Kandidat für Bestenlisten: Tyreek McDole mit der LP "Chroma"

Tyreek McDole | Foto: Prisca Munkeni Monnier

Auch wenn im Plattenschrank bereits jede Menge Jazzklassiker und viele neuere, zeitgenössische Jazzplatten stehen, so gibt es doch immer wieder Schallplatten, die einen überraschen. Mich würde es nicht wundern, wenn die LP "Chroma" des US-amerikanischer Jazzsänger Tyreek McDole schon bald in Bestenlisten auftaucht. Aber nicht nur seine extrem wandlungsfähige Stimme ist hier extrem beeindruckend, sondern auch die modernen und doch in der Jazzgeschichte wurzelnden Arrangements und Stilelemente seiner Musik.

Review: Tyreek McDole - Chroma (LP, Vinyl)



Trackliste


Seite 1

1. Chroma – 2:32
2. Wild Is The Wind – 4:58
3. She’s Alive – 4:41
4. Confession – 4:23
5. Blue In Green – 4:15

Seite 2

6. Wonderchild – 3:38
7. Untitled 05 – 4:31
8. Sunday – 3:52
9. Think Of You – 7:04
10. Go Home – 3:13


Noch immer suche ich nach Jazzsängern, die eine vergleichbar vielseitige und zugleich so fesselnde Stimme wie Tyreek McDole haben. Klassische Stimmen wären vielleicht Frank Sinatra oder Johnny Hartman, moderne sicherlich Gregory Porter, José James, Harry Connick Jr. oder Kevin Mahogany. Doch mit keinem dieser zweifellos großartigen Sänger kann man erklären, was auf der Platte "Chroma" zu hören ist. Mal ist es der dunkle Bariton, dann wieder weitaus heller und immer wieder anders, als würden hier ganz unterschiedliche Sänger mitwirken.

Die Einleitung der LP mit dem Titelstück und seinen hektisch theatralisch Text ist eher als Intro aus einer urban Umgebung zu verstehen, die mit dem anschließenden sinnlichen "Wild Is The Wind" mit entspanntem Klavier und schlichten Drum-Spielereien in eine weit relaxtere Stimmung übergeht. Der warm-weiche und dunkel timbrierte Gesang hat hier schon fast sexy Feeling. "She’s Alive" wird mit Trompete eingeleitet, eine feine Ballade mit schöner Bass-Linie, die auch in ein kurzes Soli übergeht. McDoles Stimme geht hier schon in Richtung Falsett. Das rhythmisch treibende "Confession" ist hat souligen Charakter mit Scat-Gesang, stilistisch könnte man da Elemente von Michael Jackson, Prince oder auch George Benson entdecken. "Blue In Green" - eine Komposition von Miles Davis und Bill Evans - ist eines der Höhepunkte dieses Albums, das Klavier und der wieder dunklere Gesang federn auf einem stimmungsvollen Teppich aus sanften Bass/Drums, Gitarre Synthesizer und Rhodes.

Seite 2 beginnt ebenfalls sehr elegant und klassisch, im Quartett: Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Die Gitarre ist mit viel Hall unterlegt, was eine fast schon wehmütige, Country-hafte Atmosphäre erzeugt, von den Hi-Hats stilvoll begleitet. Danach swingt und groovt das "Untitled 05" im Stile moderner Jazz/Rap-Synthese, die Kompostion stammt schließlich auch von Kendrick Lamar. "Sunday" hingegen schaltet wieder einen Gang herunter, auch hier wieder ein Crooner-artiger Gesang, der dann wieder in heller timbrierte Stimmlage wechselt. Mit etwas karibischen Flair und Latin wartet "Think Of You" auf, kommen da seine haitianischen Wurzeln zum Vorschein? Den Abschluss bildet mit "Go Home" wieder eine Nummer zum Abschalten, Relaxen, ohne Hektik, selbst in einer Großstadt (mit Stadtgeräuschen im Hintergrund) - das Intro "Chroma" wird damit wieder aufgegriffen und zu einem wohltuenden Schluss geführt.

Das Album wurde zusammen mit Theo Croker produziert, das mit oben beschriebenen Stücken Vergangenheit und Gegenwart kombiniert, afroamerikanische Stilistiken mit westlicher Jazz-Idiome vereint. Es gibt vielleicht eine Antwort auf die Frage, wohin sich der Jazz entwickelt und woher er kommt. Sehr stark!


Fakten


• Veröffentlichung 6. November 2026
• Label: Artwork Records
• Katalog-Nummer: ARTR0023LP
• Pressung: GZ Media
• Pressqualität*: 4
• Inhalt: 140g Vinyl
• Besonderheit: Innenhülle mit Songtexten
• Aufnahmen: 5.-12. Januar & 17. Februar 2026 in den Bunker Studios in Brooklyn, New York City / USA
• Genre: Jazz, Souljazz, Vocal Jazz

Besetzung


• Tyreek McDole - Gesang
• Emmanuel Michael - Gitarre
• Michael King - Klavier, Fender Rhodes, Yamaha MODX7 Orgel
• Akili Bradley - Trompete
• Brandon Rose - Bass
• Joe Dyson - Schlagzeug, Perkussion
• Theo Croker - Produktion, Perkussion, Samples
• Marcelo De Lamare - Samples, Synthesizer, Programming


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* Pressqualität 1-5:
1= starke Nebengeräusche, deutlich sichtbare Pressfehler
5= keinerlei Nebengeräusche, optisch perfekt



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