Ihre Sounds sind verstörend und zugleich fesselnd: sie irritieren, lassen einen ratlos zurück und entfalten dennoch eine unwiderstehliche Faszination. Mit ihrer neuen Doppel-LP „Bäckerei 2000“ schaffen die vier Musiker von C.A.R. ein Werk, das sich so konsequent jeder Beschreibung zu konsumierbarer Musik entzieht. Und dann ist da noch die Reminiszenz an eine legendäre Formation der 60er-Jahre!
Review: C.A.R. - Bäckerei 2000 (LP, Vinyl)
Trackliste
Seite 1
1. When M 14:31
2. Badger Watching in Britain 4:26
Seite 2
3. Los Pinchos 7:59
4. High-Profile Event Manager 2:58
5. Brühstufe 4 8:53
Seite 3
6. Crimson and Azure Have Become as the Sun 8:35
7. Suena Horrible la Trompeta 0:29
8. Müsliland 6:02
9. Filter 86 4:15
Seite 4
10. Für 4K RAW Video Editing Benötige Ich Mehr Power 6:35
11. Tau Ceti Space Fair 4:47
12. Simcard Simcard 7:14
Ob das beabsichtigt ist oder Zufall, der Bandname C.A.R. hat schon mal eine zwingende Ähnlichkeit mit CAN - jener berühmten avantgardistischen Gruppe aus Köln, die 1968 gegründet wurde und dann Musikgeschichte geschrieben hat. Und hört man sich dieses Album "Bäckerei 2000" an, so könnte man schon beinahe auf die Assoziation "CAN 2.0" kommen. Was auch nicht ganz falsch ist, nachdem C.A.R. im Jahre 2019 mit CANs legendärem Sänger Damo Suzuki auf der Bühne stand - zwei Generationen mit Experimentalmusik, die in keine Schublade passt.
Auch diese zwölf teils überlangen Stücke passen in keines der üblichen Genre-Beschreibungen. Zwar werden hier Begriffe wie Psychedelic, Krautrock, Jazz und Electronic in den Raum geworfen, doch so wirklich passen sie nicht und berühren das Gehörte nur ansatzweise. Und genau dies ist das spannende daran und bietet dem Hörer, der sich für neues offen zeigt, überaus reizvolle Entdeckungen.
Mit der eklektischen Mischung aus akustischen Instrumenten, Synthesizer und Elektronik entstehen Sounds und Rhythmen, die mal entspannt wirken und auch mal verstörend, verwirrend. Es sind ekstatische bis hypnotische Momente, die Leonhard Huhn, Christian Lorenzen, Kenn Hartwig und Johannes Klingebiel da an vier Tagen im eigenen „Sauna“ Studio in der Berliner Gaswerksiedlung produzierten.
Repetitive Beats der dominierenden Perkussion treffen auf flächige Soundlandschaften, die durch die einfließenden Instrumente wie Saxofon, Klarinette oder Piano mal jazzige Momente, dann auch auch wieder fast schon beklemmende Industrial-Anleihen offenbaren. Hinzu kommen Stimmen-Fragmente oder unterschwellig auftauchende Vokal-Beiträge.
Diese Musiker haben bei den Aufnahmen die Improvisation als Element genutzt, ähnlich einer Live-Performance. Sie hatten den Angaben zufolge kein Notenblatt, kein abgesprochenes Riff. Dass sie dabei auch so ungewöhnliche Instrumente wie Gimbri, Klangschale und sogar einen Nintendo GameBoy zur Klangerzeugung nutzten, spricht viel dafür, dass "Bäckerei 2000" eher einem Experiment als einer geplanten Session ähnelt. Und das macht dieses Werk so reizvoll und überraschend.
Fakten
• Veröffentlichung 9. Oktober 2026
• Label: Planet Akwa
• Katalog-Nummer: AKWA007
• Pressung:
• Pressqualität*: 2
• Inhalt: 2x 150g Vinyl
• Besonderheit:
• Aufnahmen:
• Genre: Psychedelic, Electronica, Jazz
Besetzung
• Leonhard Huhn - Saxophones, Clarinets, Voice, Prepared Piano, Percussion, FX
• Christian Lorenzen - Synthesizers, Fender Rhodes, Prepared Piano, Percussion, FX
• Kenn Hartwig - Bass, Nintendo GameBoy, Guembri, Prepared Piano, Electric Guitar, Drums, Percussion, FX
• Johannes Klingebiel - Drums, Synthesizers, Prepared Piano, Percussion, Voice, FX
• Hayden Chisholm - Voice
* Pressqualität 1-5:
1= starke Nebengeräusche, deutlich sichtbare Pressfehler
5= keinerlei Nebengeräusche, optisch perfekt
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