Effektvoll: die "Auferstehungs-Sinfonie" von Mahler mit Järvi

Paavo Järvi - Tonhalle-Orchester Zürich | (c) Alberto Venzago

Ein opulentes Werk in fünf Sätzen, geschrieben für großes Orchester, Chor und Solisten: Mit seiner zweiten Sinfonie sprengte Gustav Mahler den üblichen Rahmen. Die rund 85-minütige, auch als „Auferstehungs-Sinfonie“ bekannte Komposition setzt sich mit Leben und Tod sowie mit der Suche nach Sinn auseinander – Themen von zutiefst menschlicher Bedeutung. Paavo Järvi gestaltet daraus einen spannungsvollen Dialog.

Review: Paavo Järvi / Mahler - Symphony No. 2 "Resurrection" (2 LP, 180g Vinyl)


Trackliste


Gustav Mahler (1860–1911)
- Sinfonie Nr. 2 in C-Moll „Auferstehungs-Sinfonie“

Seite 1

I. Satz: Allegro maestoso. Mit durchaus ernstem und feierlichem Ausdruck

Seite 2

II. Satz: Andante moderato. Sehr gemächlich
III. Satz: In ruhig fließender Bewegung

Seite 3

IV. Satz: „Urlicht“. Sehr feierlich, aber schlicht
V. Satz: Im Tempo des Scherzo.
Wild herausfahrend | Langsam | Molto Ritenuto - Maestoso - Allegro energico

Seite 4

V. Satz: Wieder zurückhaltend | Langsam. Misterioso. „Aufersteh’n, ja aufersteh’n“ |
Etwas bewegter. „O glaube, mein Herz!“

Spieldauer 84'53

Wie auch immer Gustav Mahler sich den Klang seiner „Auferstehungs-Sinfonie“ vorgestellt haben mag: Die Darbietung von Paavo Järvi und dem Tonhalle-Orchester Zürich wirkt auf mich anmutig, ausgesprochen unterhaltsam und zugleich von ausufernder Dramatik und Energie geprägt. Dabei kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Interpretation für mich sehr „amerikanisch“ klingt. Was ich damit meine, möchte ich im Folgenden erläutern.

Amerikanische Orchester verstehen es oft besonders gut, Dramatik und emotionale Melodien effektvoll in Szene zu setzen – Show gehört hier durchaus zum Konzept. Vergleichbare Ansätze habe ich immer wieder bei US-Orchestern gehört, und sie sind zweifellos beeindruckend. Auch Järvi gestaltet vor allem den opulenten ersten und fünften Satz entsprechend spektakulär: wuchtige Pauken, schmetternde Hörner und Streicher, die mit großer Spielfreude agieren.

Die zum Vergleich herangezogene Aufnahme von Georg Solti mit dem London Symphony Orchestra (Decca SET 325/6) ist nicht weniger üppig und kraftvoll gestaltet, erscheint jedoch geschlossener, eleganter und weniger auf Wirkung bedacht. Solti erweist sich hier eher als Maler mit feinem Pinselstrich, der Mahlers enorme Farbpalette differenziert ausleuchtet. Järvi dagegen setzt mitunter auf breitere Linien und kräftigere Schwünge. So entsteht eine äußerst dynamische Lesart dieser Sinfonie, besonders im ersten und natürlich im ausgedehnten fünften Satz.

Einen reizvollen Kontrast bildet der gemächlichere zweite Satz mit seinen fließenden Streicherlinien und Pizzicato-Einsätzen, die allerdings ebenfalls eine beachtliche Dynamik entfalten – insbesondere durch die Blechbläser. Der dritte Satz, der mit einem markanten Paukenschlag startet, bleibt gleichfalls in ständiger Bewegung und mündet in einen aufwühlenden Schlussakkord. Im feierlich anmutenden vierten Satz ist erstmals Gesang zu hören: Anna Lucia Richter interpretiert das Gedicht „Urlicht“ hinreißend schön. Das Finale, der fünfte Satz, ist in seiner Dramaturgie zweifellos ein Geniestreich Mahlers. Mit großartigen Spannungsbögen, Tutti-Passagen und dem Chor gestaltet er das Auferstehungsthema in seiner ganzen Wucht.

Klanglich ist diese Einspielung ebenfalls ein Erlebnis: Die Wucht des großen Orchesters kommt in vollen Zügen zur Geltung. Zwar erreicht die Aufnahme nicht ganz die legendäre Decca-Produktion aus der Kingsway Hall mit ihrer herausragenden Räumlichkeit und Feinzeichnung, doch sie überzeugt mit einem klar geordneten Bühnenbild sowie einem wunderbar klingenden Chor und der Sopranistin Mari Eriksmoen – mit hohem Gänsehaut-Faktor.


Fakten


• Veröffentlichung: 6. November 2026
• Label: Alpha Classics
• Katalog-Nummer: ALPHA 1277
• Pressung:
• Pressqualität*: 4
• Inhalt: 180g Vinyl
• Besonderheit: Klappcover mit Linernotes (deutsch/englisch/französisch)
• Aufnahmen: November 2025 in der Tonhalle in Zürich / Schweiz
• Genre: Klassik, Orchester, Sinfonie

Besetzung


• Tonhalle-Orchester Zürich
• Paavo Järvi - Dirigent
• Mari Eriksmoen - Sopran
• Anna Lucia Richter - Mezzo-Sopran
• Zürcher Sing-Akademie
• Florian Helgath - Leitung Chor

* Pressqualität 1-5:
1= starke Nebengeräusche, deutlich sichtbare Pressfehler
5= keinerlei Nebengeräusche, optisch perfekt



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