Wenn sich Klassikliebhaber drei Wünsche erfüllen könnten, würde einer davon wohl jetzt Wirklichkeit werden: Neuauflagen legendärer Decca- und Philips-Schallplatten – in höchster Qualität und selbstverständlich rein analog. Ab Januar 2026 erscheinen die ersten drei Titel, weitere Veröffentlichungen sind für Mai und September geplant.
Drei legendäre Decca LPs neu auf Vinyl aufgelegt
Unter dem Namen "Decca Pure Analogue" wurden wahre Schätze aus den Archiven von Decca und Philips gehoben – Aufnahmen aus dem goldenen Zeitalter beider Labels, geprägt durch die legendären Technologien „ffrr“ und „ffss“.
Die mir vorliegenden Exemplare zeigen schon jetzt eindrucksvoll, was Analog-Liebhaber von dieser Serie erwarten dürfen: liebevoll gestaltete Klappcover im originalgetreuen Artwork, ergänzt durch Archivfotos und Faksimile-Abdrucke der originalen Tonbandschachteln. Dazu gibt es ein informatives Beiblatt, auf dem Dominic Fyfe ausführliche Einblicke in die Geschichte des jeweiligen Albums, die technischen Hintergründe und den Mastering-Prozess gibt.
Die hochwertig gepressten LPs liefern einen Klang, der an die besten Originale aus den 60er- und 70er-Jahren erinnert – mitunter sogar noch etwas besser. Das liegt vor allem daran, dass ausschließlich analoge Quellen wie die originalen Stereo- und Quadrophonie-Masterbänder verwendet wurden. In einem besonderen Fall – dem Wiener Neujahrskonzert von 1979 – konnte sogar ein ¼-Zoll-Zweispur-Analogmaster aufgespürt werden, obwohl diese Aufnahme bisher nur digital veröffentlicht wurde.
Alle Titel wurden in den Emil Berliner Studios von Rainer Maillard gemastert und von Sidney C. Meyer geschnitten – ein eingespieltes Team, das bereits bei der gefeierten Original Source-Serie überzeugt hat. Für Vinyl-Enthusiasten heißt das: Es gibt jeden Grund zur Vorfreude!
Jean Sibelius - Sinfonien Nr. 5 & 7 (2 LP, 180g Vinyl)
Trackliste
Jean Sibelius (1865-1957)
LP 1: Symphony No. 5 in E-Flat Major, Op. 82
Seite 1
1. I. Tempo molto moderato – Largamente – Allegro moderato – Presto
Seite 2
2. II. Andante mosso, quasi allegretto
3. III. Allegro molto – Misterioso – Un pochettino largamente – Largamente assai
LP2: Symphony No. 7 in C Major, Op. 105
Seite 3
4. I. Adagio
5. II. Vivacissimo – Adagio
6. III. Allegro molto moderato – Allegro moderato
7. IVa. Vivace – Presto – Adagio – Largamente molto
8. IVb. Affettuoso
Seite 4
9. Tapiola, Op. 112
Sir Colin Davis war einer der ganz großen und bedeutenden Dirigenten unserer Zeit. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche herausragende Schallplattenaufnahmen für Labels wie London Records, EMI, Columbia, Mercury Living Presence – und besonders Philips, ein oft unterschätztes Label, das unter Kennern höchsten Respekt genießt. Eine seiner bemerkenswerten Einspielungen ist die Aufnahme der Sinfonien Nr. 5 und Nr. 7 von Sibelius mit dem Boston Symphony Orchestra aus dem Jahr 1975.
Die Originalveröffentlichung war eine normale Einzel-LP mit einer Laufzeit von rund 32 Minuten auf der ersten Seite, die Sinfonie Nr. 5 umfasste. Auch wenn ich diese LP nicht besitze, kann ich mir lebhaft vorstellen, welchen Mehrwert das Reissue von 2026 bietet: Die Sinfonie Nr. 5 wurde hier auf zwei Plattenseiten verteilt, was der Dynamik und der Klangqualität spürbar zugutekommt. Feinste Details der Instrumentengruppen, eine beeindruckende Tiefe und Fülle im Bass sowie eine großartige klangliche Balance machen dieses Reissue zu einem Genuss für audiophile Hörer.
