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The WarmTone aus Toronto Kanada

Eine vollautomatische Schallplatten-Pressung | die neue Anlage The WarmTone aus Kanada

Die weltweit steigende Nachfrage nach Schallplatten sorgt immer wieder für Engpässe bei den Presswerken. Und das eben nicht nur bei uns in Deutschland bzw. Europa, sondern auch in Amerika. Das rief ein paar Kumpels aus Toronto / Kanada auf den Plan. Sie entsannen eine nagelneue Vinyl-Presse: The WarmTone. Was für ein charmanter Name für ein so großes Ungetüm. Mehr dazu in dieser Review.

 

Eine neue Vinyl-Pressmaschine: The WarmTone Record Press

WarmTone Record Press DetailEs ist kein Geheimnis mehr, dass es neben restaurierten alten Pressmaschinen seit einiger Zeit auch neue Installationen gibt. Um die Zukunft der Schallplatte muss man sich als Vinyl-Fan also keine Sorgen machen. Trotzdem klagen viele, insbesondere kleiner Plattenlabels, dass die Wartezeiten bei den Presswerken enorm lang sind. Wie geht das zusammen?

Nun muss man wissen, dass die Investitionen in solche neugebauten Press-Automaten enorm sind. Denn es geht dabei nicht nur um die Anschaffung der Maschine selbst, sondern auch um deren Peripherie (Kühlanlage, Dampfkessel, Kompressor), eine entsprechend große Halle und natürlich Personal. Dazu kommt noch das komplette Handling mit dem Rohstoff und schließlich dem Fertigprodukt Schallplatte. Die deutsche Konkurrenz, die Firma Newbilt, empfiehlt hier mindestens 200.000 EUR einzuplanen, bis das erste Stück fertiges Vinyl aus der Presse kommt! Ein klein wenig mehr ist es gar bei der kanadischen Ausgabe von Viryl Technologies, die ich in diesem Bericht vorstellen möchte.

 

Ein neuer Voll-Automat zur Schallplatten-Pressung

Es sieht schon irgendwie witzig aus: aus einem Eimer saugt sich das Maschinchen das PVC-Granulat wie ein Staubsauger an. Von da an gehts vollautomatisch los. Aus den kleinen Kugeln bzw. Tabletten wird ein Vinyl-Kuchen geformt, ein Saugarm legt schon mal die beiden Papieretiketten auf ihren Platz der zwei Matrizen und schon kommt das grobe Stück Plastik dazwischen und die Presse senkt sich ab. Nur 20 Sekunden dauert es, bis aus dem vielleicht 10cm breiten und 4-5cm dicken Stück Vinyl eine flache Scheibe geworden ist (zum Vergleich: eine herkömmliche Presse braucht ca. 25-30 Sekunden). Die Presse geht wieder hoch, macht Platz für einen weiteren Greifarm, der sich die Platte schnappt und an den nächsten Ort legt, wo der Rand abgeschnitten und poliert wird. Fertig ist eine neue LP, der Greifer legt sie auf einen Stapel mit einer Spindel. Nach einigen weiteren Platten wird eine Aluminiumscheibe auf diesen Stapel gelegt, um dafür zu sorgen, dass die LPs auch schön gerade bleiben.

 

WarmTone Record Press Steuerung

Eine Besonderheit dürfte wohl die sogenannte A.D.A.P.T Plattform (Advanced Device Analytics Pressing Technology) sein. Mit diesem Monitoring-System kann der Hersteller alle Daten, die den kompletten Pressprozess dokumentieren, abrufen und damit Analysen und Diagnosen sowie Reporte erstellen.
Ein weiterer Vorteil dürfte der insgesamt kürzere Herstellungsprozess sein, der dem Presswerk ermöglichen soll, besser auf die unterschiedlichen Wünsche (wie z.B. farbiges Vinyl) einzugehen. Laut Viryl Technologies hat die WarmTone-Presse eine Effizienz von 95-99%, also so gut wie keinen Ausschuss. Zumindest aus ökologischer, aber auch ökonomischer Sicht ein klarer Vorteil. Für den Betreiber soll es zudem ein weiterer wirtschaftlicher Aspekt sein, dass die Anlage weniger Eingriffe seitens eines Maschinen-Einstellers benötigt. Dieser soll angeblich bis zu vier WarmTones gleichzeitig betreuen können.

Wenn die Angaben stimmen, kostet eine solche Anlage rund $195,000. Eingesetzt wurde sie bislang, soweit ich das richtig recherchiert habe, bei drei Kunden: Microforum Vinyl in Toronto/Kanada, Hand Drawn Records in Dallas, USA und Canada Boy Vinyl in Calgary/Kanada.

 

Wer ist Viryl Technologies?

Hinter Viryl Technologies stecken in erster Linie die Namen Chad Brown (CEO/Firmenchef), Rob Brown (COO/Manager) und James Hashmi (CTO/Technische Direktor). Sie starteten Dezember 2014 das große Abenteuer, eine neue Vinyl-Presse namens The WarmTone ins Leben zu rufen. Unterstützt wurden sie dabei von Investoren, die das Projekt mit über einer Millionen Dollar angeschoben haben. Die insgesamt acht Männer plus eine Frau sind vorwiegend Ingenieure und Techniker, deren Knowhow aus den unterschiedlichsten Fachbereichen stammt. Das Ergebnis ist eine hochmoderne Anlage, die sich schon optisch, mehr aber noch technisch von den alten Maschinen der 60er und 70er Jahre unterscheidet, die heute weltweit noch im Einsatz sind.

 

Die analoge Szene hat eine Hoffnung mehr, dass der Engpass im Vinyl-Nachschub geringer wird. Sollte sich The WarmTone als erfolgreich erweisen, dann dürften in den Presswerken weltweit mehr Kapazität entstehen und somit wir Vinyl-Fans wieder in den Genuss hochwertiger LPs kommen. Denn wenn der Druck abnimmt, aus Termingründen eine Vinyl-Auflage schnell fertigen zu müssen, wird auch die Qualität insgesamt steigen.

 

PS. Ich versuche, einige Exemplare zu bekommen, die mit The WarmTone gepresst wurden und werde sie einerseits hier erwähnen und dann in einer eigenen Rezension vorstellen.

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