am Headshell vorsichtig die Nadel auf die Platte aufsetzen. Also ganz ehrlich, das ist wegen des kleinen Bügels sehr fummelig, man braucht entweder DJ-Routine oder eben eine ruhige Hand - einen Tonarmlift gibt es nicht!
Am Ende der Schallplatte dann wieder die Nadel abheben und den Tonarm zurück in die Ruheposition. Eine Abschaltautomatik ist nicht vorhanden.
Die zehn Besonderheiten des Handytraxx Tube
1. Röhrentechnik
Das Besondere dieses Handytraxx-Modells ist hier sicherlich die Vakuumröhren-Technologie, die auf der hauseigenen Nutube-Technologie basiert:
"Nutube ist eine neue, von KORG INC. und Noritake Itron entwickelte Elektronenröhre mit Vakuum- Fluoreszenz-Display-Technologie.
Wie konventionelle Elektronenröhren besteht die Nutube aus einer Anode, einem Gitter und einer Glühkathode und arbeitet als vollwertige Triodenröhre. Somit bietet sie die Ansprache und die gleichen satten Obertöne, die typisch für konventionelle Röhren sind."
Optisch zu bewundern ist sie über ein Sichtfenster links hinten und mit dem Drehregler Tube lassen sich die Harmonien der Elektronenröhre einstellen.
2. Klangregler & Bedienelemente
Des weiteren können neben der Tube-Einstellung mit den Reglern für Bass und Treble (Höhen) weitere individuelle Klangeinstellungen vorgenommen werden. Ausserdem kann natürlich die Lautstärke über den MAIN VOLUME-Regler verändert werden. Die Geschwindigkeit kann mit einem Kippschalter von 33 1/3 auf 45 und sogar 78 Umdrehungen pro Minute gewechselt werden. Und schließlich gibt es noch den Kippschalter für Stop/Start, womit der Drehteller ein- und ausgeschaltet wird.
3. Lautsprecher
Der Plattenspieler hat zwei eingebaute Lautsprecher, die man mit einem kleinen Schalter an der rechten Seite aus- und einschalten kann. Eines der wesentlichen Vorteile dieses Players, denn damit kann man eben Platten hören ohne weitere Geräte wie Verstärker und Lautsprecher.
4. Kopfhörer
Über eine 3,5 mm Klinkenbuchse kann man einen Kopfhörer anschließen. Definitiv praktisch, wenn man diesen Plattenspieler etwa auf einer Plattenbörse nutzen möchte. Mit meinem Audio Technica Kopfhörer klingt das übrigens sehr ordentlich!
5. Wahlschalter Output Phono/Line
Diesen Schalter nutzt man, um ein Kabel an die Cinch-Buchsen des Handytraxx Tube und den Line-Eingang der Stereoanlage oder alternativ an Aktivlautsprecher anzuschließen. Dann ist der eingebaute Phonovorverstärker aktiv (Schalter auf Line). Diesen schaltet man dann mit dem Wahlschalter (auf Phono geschoben) aus, wenn man mit dem Kabel statt dem Line-Eingang lieber den Phono-Eingang des Verstärkers oder einem externen Phono-Vorverstärker nutzen möchte. Damit ist natürlich noch mehr klangliches Potential aus dem Handytraxx Tube zu holen, siehe auch unten bei "Wie klingt er".
6. Anschluss an Computer
Wer eine Schallplatte digitalisieren möchte, kann hier über einen USB-B Anschluss den Computer anschließen. Dazu benötigt man allerdings noch passende Software. Ausgang: PCM 44,1 kHz/48 kHz 16-Bit, USB 2.0 (Full Speed).
7. Staubschutz-Haube
Sehr gut gelöst wurde die Nutzung de beiliegenden Abdeckhaube des Plattenspielers. Denn die hat vorne zwei Schieber, die eingerastet dafür sorgen, dass die Haube fest mit dem Gerät verbunden ist, wenn man es tragen möchte.