Die farbenprächtige Klangwelt dieser Aufnahme passt perfekt zu den Sinfonien von Jean Sibelius, die mit ihren sinfonischen Dichtungen die Seele Finnlands einfangen. Die harmonische Klangfülle und die reichen Melodien von Sibelius werden immer wieder durch kraftvolle Orchester-Tutti ergänzt – eine Kombination, die gleichermaßen fesselnd und unterhaltsam ist. Kein Wunder, dass Sir Colin Davis ein großer Bewunderer des finnischen Komponisten war. Dieses Album, das die Sinfonien Nr. 5 und Nr. 7 umfasst, war nicht nur der Auftakt für den legendären Davis/Boston-Sibelius-Zyklus, sondern auch eine der letzten Quadrophonie-Aufnahmen bei Philips.
Für die Neuauflage wurde die Stereoversion sorgfältig aus den originalen ½-Zoll-Quadrophonie-Masterbändern gemischt.
Als besonderen Bonus enthält die vierte Seite die sinfonische Dichtung "Tapiola", ein Werk, das die geheimnisvolle Atmosphäre finnischer Wälder mit ihren mythischen Waldgeistern eindrucksvoll einfängt. Dramatisch, aufwühlend und voller Intensität – eine perfekte Ergänzung zu den Sinfonien.
Fakten
• Veröffentlichung: 16. Januar 2026
• Label: Decca / Universal
• Katalog-Nummer: 4871495
• Pressung: Pallas
• Pressqualität*: 4
• Inhalt: 2x 180g Vinyl
• Besonderheit: Klappcover, Beiblatt mit Infos, auf 3030 Stück limitiert
• Aufnahmen: 4.-6. Januar 1975 (Sinfonien) und 1. Dezember 1975 (Tapiola)
• Genre: Klassik, Orchester
Besetzung
• Boston Symphony Orchestra
• Sir Colin Davis - Dirigent
Igor Strawinsky - Le sacre du printemps (LP, 45rpm, 180g Vinyl)
Trackliste
Seite 1
Le Sacre du printemps, K15
1. I. Introduction
2. II. The Augurs of Spring. Dances of the Young Girls
3. III. Ritual of Abduction
4. IV. Spring Rounds
5. V. Games of the Rival Tribes
6. VI. Procession of the Sage
7. VII. Adoration of the Earth (The Sage)
8. VIII. Dance of the Earth
Seite 2
Le Sacre du printemps, K15
9. IX. Introduction
10. X. Mystic Circles of the Adolescents
11. XI. Glorification of the Chosen One
12. XII. Evocation of the Ancestors
13. XIII. Ritual of the Ancestors
14. XIV. Sacrificial Dance
Bereits der dezente Auftakt mit Holz- und Blechbläsern wirkt elektrisierend: das tief hinabreichende Kontrafagott, die kraftvollen Kontrabässe, die dunkle Bassklarinette, wirbelnde Pauken und die große Trommel. Schon in den ersten Minuten entfaltet sich die volle Dramatik dieses berühmten Werks der Neuen Musik, das Igor Strawinsky 1913 der Welt präsentierte. Damals löste die Uraufführung Skandale und Empörung aus – die Reaktionen auf diese neuartige Klangsprache waren alles andere als wohlwollend.
Heute jedoch genießt "Le sacre du printemps" einen exzellenten Ruf. Besonders beeindruckend ist die Aufnahme unter Sir Georg Solti, der das Chicago Symphony Orchestra zu einer außergewöhnlichen Interpretation inspirierte. Diese Ballettmusik ist alles andere als einfach zugänglich: Die dissonanten Klänge und die ungewöhnliche rhythmische Struktur machen das Werk zu einer Herausforderung. Doch Solti gelingt es, eine faszinierende Interpretation zu schaffen, der man sich kaum entziehen kann. Atemlos folgt man den dynamischen Entwicklungen, die durch die brillante Klangqualität intensive Emotionen hervorrufen.
Es gibt Stellen, vor allem zu Beginn der LP und in ruhigeren Passagen, mit deutlich wahrnehmbaren Geräuschen. Die Linernotes verweisen darauf: "Das hochentwickelte Orchester wird oft fast zu einer Schlagzeuggruppe umgewandelt, und raffinierte Mittel dienen der Erzeugung primitiver Effekte." Strawinsky versuchte, das Kratzen, Nagen und Zappeln von Vögeln und Insekten darzustellen – und das Chicago Symphony Orchestra bringt diese Details subtil und dennoch effektvoll zum Ausdruck.
Die Entscheidung, das etwa 35-minütige Werk mit 45 Umdrehungen aufzunehmen, um die orchestrale Energie in vollem Umfang zu transportieren, erweist sich als absolut richtig – ein tief beeindruckendes Erlebnis!
