Testbericht Plattenbügler Pro-Ject Flatten It

Das Wiener Unternehmen Pro-Ject hat sein umfangreiches und bei Vinyl-Liebhabern geschätztes Sortiment um ein spannendes Produkt erweitert, das sich schnell als Verkaufsschlager etabliert hat: der Schallplatten-Bügler "Flatten It". Zwar existieren bereits ähnliche Geräte auf dem Markt, doch keines bietet ein so unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis wie der "Flatten It". In diesem Testbericht erfährst du, was diese Maschine so besonders macht und wo dessen Grenzen liegen.

Schallplatten begradigen mit Pro-Ject Flatten It - der Test


Die Entwicklung einer "Glättungsmaschine" für Vinyl-Schallplatten ist alles andere als einfach. Diese Erfahrung mussten auch die Techniker von Pro-Ject machen, denn der Weg zu einem fertigen Gerät dauerte länger als erwartet. DIY-Fans denken vielleicht: "Das ist doch keine Kunst! Einfach die gereinigte LP zwischen zwei Glasplatten legen und bei knapp 60°C in den Backofen schieben. Funktioniert einwandfrei." Was dabei oft unerwähnt bleibt, sind die zahlreichen Fehlversuche und die zerstörten Schallplatten, die durch solche Experimente auf der Strecke bleiben.

Ist es dann nicht geschickter, auf die professionelle Variante zu setzen? Eine preiswerte und unkomplizierte Option wäre, die wellige LP zu einem Plattenhändler zu bringen, der einen solchen Service anbietet. Doch nicht jeder hat diese Möglichkeit oder die Zeit dafür. Genau hier setzt der "Flatten It" von Pro-Ject an, der sich als praktische Alternative für Zuhause etabliert. Beim Vergleich mit anderen Geräten auf dem Markt zeigen sich sowohl funktionale als auch preisliche Unterschiede (Stand 12/2025):

 

ORB Flattener DF-01iA: ca. 1400 EUR (Plus-Variante: 1700 EUR)
AFI FLAT.DUO: 1999 EUR
AFI FLAT.2: 2999 EUR
Furutech LP Flattener DF-2: ca. 3000-3200 EUR

Und:

Pro-Ject Flatten It: 799 EUR

 

Pro-Ject Flatten It - Allgemeine Infos


Pro-Ject hat dieses Gerät mit einem klaren Ziel entwickelt: verzogene und wellige Schallplatten wieder in ihre ursprüngliche, plane Form zu bringen. Was das Gerät nicht leisten kann, ist die Beseitigung von Rillenverformungen durch Wärmeeinwirkung – das schafft kein Plattenbügler der Welt.


Dennoch ergibt sich durch die Begradigung ein weiterer Vorteil: ein verbessertes Klangverhalten der LP – vorausgesetzt, die Aufnahmequalität gibt dies her. Der Grund liegt in der Theorie: Bei einer welligen Schallplatte ändern sich die geometrischen Parameter des Tonabnehmers in Kombination mit der Tonarmlänge, insbesondere der VTA (Vertical Tracking Angle) und der Azimut. Dieser Effekt ist oft subtil und nicht immer direkt wahrnehmbar, aber er ist messbar und damit Fakt.

Besonderheiten des Flatten It


Das Konzept des Flatten It-Geräts setzt auf maximale Benutzerfreundlichkeit. Dazu gehört auch ein bewusst minimalistischer Ansatz: Es gibt keine festen Programme. Pro-Ject hat die Heiztemperatur auf 58°C mit einer Hysterese von 2°C festgelegt, die nicht verändert werden kann. Ansonsten sind weder eine automatische Endabschaltung noch eine einstellbare Zeitsteuerung für den Kühlvorgang integriert. Das bedeutet, dass eine externe Zeitmessung erforderlich ist, um den Kühlmodus manuell zu aktivieren und noch ein weiteres Mal, wann die LP fertig und somit entnommen werden kann.

Pro-Ject hebt als positiven Nebeneffekt des Begradigungsprozesses auch klangliche Verbesserungen hervor. Allerdings bleibt unklar, ob sich dies auf das sogenannte Tempern bezieht, das beispielsweise von den beiden AFI-Geräten beherrscht wird oder auf die Korrektur der oben erwähnten Geometriefehlern. Letztere können klangliche Beeinträchtigungen verursachen, die durch das Glätten der Platte behoben werden. Das Tempern wird im Test separat getestet und durch einen Hörtest überprüft.

