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Schallplatten-Cover mit oder ohne Schutzfolie?

Wer heute eine neue Schallplatte kauft, bekommt sie in der Regel eingeschweißt - also mit einer Folie original verpackt. Eigentlich aus Sicht des anspruchsvollen Vinyl-Fan eine gute Sache. Aber ist das zu Zeiten, in denen die Weltmeere, Flüsse, Seen und sogar unser Grundwasser mit Plastik verseucht ist, noch zeitgemäß? In diesem Blog-Beitrag möchte ich auf dieses Thema eingehen.

 

Vinyl Schallplattem in Folie verpackt - muss es sein?

Folie um Schallplatten

Die Frage stellt sich für viele Menschen genauso wenig, wie im Supermarkt auf die eingeschweißte Gurke oder die Apfelpackung unter Folie gegriffen wird. Man will schließlich saubere Ware, die nicht jeder vorher schon angefasst oder gar beschädigt hat. Ist irgendwie auch eine hygienische Sache. Trotzdem mehren sich die Kritiker, welche auf den ökologischen Wahnsinn, insbesondere auf den enormen Verpackungsmüll hinweisen. Auch wir in Deutschland produzieren davon eine ganze Menge. Alleine der Blick auf die Ränder einer Autobahn genügt, wie viel solcher Dreck dort landet. Und keiner will es gewesen sein. Doch was hat das mit uns LP-Freunde zu tun?

Nun, klar - die Schallplatten kommen heute fast ausschließlich in Folie verpackt in die Plattenläden. Das macht man nun schon sehr lange so, zumindest in den USA. Dort konnte man vor allem aus hygienischen Gründen keine LPs verkaufen, die nicht eingeschweißt waren. Erst in den 90ern setzte sich dies auch bei uns in Europa durch. Die LPs erschienen damit wertvoller und vermittelten den Eindruck des Originalen. Die Folie schützt die Schallplattencover immerhin vor Schmutz und Abnutzung, in den Plattenregalen waren sie so länger verkaufbar als nicht verpackte Cover, die durch das Raus und Rein schon bald erste Spuren zeigten.

Wer auch gerne gebrauchte Platten kauft, der weiß, was man da alles für Spuren auf und in den Cover bzw. Innenhüllen findet. Anderseits ist für viele das ein Zeichen, dass diese Scheibe bereits gelebt hat und eine eigene Geschichte hat. Genauso, wie das Knistern für den einen zur Schallplatte gehört, ist auch die Kugelschreiber-Inschrift des Vorbesitzers ein Zeichen, über das der neue Inhaber eher lächelt als sich darüber ärgert. Eine unverschweißte LP ist also kein Problem?

 

Originalverpackt als Wertsteigerung und Schutz

Was für eine Folie spricht, ist auch der Wiederverkaufswert, also die LP als Wertanlage. So manche Leute kaufen sich bestimmte LPs doppelt, eine für den Schrank und eine zum Hören. Eine originalverpackte LP ist später definitiv mehr wert als eine geöffnete. Hinzu kommt, dass es einen Unterschied macht, ob ein Plattencover lackiert ist oder eine matte/raue Oberfläche besitzt. Erstere lässt sich leichter reinigen, ist aber für feine Kratzer (z.B. bei Bewegung mehrerer übereinander gestapelter LPs im Versandkarton) empfänglicher. Letztere hingegen ist gegen fettige oder sonstig schmutzige Finger empfindlicher, verkratzt allerdings nicht so schnell. Beide Varianten sind hingegen durch eine Folie geschützter.

Heutzutage sind Vinylfreunde normalerweise schon geneigt, ihren Schätzen beste Pflege und Schutz zu gönnen. Deshalb werden meist die dünnen Cellophan-Folien vorsichtig entfernt und durch dickere Schutzhüllen ersetzt. Prima eignen sich auch die etwas dünneren wiederverschließbaren Hüllen, die LPs nach dem Anhören wieder sicher zu verschließen. Eine Variante, die nicht selten angewandt wird: die Folie der neuen LP wird nur vorsichtig an der Seite aufgeschlitzt, so dass sie als Schutz weiterhin dienen kann, die Platte aber zum Hören entnommen werden kann. An dieser Stelle kommt allerdings noch ein Problem zutage.

 

Verwellte LPs durch Folien-Verschweißung?

Immer wieder berichten Vinyl-Käufer über neue LPs, die sehr straff eingeschweißt waren und die Platte leicht oder gar deutlich verwellt waren. Ob nun die Temperatureinwirkung während des Folieren eine Rolle spielt oder das Verwinden des Plattencovers und damit der darin befindlichen LP eine Rolle spielt, bleibt dahingestellt. Meine Erfahrung und Kenntnisse dazu sprechen dagegen, ausschließen möchte ich es dennoch nicht ganz. Zumindest habe ich frühere US-LPs mit enger Folie in schlechter Erinnerung, die hatten das (dünne) Cover nicht selten an den Ecken leicht umgebogen. Und bekanntermaßen sind gerade solche LPs aus den 70er und 80er Jahren, die über den Teich zu uns kamen, ziemliche „Schüsseln“ oder Scheiben, auf denen die Nadel Achterbahn fährt.

 

Der Natur zuliebe verzichten

Schlussendlich bleibt die Frage bestehen: soll man heute auf die Folie verzichten oder gehört sie einfach dazu?
Wenn ich meine persönliche Meinung dazu sagen darf: in meiner Plattensammlung gibt es nur ein einziges Plastik, nämlich die Schallplatte selbst. Sie wird aus PVC hergestellt und somit auch aus Erdöl! Umwelttechnisch ist die Vinyl-Schallplatte also kein Superstar. Doch solange es keine Alternativen zu diesem Herstellungsmaterial gibt, bleibt es dabei. Auf Folie hingegen kann ich liebend gerne verzichten. Keine einzige meiner mehreren tausend LPs ist in Folie gepackt und erstaunlicherweise sind selbst dreizig Jahre alte LP-Cover in bestem Zustand. Und wenn nicht, was soll’s - sie haben gelebt!

 

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