Der Direktschnitt - Vinyl-Fans kennen ihn meist schon, und fast jeder ambitionierte Schallplattensammler hat mindestens eine dieser besonderen LPs im Regal. Nun ermöglicht uns Guy Sternberg, einer der profiliertesten Spezialisten für reine Analogtechnik, einen spannenden Vergleich zwischen einer LP mit Tonbandaufnahme und einer Direct-to-Disc-Vinyl.
Aufgenommen wurde im legendären Studio 3 der Abbey Road Studios: eine Gitarre, eine Stimme – die britische Singer-Songwriterin Reema. Zwei LPs im direkten Vergleich.
Reema gleich zweimal genießen | Die Vinyl-Fan Review
Diese Session war für alle Beteiligten etwas ganz Besonderes. Sie fand in einem weltberühmten Studio statt, in dem bereits legendäre Musiker wie die Beatles, Pink Floyd, Fela Kuti und Amy Winehouse ihre Platten aufgenommen haben. Allein diese besondere Aura verlieh dem Projekt für die Künstlerin und das Aufnahmeteam eine außergewöhnliche Bedeutung.
Die beiden hier vorgestellten LPs zeichnen sich jedoch auch durch die Art ihrer Aufnahme aus. Für die Musikerin Sarah Reema Kaydar, 1985 in London geboren und Tochter der Schauspielerin Polly Eltes sowie des Musikers Marius Müller-Westernhagen, war es ein ebenso spannendes wie anspruchsvolles Ereignis: Bei einem Direktschnitt muss alles auf Anhieb perfekt sitzen. Die Musik wird in einem einzigen Durchgang festgehalten – so unmittelbar, wie man sie auch bei einem Live-Konzert erleben würde. Selbst in den Pausen zwischen den Stücken läuft der Schneidestichel weiter.
Am 15. Februar 2026 war es die Singer-Songwriterin Reema, welche die Ehre hatte, dort ihre Songs zu präsentieren und zwar in reduzierter Form - nur ihre Stimme und Gitarre. Technisch gesehen war diese Aufnahmesession jedoch höchst anspruchsvoll (und teuer!). Von der Auswahl des Equipments über eine perfekte Mikrofon-Platzierung hin zu den verwendeten Aufnahme-Gerätschaften musste alles genau abgestimmt werden. Insbesondere deshalb, weil ein Direktschnitt erfolgen sollte und gleichzeitig parallel ein Bandmitschnitt lief.
Die Schneidemaschine stand im Obergeschoss des Studios, bedient von Alex Gordon, der seit 2012 in den Abbey Road Studios als Mastering-Ingenieur für viele analoge Transfers verantwortlich ist. Im Erdgeschoss befand sich das Mischpult und die Tonbandmaschine Studer A820, wo das Team des Produzent und Toningenieur Guy Sternberg (Chef von LowSwing Records) arbeiteten. Was dann nach all den aufwändigen Vorbereitungen und schließlich dem Startzeichen passierte, darf man getrost als Magie des Augenblicks bezeichnen.
Die Erfahrung dieser Künstlerin und ihre traumhaft schöne, warm-weiche Stimme bilden die Grundlage für diese wunderbare Musik. Selbst ohne Begleitung weiterer Instrumente entfaltet diese intime Darbietung ihren ganz eigenen Zauber.
Die erstklassige, sehr rauscharme und nahezu nebengeräuschfreie Pressung sowie die hohe Kunst der rein analogen Aufnahme machen es möglich, sich ganz auf die Sängerin und ihre Gitarre zu konzentrieren. Angesichts des Konzepts mit zwei Schallplatten unterschiedlicher Aufnahmearten fällt es dabei erstaunlich leicht, die technischen Aspekte in den Hintergrund treten zu lassen. Diese Stimme fasziniert vom ersten Moment an – die Technik wird schnell zur Nebensache.
Auch die Aufmachung der beiden LPs kann sich sehen lassen: Das Klappcover – auf der Vorderseite im runden Bereich teilweise mit Glanzlack veredelt – zeigt auf der aufgeklappten Innenseite ein großformatiges Foto. Neben den LPs in gefütterten Innenhüllen enthält es ein 12-seitiges Booklet auf hochwertigem, starkem Papier.
Die zahlreichen Fotos vermitteln einen lebendigen Eindruck vom Geschehen im Studio. Ausführliche Essays beleuchten die Hintergründe, und auch die Songtexte sind enthalten. Das Gesamtpaket wird in einer wiederverschließbaren Klarsicht-Außenhülle geliefert.