Das Gehäuse besteht hauptsächlich aus Aluminium und setzt sich aus einem Unterteil sowie einem klappbaren Oberteil zusammen, das zum Einlegen der Schallplatte nach oben geöffnet wird. Hier zeigt sich bereits der Unterschied zur DIY-Variante mit Glasplatten aus dem Backofen:

Die Auflageflächen von Basis und Deckel sind gezielt so gestaltet, dass sie Vertiefungen an den Stellen aufweisen, an denen eine standardkonforme Schallplatte Erhöhungen hat – nämlich am äußeren Rand und in der Mitte, wo sich das Plattenlabel aus Papier befindet.

Im Zentrum der Basis befindet sich ein Dorn, der - ähnlich wie bei einem Plattenspieler - eine präzise Zentrierung der Schallplatte ermöglicht.


Die Scharniere des Deckels sind so gestaltet, dass er sich an Schallplatten unterschiedlicher Dicke anpasst und deren Einlegen problemlos erlaubt.

Pro-Ject liefert eine Papierhülle mit, die beim Einlegen der Schallplatte verwendet werden kann.

Warum diese Hülle genutzt werden sollte, wird jedoch weder in der Bedienungsanleitung noch im englischsprachigen Text auf der Hülle selbst konkret erklärt. Der Hinweis, dass "Papierhüllen eine Barriere zwischen der Schallplatte und Staub, Schmutz sowie anderen potenziellen Abriebmitteln bilden", bleibt recht vage und wenig überzeugend.

 

Insbesondere, da gleichzeitig empfohlen wird, die Schallplatte vor dem Abspielen zu reinigen. Zudem ist die Verwendung der Papierhülle optional. Aus diesem Grund habe ich in meinem Test beide Varianten – einmal mit und einmal ohne die Papierhülle – ausprobiert. Mehr dazu später.

An der Rückseite des Geräts befinden sich zwei Schalter und ein kleines Display.

Der "Power-Kippschalter" dient zum Einschalten des Flatten it. Sobald das Gerät aktiviert ist, leuchtet das Display auf. Die rote Anzeige zeigt die aktuell gemessene Temperatur (zu Beginn die Raumtemperatur), während die blaue Anzeige den Wert 58.0 darstellt. Wenn dieser Wert angezeigt wird, ist die Elektronik sowie die Funktion der Heizelemente einwandfrei.

Mit dem "Heating-Kippschalter" beginnt der Heizvorgang, nachdem die Platte eingelegt wurde. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, mit einem kleinen Taster am Display zwischen Celsius und Fahrenheit umzuschalten. Sobald die Heizplatten eine Temperatur von 58°C erreicht haben, schaltet ein Relais hörbar ab. Sinkt die Temperatur unter 56°C, schaltet das Relais erneut ein. Die Temperatur pendelt während des Betriebs konstant zwischen diesen Werten, solange der "Heating-Schalter" eingeschaltet bleibt.


Materialkunde Vinyl-Schallplatte


Vinyl Granulat für Schallplatten

Ein kurzer Exkurs in die Materialkunde der Schallplatte: Die bei Vinyl-Pressungen verwendeten Granulate bestehen aus einer Mischung verschiedener Bestandteile. Der Hauptbestandteil ist Polyvinylchlorid (PVC), das mit einem Anteil von 60-90% für die Stabilität sorgt. Hinzu kommt Polyvinylacetat (PVAc) mit etwa 10-30%. Der Rest setzt sich aus Stabilisatoren, Gleitmitteln, Füllstoffen, Antistatika und Farbstoffen zusammen.


Für unser Vorhaben ist vor allem die Temperatur entscheidend, bei der die Hauptbestandteile beginnen, weich zu werden: PVC ab etwa 80°C und PVAc bereits bei 18-29°C. Je nach Zusammensetzung des Granulats, das für die Schallplattenproduktion verwendet wird, können Temperaturen über 50°C bereits Schäden am Vinyl verursachen. In Fachkreisen ist bekannt, dass Schallplatten aus den USA besonders empfindlich auf Hitze reagieren. Diese LPs sind daher für den Einsatz im "Flatten It" ungeeignet, da das Gerät fest auf eine Temperatur von 58°C eingestellt ist und nicht angepasst werden kann.

Wann ist ein Plattenbügler sinnvoll?


