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CO2-freie Schallplatten-Produktion ist möglich

Eine Schallplatte wird bekanntermaßen aus PVC (Polyvinylchlorid) hergestellt, für dessen Fertigung ein enormer Energieverbrauch und vor allem auch Erdöl als Rohstoff nötig ist. Aus ökologischer Sicht ist das alles andere als umweltfreundlich. Doch wie sehen heute die Bemühungen um bessere Methoden der LP-Herstellung aus und gibt es Wege, dem Vinyl einen Klima-freundlicheren Aspekt abzugewinnen?

 

Schallplatten-Fertigung im Klimawandel - neue Wege

Ist es nun populistisch, über die Herstellung von Vinyl Schallplatten zu debattieren, sich Gedanken zu machen, wie grün eigentlich LPs sein können? Nun, mir fiel auf, dass sich immer mehr Menschen überlegen, welchen Beitrag sie selbst zum Klimaschutz leisten können. Also neben Plastiktüten ächten, Fahrrad statt SUV fahren und das Hausdach mit Sonnen-Kollektoren bestücken. Geht da Schallplatte überhaupt noch?

Liebe Vinyl-Fans, diese Sinnfrage möchte ich an dieser Stelle nicht in den Raum werfen. Statt dessen hab ich mich einfach mal bei den Presswerken umgehört, welche Maßnahmen dort bereits getroffen werden, das Ganze etwas umweltverträglicher zu gestalten. Oder geht etwa sogar Klima-neutral?

 

CO2-Ausgleich - Es geht doch

Vinyl GranulatVinyl-Granulat

Die Firma Matter Of Fact in Güstrow / Mecklenburg-Vorpommern hat in Sachen Nachhaltigkeit bereits einiges zu bieten:

• Schallplatten-Hüllen werden aus FSC-zertifiziertem Holz hergestellt.
• Klimaneutraler Versand entsprechender Paket-Dienstleister.
• CO2-Ausgleich für die LP-Herstellung und dem Betreiben der Webseite mit den Klimaschutzprojekten „Wald-Wiese-Moor“ (Deutschland) und „Jari Amapá“ (Brasilien).
• Ein Teil des Gewinns fließt in das Projekt Plant-for-the-Planet „100 Millionen Bäume gegen die Klimakrise“.

Ähnlich handhaben es weitere Firmen wie etwa das holländische Werk Deepgrooves. Dort nutzt man modernste Maschinen, die mit Strom von nachhaltigen Energielieferanten betrieben werden. Ausserdem werden dort Generatoren von Biomasse angetrieben.

Auch bei einem der größten Presswerke, Pallas in Diepholz, versucht man durch effiziente neue Kessel für den Wasserdampf sowie weitere Maßnahmen wie Nutzung der Kessel-Abwärme für die Heizung Energie zu sparen (der Energieaufwand für eine separate Heizung entfällt also). Ausserdem wurde die Klimatisierung der Halle durch moderne und effiziente Wärmetauscher auf dem Dach des Gebäudes verbessert. Was das Vinyl-Material angeht, so nutzt man schon teilweise das Recycling des Abfalls für neue LPs. Der Abfall entsteht u.a. beim Abschneiden des überschüssigen Randes bei der Schallplatten-Pressung. Auch bei Pallas werden Druckprodukte (Plattencover etc.) mit FSC-zertifizierten Karton hergestellt und der CO2-Ausstoß bei der Fertigung wird ebenfalls durch Klimazertifikate neutralisiert.

Was den CO2-Verbrauch angeht, gibt Duophonic aus Augsburg sogar genauer Auskunft. Als Beispiel für die Herstellung von knapp 300 LPs werden dort im Rahmen eines Zertifikates (ID-Nr. IO-871-275904) 600Kg CO2 angegeben. Diese wurden entsprechend durch Maßnahmen von dem beauftragten Unternehmen Nature Office ausgeglichen. Das bedeutet also, die Vinyl-Herstellung verbraucht 600kg CO2 und dies wird durch weltweite CO2-sparende Klimaschutz-Projekte ausgeglichen. So nebenbei: das Studio von Duophonic wird mit Ökostrom betrieben - kleine Schritte freilich, doch die Summe machts!

r.a.n.d.-muzik in Leipzig bietet übrigens sogar ein „Ökovinyl“ an. Der Rohstoff hierfür besteht aus 100% recycelten Vinyl-Material mit verschiedenen Farbresten. Auch wenn der Schwerpunkt dort bei 100% Virgin Vinyl liegt, nutzt man zumindest bei 140g LPs das sogenannte Regranulat, also die Wiederverwendung von PVC-Abfällen, die bei der Schallplattenproduktion anfallen. Also abgeschnittene Ränder und überschüssige Schallplatten-Material, das geschreddert und erneut in den Produktionskreislauf zugeführt wird. Damit wird Abfall gespart und trotzdem die Qualität der fertigen LPs sichergestellt.

Bei MY45 in Tiefenbach sieht man die Möglichkeiten zu Energiesparmaßnahmen recht begrenzt, auch wenn man diesbezüglich schon einiges unternommen hat. Zudem sieht man die Auftraggeber in der Pflicht: „Drucksachen aus Recycling wird von den Kunden nur bedingt angenommen, bzw. ist dann zu teuer.“, so MY45-Chef Andreas Bauer. Diese Problematik sehen auch die anderen Unternehmen und fordern ein Umdenken bei den Auftraggebern, nicht nur den billigsten Weg zu wählen, sondern bewusst den Umwelt-Aspekt zu berücksichtigen:

• Bio Farben zum Druck der Plattencover
• Hüllen aus FSC-zertifiziertem Holz
• Aufpreis für mit CO2-Ausgleich hergestellte LPs

Möglicherweise gibt es sogar Marketing-Potential, mit „ökologisch hergestellten LP“ neue Kunden zu gewinnen! Ich stelle mir schon vor, wie auf manchen neuen Schallplatten auf den Covern ein grünes Siegel klebt, das die Öko-Herstellung umwirbt. Verzicht auf Folien wäre ein weiteres Schritt, den allerdings auch die Plattenkäufer mittragen müssten.

Ich bin jedenfalls gespannt, welche Wege künftig unternommen werden, unsere geliebte Schallplatte nachhaltig zu produzieren. Zumindest wir Plattenfreunde handeln ja grundsätzlich bereits in diesem Gedanken: LPs werden gesammelt und liebevoll in Plattenregalen für Jahrzehnte verstaut. Nicht mehr geliebte LPs werden weiterverkauft und so wieder in den Kreislauf gebracht. Weggeworfen werden sie nur in Ausnahmefällen oder?

 

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