Der Vergleich: Master Tape vs. Direkt To Disc
Reema - Direkt To Disc At Studio 3 (LP, Vinyl)
Abbey Road ist eines der wenigen Studios weltweit, das noch für Live-Direct-to-Lacquer-Aufnahmen ausgerüstet ist. Ein Verfahren, das so anspruchsvoll ist, dass es spezielle Werkzeuge, Fachkenntnisse und ein ganzes Team von Experten erfordert, um es erfolgreich durchzuführen.
Da es weder für den Musiker noch für die Techniker die Möglichkeit gibt, anzuhalten, neu zu stimmen oder von vorne zu beginnen, muss jedes Element der Darbietung in dieser Art einer Aufnahme perfekt sein. Der Schneidestichel verrichtet seine Arbeit also für die kompletten Songs einer Plattenseite. Wenn eine Produktion wie diese hohe Ansprüche erfüllen soll, dann dürfte es niemand überraschen, dass hier insgesamt gleich fünf Folienschnitte gemacht wurden, die dann jungfräulich (also nicht probegehört) ins Presswerk gingen. Von den fünf Musterpressungen wurden dann final die beiden besten verwendet.
Dieser Direktschnitt ist klanglich ein Erlebnis! Eine gute Hifi-Anlage für die Wiedergabe vorausgesetzt, wird man unmittelbar als Zuhörer in das Studio versetzt und darf dieser Musikerin live zuhören - die Grenzen der Wahrnehmung schwinden. Zuhause oder im Studio? Bedarf es weiterer Beschreibung?
Reema - Direkt To Master Tape At Studio 3 (LP, Vinyl)
Parallel zu den fünf Takes (je drei für Seite 1 und zwei für Seite 2), bei denen der Direktschnitt vorgenommen wurde, lief auch ein Tonband mit. Doch anders als bei den meisten "normalen" Studioproduktionen der Musikindustrie wurden hier keinerlei Overdubs verwendet. Aus diesem Bandmaterial konnten dann die Favoriten ausgewählt werden, im Ergebnis unterscheiden sich somit die verwendeten Takes dieser beiden LP-Varianten. Zudem konnte man bei dieser Band-Version noch einen weiteren Sing unterbringen: "Coffee". Für das Mastering war Sidney Meyer (Emil Berliner Studios) zuständig.
Im Gegensatz zum "heißer" geschnittenen Direct-Cut wirkt diese LP weicher und tonal runder. Die Gitarre ist bei gleicher Lautstärke-Einstellung deutlich leiser und zurückhaltender, die Stimme rückt eher in den Mittelpunkt des Geschehens. Der Dynamikbereich wirkt insgesamt etwas größer als beim Direktschnitt und macht den angenehmeren Eindruck. Dessen Unmittelbarkeit hat dagegen seinen besonderen Reiz, den eben nur ein Direktschnitt-Verfahren bietet.
Fakten
• Veröffentlichung: 6. November 2026
• Label: LowSwing Records
• Bestell-Nummer: LOSW017 / LOSW017T
• Pressung: Pallas
• Pressqualität*: 4
• Inhalt: je 1x 140g Vinyl, 12-seitiges Booklet, Klarsicht-Aussenhülle
• Besonderheit: Klappcover mit Lackierung, handnummeriert, jeweils auf 2000 Stück limitiert
• Aufnahme: 15. Februar 2026 im Abbey Road Studio
• Genre: Singer/Songwriter Pop, Folkpop
Besetzung
• Reema - Vocals, Guitar
• Guy Sternberg - Producer, recording, mixing
• Alex Gordon - Cutting Engineer (Abbey Road direct to disc)
• Sidney Meyer - Cutting Engineer (Direct to master tape)
Trackliste
Seite 1
1. Where The Southern Crosses The Dog 4:24
2. Set Me Free 5:07
3. Shelter From The Storm 5:43
4. Blues Stay Away From Me 4:34
Seite 2
5. Baby Wants To Boogie 4:11
6. Storm Warning 4:01
7. Build Myself A Home 2:48
8. Mother Earth 3:39
9. Vicksburg Is My Home 5:19
* Pressqualität 1-5:
1= starke Nebengeräusche, deutlich sichtbare Pressfehler
5= keinerlei Nebengeräusche, optisch perfekt
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