Es gibt Plattenspieler und Tonabnehmer, die besonders empfindlich auf wellige Schallplatten reagieren. Schon geringfügige Unebenheiten können dazu führen, dass die Gehäuse-Unterkante eines TA die Vinyloberfläche berührt. In anderen Fällen kann sich eine ungünstige Nadelnachgiebigkeit durch deutlich wahrnehmbare Höhenschwankungen oder störende Rumpelgeräusche äußern. In solchen Situationen schafft eine Begradigung der Schallplatte definitiv Abhilfe.
Ein weiteres Anliegen vieler Vinyl-Liebhaber ist die Sorge, dass hochwertige Tonabnehmer durch wiederholtes Abspielen verwellter LPs langfristig Schaden nehmen könnten. Zwar stellt das ständige Auf und Ab der Plattennadel tatsächlich eine gewisse Belastung für das Nadelträgersystem dar, jedoch kann hier weitgehend Entwarnung gegeben werden: Die meisten Tonabnehmer sind robust genug, um dies problemlos zu verkraften.
Dennoch bleibt eines unbestritten: Eine plane Schallplatte gewährleistet die optimale Abtastung des Musiksignals und sorgt damit für das bestmögliche Klangerlebnis.

Testbedingungen


Basierend auf rund 30 Jahren Erfahrung mit verschiedenen Plattenbüglern habe ich bei den Tests folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Keine der LPs wurde mit einem Föhn oder anderen Wärmequellen manipuliert. Es kamen ausschließlich Schallplatten zum Einsatz, die bereits eine Verwellung hatten.
  • Jede LP wird vor der Behandlung gründlich gereinigt.
  • Es wird zwischen älteren LPs und solchen unterschieden, die neuwertig oder erst in den letzten Jahren gepresst wurden. Der Grund: Verwellungen, die unterschiedliche Ursachen haben können und bereits seit über 10 Jahren bestehen, neigen trotz erfolgreicher Begradigung oft dazu, in ihren ursprünglichen Zustand zurückzukehren. Daher sind ältere LPs weitaus schwieriger zu behandeln. In den meisten Fällen sind mehrere Durchgänge erforderlich. Aus Erfahrung warte ich nach dem Erreichen eines planen Zustands einige Tage ab und überprüfe den Status erneut.
  • Jeder Test wird sorgfältig dokumentiert.

 

Testergebnisse mit dem Flatten It


Ältere LPs begradigt

Es wurden vorwiegend europäische und deutsche Pressungen aus den Jahren 1971 bis 1984 getestet. Das schlechteste Ergebnis zeigte die deutsche Pressung von "Rainbirds - dto." (1987). Nach der empfohlenen 2-stündigen Heizzeit und weiteren 2 Stunden Abkühlzeit auf 27,5 °C ließ sich die Welle mit 1,5 mm Verformung überhaupt nicht reduzieren. Selbst nach einem zweiten Versuch im DUO-FLAT bei 58 °C und 1 Stunde Haltezeit konnte die Verformung nur um 0,5 mm verringert werden. Dies bestätigt die langjährige Erfahrung, dass ältere Verwellungen nur schwer zu beseitigen sind. Oft erfordern sie mehrere Durchgänge und hinterlassen selbst dann noch eine leichte Restwelle.

Das beste Ergebnis wurde bei einer LP von Sade ("Diamond Life", 1984) erzielt. Eine starke Verwellung von 2,5 mm in Kombination mit einer Delle in der Mitte der Rillenfläche konnte auf eine Restwelle von knapp 1 mm reduziert werden. Die Delle wurde vollständig beseitigt, jedoch waren an dieser Stelle kleine Löcher sichtbar, die nur minimal hörbar waren. Auch die deutsche Pressung der "Nina Hagen Band" (1978) zeigte nach der Begradigung ein nahezu planes Ergebnis, obwohl sie zuvor eine Welle von 1,5 mm aufwies.

Neuere LPs begradigt

Bei schwarzem Vinyl waren die Ergebnisse durchaus überzeugend: LPs mit einer Wölbung von ca. 2 mm zeigten nach einem einzigen Bügeldurchgang nur noch eine Restwelle von etwa 0,5 mm. Diese verbliebene Welle blieb auch nach einer Ruhezeit von 1-2 Tagen stabil und bildete sich nicht zurück. Ähnlich positiv war das Ergebnis bei einer farbigen Pressung in Neon-Orange (Garbage). Hier konnte eine Wölbung von 1,5 mm auf knapp 0,5 mm reduziert werden.

