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HD Vinyl - die bessere Schallplatte? | Ein Laser schneidet die Musikinformation auf die Keramik-Matrize

HD Vinyl ist am Start, wow! Die geliebte Schallplatte, für die jeder Vinyl-Fan schwört, es gäbe nichts besseres, soll noch besser werden? Was HD Vinyl wirklich bedeutet und welche Vorteile es bringen soll, darüber soll dieser Bericht Aufschluss geben.

 

Vinyl in höherer Qualität als bisher?

Noch müssen wir Vinyl-Fans warten, bis die ersten LPs mit der HD-Technik im Handel erhältlich sind. Erst im Herbst 2019 soll es so weit sein. Doch die Spannung ist bereits jetzt groß. Anfang des Jahres 2018 gab es die offizielle Ankündigung von Rebeat Innovation zum Thema HD Vinyl und nun wurden die ersten Kooperationen mit verschiedenen internationalen Presswerken vereinbart. Rebeat arbeitet demnach mit GZ Media in Loděnice/ Tschechien, Record Products of America in Hamden/USA und Viryl Technologies in Toronto/Kanada zusammen.

Es klingt großartig, was die österreichische Firma mit Sitz in Tulln mit der neuen HD Technologie verspricht:

  • Die Spieldauer wird bis zu 30% erhöht.
  • Durch die höherer Spieldauer wird ggf. Vinyl-Rohmaterial gespart, eine umweltfreundliche Nachricht.
  • Der Klang soll besser sein - durch höhere Dynamik und ein besseres Signal-Rausch-Verhältnis.
  • Der gesamte Herstellungsprozess ist schneller und spart somit Kosten.
  • Keine Audioverluste durch Mehrfachkopien wie bei der traditionellen LP-Herstellung.
  • Die Pressmatrize des HD Vinyl kann im Gegensatz zur bisherigen Technik (mit Nickel oder Kupfer/Edelstahl bei DMM ca.1.000 bis 1.500 Stück) bis zu 10.000 Platten mit gleichbleibender Qualität herstellen.
  • Keine Schwankungen der Pressqualität von der ersten bis zur letzten LP einer Matrize.
  • Es wird keine giftige Chemie mehr und weniger Energie benötigt, da mehrere Zwischenschritte entfallen.

 

hd vinyl laser

 

Unterschiede traditionelle Pressung und HD Vinyl

Um zu verstehen, worin der große Unterschied zwischen den herkömmlichen Schallplatten-Pressungen und der neuen HD-Technik besteht, sollte man sich das bisherige Verfahren noch einmal vor Augen führen:

Vinyl StamperVersilbert Lackfolien bei MY45

Beim traditionellen Verfahren wird zuerst mittels eines Schneidestichels die Musikinformation in die Lackfolie geschnitten. Dann wird diese mit Silber beschichtet, via Galvanik verkupfert oder vernickelt und so entsteht das Negativ, der „Vater". Daraus werden bei weiteren galvanischen Prozessen wiederum mehrere Positive, die „Mütter" hergestellt, aus denen schließlich die eigentlichen Pressmatrizen, die „Söhne" entstehen. Jeder dieser Zwischenschritte birgt die Gefahr eines Verlust der ursprünglichen Qualität des Musikausgangsmaterial.
Beim DMM-Verfahren wird zwar die Herstellung des Vaters eingespart, doch die Haltbarkeit der dünnen Matrize ist i.d.R. weniger lang als bei der Lack-Variante.

Die neue Technik arbeitet anders: mit Hilfe von Laser wird das Musiksignal in eine Keramik-Platte geschnitten. Dies ist dann bereits die fertige Pressmatrize, mit der bis zu 10.000 LPs hergestellt werden können. Beim bisherigen Verfahren wären dafür rund 5-10 Matrizen benötigt worden, welche - wie oben beschrieben - immer eine Kopie der Mutter darstellen. Inklusive Verwendung von Chemie und viel Energie.

Auch der HD-Schnitt selbst ist gegenüber dem Verfahren mit dem analogen Schneidestichel, der bei zu hohen Frequenzen zu heiß wird und somit begrenzt werden muss, im Vorteil. Der Laser kann nicht überhitzen und schneidet somit auch höhere Frequenzen in die Pressmatrize. Rebeat verspricht an dieser Stelle bis zu 100kHz (gegenüber den ca. 15kHz beim traditionellen Verfahren). Ein weiterer Unterschied soll die Breite des Steges zwischen den benachbarten Rillenflanken sein. Bei der HD-Vinyl kann dieser enger sein und dadurch bis zu 30% mehr Inhalt bei gleicher bzw. sogar höherer Rillen-Information auf die Schallplatte bringen.

 

Bedenken?

Soweit die Theorie. Nun meine Skepsis. Diese setzt an dem Punkt an, welchen die Firma Rebeat Innovation als eigentlichen Vorteil sieht: Ein High-Resolution-Audio-File (oder auch ein Standard-Audio-File) wird durch die eigene Software zu einer topographischen 3D-Karte umgewandelt, quasi das Ausgangssignal für den Laser. Also alles digital. Ihr versteht, was ich meine? Beim bisherigen Verfahren konnte das Musiksignal bei entsprechenden traditionellen Schneideanlagen analog sein, der Stichel setzte dies auch analog um und die Nadel nimmt das Ergebnis analog auf. Bei allen Verlusten dieses alten Systems klang das bisweilen vorzüglich. In wieweit das menschliche Ohr nun tatsächlich bei dem HD Vinyl eine Verbesserung wahrnimmt, etwa noch mehr Realismus, noch mehr Dynamik, noch mehr Natürlichkeit, das bleibt abzuwarten!

 

Rebeat Guenter Loibl CEOCEO Günter Loibl

Immerhin sprechen viele der anderen oben genannten Vorteile klar für das HD Vinyl. Hauptgeschäftsführer Günter Loibl von der Rebeat Innovation GmbH hat auf der „Making Vinyl"-Konferenz in Detroit am 1. Oktober 2018 versprochen, die Qualität, Genauigkeit und Spieldauer von Vinyl-Schallplatten zu verbessern. Und vor allem den Herstellungsprozess zu vereinfachen und zu beschleunigen. Angesichts ausgelasteter Presswerke weltweit kann dies nur ein positiver Schritt sein, der uns Vinyl-Fans Hoffnung machen kann. Auf vielleicht bessere Qualität und schnellere, zuverlässigere Veröffentlichung neuer Titel.

 

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