Fakten
• Veröffentlichung: 16. Januar 2026
• Label: Decca / Universal
• Katalog-Nummer: 4871496
• Pressung: Pallas
• Pressqualität*: 4
• Inhalt: 180g Vinyl
• Besonderheit: 45rpm, Klappcover, Beiblatt mit Infos, auf 3100 Stück limitiert
• Aufnahmen: 14. Mai 1974 im Medinah Temple in Chicago/USA
• Genre: Klassik, Orchester
Besetzung
• Chicago Symphony Orchestra
• Sir George Solti - Dirigent
Boskovsky / Wiener Philharmoniker - Neujahrskonzert in Wien (2 LP, 180g Vinyl)
Trackliste
Seite 1
1. Johann Strauss (Vater): Loreley-Rheinklänge, Waltz, Op. 154
2. Johann Strauss (Sohn): Bitte schön!, Polka française, Op. 372
3. Eduard Strauss: Ohne Bremse, Polka schnell, Op. 238
4. Johann Strauss (Sohn): Wein, Weib und Gesang, Waltz, Op. 333
5. Josef Strauss: Die Emancipierte, Polka-mazurka, Op. 282
Seite 2
6. Carl Michael Ziehrer: Hereinspaziert, Op. 518
7. Franz von Suppé: Die schöne Galathee, Overture
8. Johann Strauss (Sohn): Bei uns z’Haus, Waltz, Op. 361
Seite 3
9. Josef Strauss: Moulinet, Polka française, Op. 57
10. Johann Strauss (Sohn): Tik-Tak, Polka schnell, Op. 365
11. Johann Strauss (Sohn) & Josef Strauss: Pizzicato Polka
12. Josef Strauss: Rudolfsheimer, Polka schnell, Op. 152
13. Josef Strauss: Sphärenklänge, Waltz, Op. 235
Seite 4
14. Johann Strauss (Sohn): Auf der Jagd, Polka, Op. 373
15. Johann Strauss (Sohn): Auf der Jagd (Zugabe)
16. Johann Strauss (Sohn): Leichtes Blut, Polka schnell, Op. 319
17. Johann Strauss (Sohn): An der schönen blauen Donau, Waltz, Op. 314
18. Johann Strauss (Vater): Radetzky March, Op. 228
Es galt als die erste digital aufgenommene Veröffentlichung von Decca und erntete dafür viel Lob. Doch jetzt dürfen sich Vinyl-Liebhaber, die reine analoge Produktionen bevorzugen, über eine besondere Doppel-LP freuen – eine Produktion, die eigentlich keine klassische Wiederveröffentlichung ist. Warum? Das Neujahrskonzert von 1979 basiert auf kürzlich entdeckten ¼-Zoll-Zweispur-Analogbändern und präsentiert sich somit als echte Neuheit.
Auch aus musikalischer Sicht ist der Konzertabend vom 1. Januar 1979 in Wien bemerkenswert: Es war das letzte Neujahrskonzert von Willi Boskovsky, dem legendären Leiter der Wiener Philharmoniker, der zugleich als Geiger brillierte. Getreu alter Tradition dirigierte er nicht nur, sondern spielte selbst Geige – ein Zusammenspiel, das einen außergewöhnlichen musikalischen Fluss erzeugte und die Walzer-Leidenschaft von Orchester und Publikum gleichermaßen entfachte.
Die Stimmung im Musikvereinssaal war entsprechend euphorisch. Mit der neuen Vinyl-Ausgabe kommt dieses mitreißende "Wiener Blut" auch 46 Jahre später wieder in Schwung. Oder um es mit den Worten von Richard Strauss zu sagen: „Acht Takte von Wiener Blut, und ich gebe eine ganze Oper dafür – es ist viel schwerer, einen schönen Walzer zu schreiben als eine mittelmäßige Symphonie zu komponieren.“
Das Neujahrskonzert 1979 auf Vinyl – ein künstlerisches und technisches Meisterwerk der Musikgeschichte!
Fakten
• Veröffentlichung: 16. Januar 2026
• Label: Decca / Universal
• Katalog-Nummer: 4871497
• Pressung: Pallas
• Pressqualität*: 4
• Inhalt: 2x 180g Vinyl
• Besonderheit: Klappcover, Beiblatt mit Infos, auf 3220 Stück limitiert
• Aufnahmen: 1. Januar 1979 im Musikvereins-Saal in Wien
• Genre: Klassik, Orchester
Besetzung
• Wiener Philharmoniker
• Willi Boskovsky - Dirigent
* Pressqualität 1-5:
1= starke Nebengeräusche, deutlich sichtbare Pressfehler
5= keinerlei Nebengeräusche, optisch perfekt
Hinweis: Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * gekennzeichnet.
Kommentare
Kommentar hinzufügen