Probleme gab es allerdings bei einer zweifarbigen Vinyl-Pressung im Splatter-Design. Auch wenn die Welle von 1,5 mm auf 0,5 mm minimiert wurde, traten anschließend störende Effekte auf, wie sie häufig bei US-Vinyl zu finden sind: hörbare Dellen, die vor der Behandlung nicht vorhanden waren. Interessanterweise stammte die betreffende Platte aus Tschechien.

Fazit: Bei farbigem Vinyl besteht ein gewisses Risiko, insbesondere bei speziellen Designs wie Splatter-Pressungen oder LPs mit metallischen Beimengungen (Gold/Silber).

Tempern mit Flatten It


Ich hatte mehrere brandneue, klanglich hochwertige LPs doppelt zur Verfügung. Daher entschied ich mich, nach der gründlichen Reinigung beider LPs jeweils eine LP unbehandelt zu lassen und das Doppel-Exemplar mit dem Bügler zu tempern. Dabei wurde das Gerät auf 56–58°C aufgeheizt und diese Temperatur für etwa 30 Minuten gehalten, bevor es abgeschaltet wurde. Dieses Vorgehen entspricht zeitlich in etwa dem Temper-Programm des AFI. Nach vollständiger Abkühlung auf Raumtemperatur wurde die LP entnommen und der Prozess mit weiteren Schallplatten wiederholt.

 

Um einen möglichst objektiven Hörvergleich anzustellen, habe ich einen Blindtest mit mehreren Personen durchgeführt. Das Ergebnis: Bei keiner der behandelten LPs konnten eindeutige klangliche Unterschiede festgestellt werden. Lediglich bei einer ECM-LP und der rein analogen LP eines Berliner Plattenlabels waren sich die meisten einig, dass die Feinzeichnung und die Abbildung der Instrumente minimal verbessert schienen.


Vor etwa zwei Jahren führte ich einen ähnlichen Test mit dem AFI Flat.2 durch, bei dem die hörbaren Unterschiede deutlich markanter ausfielen. Der Grund dafür dürfte in der langsameren Erwärmung auf maximal 52°C und dem ebenso schonenderen Abkühlprozess des AFI liegen. Welche physikalischen Prozesse genau dafür verantwortlich sind, könnten wohl eher Materialwissenschaftler erklären, die das Tempern bereits seit Langem in der Industrie einsetzen.

Wer dazu weitere Informationen möchte, kann sich diesen Bericht ansehen: Link

Gesamt-Fazit


Der Flatten It erfüllt seine Aufgabe zuverlässig, vorausgesetzt, man achtet auf die Herkunft der Schallplatten. Deutsche oder europäische Pressungen aus schwarzen Vinyl lassen sich in der Regel problemlos begradigen. Dennoch sollte man sich stets bewusst sein, dass ein geringes Restrisiko nie ausgeschlossen werden kann.

Die Bedienung des Geräts ist bewusst simpel gehalten, sodass in diesem Bereich kaum Fehler möglich sind. Während meiner Tests habe ich sowohl mit als auch ohne Papier-Einlage gearbeitet – ein Unterschied war nicht festzustellen, weshalb ich empfehlen würde, auf die Einlage zu verzichten.

Ein Nachteil ist das Fehlen einer automatischen Abschaltung oder verschiedener Programme. Dies erfordert eine externe Zeitmessung, etwa durch ein Handy oder einen Wecker. Insbesondere die Temper-Funktion, die bei Geräten von Mitbewerbern wie AFI verfügbar ist, fehlt bei diesem österreichischen Modell.

Die einzige Anpassungsmöglichkeit für den Nutzer ist die Heizdauer, was jedoch auch einen Vorteil darstellt. Hier kann man nach Belieben experimentieren. Im Vergleich zur Konkurrenz, die häufig durch feste Programme eingeschränkt ist, bietet die Flatten It mehr Flexibilität in diesem Punkt.

Ein unbestreitbarer Pluspunkt ist jedoch der Preis. Für ein Produkt europäischer Herkunft ist dieser aktuell nahezu unschlagbar.

Technische Daten Flatten It


• Stromanschluss: 230/240 Volt 50 Hz

• Stromverbrauch: Max. 120W

• Abmessungen (B x H x T): 365 x 60 x 420 mm 

• Gewicht: 4kg (netto)

• Stromversorgung: 12V, 10A DC

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