8. Transport / Mobilität
Ein wesentlicher Trumpf des Handytraxx ist seine mobile Einsatzmöglichkeit, man kann ihn dank des geringen Gewichtes (2,8 Kg) und des eingebauten Tragegriff bequem überall mit hin nehmen. So die Theorie. Doch soll laut Bedienungsanleitung zum Transportieren des Plattenspielers der Plattenteller, das Gegengewicht und das Headshell mit TA abgenommen und separat verpackt werden. Nun, aus Sicherheitsgründen und um Schäden am Tonarmlager bzw. Plattentellerlager zu vermeiden, ist das sicherlich sinnvoll. Praktisch ist es allerdings nicht wirklich, man benötigt dann doch eine extra Tasche und muss jedes Mal oben beschriebene Inbetriebnahme vornehmen.
Für den einfach Transport - z.B. von einem Zimmer ins andere, in der waagrechten Tragepostion - gibt es noch eine Sicherungskappe für den Plattenteller, eine Art Gummi-Noppe mit Loch. Das finde ich ganz nett gemacht, man kann dieses Teil auch als Klemme beim Abspielen der Platte nützen.
9. Energiesparfunktion
Wird der Plattenspieler 20 Minuten lang nicht mehr genutzt, wenn der Motor des Plattentellers ausgeschaltet ist, dann schaltet sich der handytraxx automatisch aus.
10. Batterielebensdauer
Die Batterielebensdauer wird mit etwa 11 Stunden angegeben, wenn die Lautsprecher auf ON gestellt sind, der MAIN VOLUME-Regler auf der Mittelposition steht und Alkalibatterien verwendet werden.
Wie klingt der KORG Handytraxx Tube?
Nun, im Quercheck zu meinen ungleich viel teueren Laufwerk wird klar, wohin die Abstimmung des Handytraxx Tube geht: ein warmer, angenehmer und kräftiger Sound sorgt dafür, dass sich der Hörer wohlfühlen wird und emotional angesprochen wird. Dass da einiges an Feinzeichnung und Auflösung fehlt gegenüber einem Top-Laufwerk, ist zweifellos in dieser Preisklasse normal und kein Mangel dieses Gerätes. Zumindest kann man den Klang mit den Reglern nach dem eigenen Geschmack abstimmen.
Wählt man die Möglichkeit, statt dem Line-Eingang eines angeschlossenen Verstärkers dessen Phono-Eingang zu nutzen, kann man das Phonoteil des Handytraxx ausschalten (den Schiebeschalter auf Phono stellen). Je nach Güte der Phono-Abteilung des Verstärkers - oder, wenn sogar ein hochwertiges externer Phono-Verstärker verwendet wird - kann man schon eine deutliche Verbesserung des Klang-Niveau erreichen. Wobei auch da noch immer die Eigenschaften des JICO J44 A7 mit seinem kräftigen Bass und der warmen Abstimmung dominiert. Ich war zumindest erstaunt, als ich den Handytraxx an den Phono-Eingang meines Verstärkers angeschlossen habe, was da an Wucht aus den Lautsprechern kam.
Es scheint also, dass dieser kleine Plattenspieler in der Kombination mit dem J44 schon ein richtiger Spaßmacher sein kann und sogar ambitionierte Vinyl-Hörer zufrieden stellen dürfte.
Fazit
Der Handytraxx Tube ist ein durchdachter tragbarer Plattenspieler, der sich gut für Einsätze ausserhalb der heimischen Gefilde eignet. Auf der Plattenbörse eben mal ein paar LPs checken, im Gartenhäuschen Musik via Vinyl hören oder auf einer Party dem Gastgeber aushelfen, der an seiner Hifi-Anlage keinen Plattenspieler hat und trotzdem Vinyl-Scheiben hören will.
Manch einer wird staunen, was klanglich aus dem gerade mal unter 3 Kg leichten Gerät heraus kommt.
Die gesamte Bauweise dieses Gerätes ist überaus solide, an den wichtigen Stellen wurde auf gutes Niveau geachtet. Da hat man bei KORG ganz offensichtlich vieles richtig gemacht und eine hochwertige Alternative auf dem Markt des mobilen Plattenspieler geschaffen.
Positiv
• guter Klang
• korrekte Drehgeschwindigkeit
• Batteriebetrieb möglich (rund 11 Stunden)
• Kabelanschluss an Stereoanlage möglich
• Ausgang umschaltbar von Line auf Phono
• Staubschutz Haube arretierbar für Transport
• Tragegriff praktisch
• die Sicherungskappe für den Plattenteller kann auch als Plattenklemme genutzt werden
• Digitalisierung möglich
• Energiesparfunktion
• Nadel des beiliegenden MM-Tonabnehmers ist bequem austauschbar (Upgrade möglich!)
Weniger gut
• Kein Tonarmlift, manuelles Auflegen des TA
• TA-Aufsetzen & Abheben wegen kleinem Haltebügel schwierig
• Kein Antiskating
• Stellrad für Auflagekraft verstellt sich sehr leicht, da ist keine gebremste Drehung
• Metallteller sehr schnell mit Fingerabdrücke verschmutzt
• Batteriefach muss erst aufgeschraubt werden und ist auch dann fummelig zu öffnen
• Kabel Netzteil nur 1m lang
Technische Daten KORG Handytraxx Tube
• Antrieb: Riemenantrieb (mit computergestützter Rotations-Kompensierungs-Funktion)
• Motor: DC Servomotor
• Geschwindigkeiten: 33-1/3, 45 oder 78 Umdrehungen pro Minute
• Plattenteller: Druckguss-Aluminium
• Gleichlaufschwankungen: (WoW und Flutter)< 0.15% (WTD) at 3kHz
• Rauschabstand: > 60dB (DIN-B)
• TA-System: Stereo-MM-System im Lieferumfang enthalten (JICO J44 A7)
• Effektive Tonarmlänge: 190 mm
• Maximale Ausgangspegel: Phono: 420~750 mV (TUBE VR MIN) / Line: Max. +14.75 dBu THD 1% / Kopfhörer: Max. 70 mW (32 Ohm) THD 1% / Lautsprecher: Max. 2.5 Watt (THD 1%, 4Ω) x2
• Phono Vorverstärker: Gain 38dB / Equalizer-Charakteristik: RIAA
• Tone Reglung: Bass 130Hz, ±8dB / Treble 5.5kHz, ±8dB
• Tube Reglung: Gain 0 ~ 6dB
• USB-Audio: Ausgang 2 Kanäle, PCM 44,1 kHz / 48 kHz, 16 Bit, USB 2.0 (Full Speed)
• Leistungsaufnahme: 2,35W
• Spannungsversorgung: Externes Netzteil (im Lieferumfang enthalten), sechs AA-Batterien (Alkali oder Nickel-Metall-Hybrid, nicht im Lieferumfang enthalten)
• Lebensdauer der Batterie: ca. 11 Stunden (mit Lautsprecher: Ein, Hauptlautstärke: Mittel, Alkaline-Batterien)
• Gewicht: 2,8 kg (inklusive Abdeckung) + ca. 0,15 kg für die Batterien
• Abmessungen (B x T x H): 370 x 286 x 118mm (inklusive Abdeckung)
Lieferumfang
• Externes Netzteil mit Steckeradapter (5 Typen)
• Staubschutz-Haube
• Plattenteller
• Riemen
• Schallplattenmatte
• EP-Adapter
• Headshell mit vorinstalliertem TA-System JICO J44 A7
• Gegengewicht
• Sicherungskappe für den Plattenteller
• Schnellstartanleitung
Technische Daten Tonabnehmernadel JICO J44 A7
• Auflagegewicht: 1,5–3,0 g
• Nadelschliff: sphärisch, Nude
Gibt kräftige Bassfrequenzen mit einem weichen, ausgewogenen Klang wieder, ähnlich wie bei der Original-Tonabnehmer Shure M44-7.
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