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Samsa - vom Vinyl Sammeln angefixt

U30 - junge Vinyl-Fans stellen sich vor: lest hier die Story von Samsa.

 

Mein Name ist Samsa.

Ich bin 21 Jahre alt und studiere Geschichte und Philosophie. Ich habe im Oktober letzten Jahres damit angefangen, Platten zu sammeln. Bis Anfang 2015 habe ich nur wenig Musik gehört – das hat sich schlagartig geändert. Ich begann wieder vermehrt CDs zu kaufen – ich war schon immer ein leidenschaftlicher Sammler, habe früher Videospiele gesammelt, heute noch Bücher (und jetzt Platten). Das Problem war allerdings, dass CDs keinen wirklichen Wert haben: Sie zu sammeln ist ziemlich unattraktiv, da ich sie in den meisten Fällen digitalisierte und anschließend nur am Rechner hörte – es war einfacher und entspannter, als jedes Mal die CD aus dem Regal zu suchen und einzulegen. CDs waren zwar billig, aber meist war der Download am Ende noch günstiger. Und so froh ich auch bin, dass viel unbekannte Musik auf diesem Weg verbreitet und von mir gehört werden kann, es fehlt mir am Ende doch etwas. Das Internet nach günstigen Downloads zu durchsuchen macht wenig Spaß – am Ende landete ich immer bei iTunes, Google Play, Amazon oder dubiosen Webseiten, die zwar einen niedrigen Preis, aber dafür keinerlei Seriosität bieten.


Zur selben Zeit bin ich von zuhause ausgezogen, zunächst in eine WG. Mein Mitbewohner hatte kurz zuvor mit dem Plattensammeln angefangen, entsprechend war ein Plattenspieler in der Wohnung vorhanden. Mich faszinierte die Technik von Plattenspielern sehr – eine Nadel, die über eine Scheibe fährt, und dadurch Töne erzeugt. Es ist etwas Anderes, als auf einem Smartphone Play zu drücken. Relativ schnell fixte es mich an und ich kaufte mir meine erste Platte noch bevor ich meinen eigenen Plattenspieler hatte: "Weekend – Für Immer Wochenende". Ich gebe zu, dass es im Nachhinein gesehen ein Album ist, dass ich nicht unbedingt auf Platte gebraucht hätte – sicherlich kein schlechtes Deutschrap-Album, aber, so sehr ich Weekend auch mag, besonders stark war es auch nicht. Viel prägender war dagegen meine zweite Platte: Deep Purple – Perfect Strangers. Durch die Platte hatte ich durch meine Exfreundin Deep Purple entdeckt, war aber zu dieser Zeit noch kein wirklicher Fan – was sich schnell ändern sollte.


Zunächst hörte ich die Platten noch auf dem Plattenspieler meines Mitbewohners. Bald bestellte ich mir aber endlich meinen eigenen Plattenspieler. Einen sehr günstigen Plattenspieler. Etwas weniger als 100€ auf Amazon, dazu noch PC-Boxen – ein unglaublich schlechtes Setup, was ich bis heute benutze – aber nicht mehr lange, denn ein neuer Plattenspieler steht in den Startlöchern, neue Boxen und endlich ein ordentlicher Verstärker folgen bis Ende des Jahres. Ich begann immer mehr Platten zu kaufen und noch mehr Musik zu hören – mein Bankkonto weinte. Ich wurde so schnell so sehr angefixt, dass innerhalb von ein paar Monaten mehrere hundert Euro in Platten investiert wurden. Daran ist ein kleiner Plattenladen in Darmstadt nicht ganz unschuldig. Dazu muss ich sagen, dass ich von zwei Plattenläden in der Stadt weiß: Einem etwas größeren, der auch andere Medien verkauft, und eben dem Plattenladen, den ich bevorzuge: Er verkauft fast nur Platten und wird, so weit ich das sehen konnte, von nur einer einzigen Person betrieben, einem sehr sympathischen Musik- und Kunstfan, der mir auch durchaus die ein oder andere Empfehlung geben konnte.

 

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Ich wurde vom Sammelwahn gepackt. Ich wollte alle Alben auf Platte haben – selbst Alben, die ich auf CD hatte und nur mittelmäßig fand. Es war dieses Gefühl in Läden zu gehen, zu wühlen, zu suchen – und auch immer wieder zu entdecken. Ohne meinen Plattenhändler wäre ich wohl nie auf Rush, Rory Gallagher oder Frankfurt City Blues Band gekommen. Ich entdeckte einmal, als die Hard'n'Heavy-Abteilung nichts bot, was mich reizte, in der Jazz-Kiste eine Platte von Miles Davis – The Man With the Horn. Zugegeben, Miles Davis ist ein sehr leichter Einstieg in den Jazz. Aber auch hier packte es mich. Mittlerweile höre ich sehr gerne Jazz und mein persönlicher heiliger Gral ist Per Henrik Wallin – One Knife Is Enough. Sollte ich die Platte irgendwann in die Finger kriegen, bin ich auch bereit einen höheren Preis zu zahlen.


Ich habe also sehr schnell sehr viel Geld verpulvert und besaß innerhalb von wenigen Monaten etwa 70 Platten. Also nichts, was für langjährige Sammler viel wäre, für mich aber eine Menge. Das wurde dann aber doch etwas viel. Ich gehe mittlerweile nicht mehr wöchentlich zum Plattenhändler, sondern einmal im Monat – und verpulvere mein ganzes Budget an einem Tag. Ich versuche weniger zu kaufen und dafür die Platten mehr zu hören. Ich begann langsam, die Platten nicht mehr zu hören, die ich gekauft habe. Das ist nicht der Sinn der Sache. Ich will nicht nur sammeln, ich möchte auch genießen. Von daher denke ich, dass das sehr gesund ist.


Ein schöner Nebeneffekt ist, dass ich endlich wieder etwas habe, wo es sich für lohnt, Zeitschriften zu kaufen. Das Mint-Magazin habe ich abonniert und freue mich über jede Ausgabe – einfach, weil es mal leichte Koste für ein Thema ist, für das ich mich begeistern kann. Ich hatte es lange nicht mehr, dass ich das Gefühl hatte, Teil von einer "Gemeinschaft" zu sein, die für dasselbe Thema so eine Liebe empfindet. Ich halte mich zwar meist von Vinylforen fern, weil ich nicht gerne mit herablassenden Menschen zu tun habe – ich mag es nicht, wenn Leute, einfach weil sie Geld für eine bessere Anlage haben, anderen versuchen das Hobby kaputt zu machen. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Pech und bin auf die nicht so freundliche Menschen gestoßen, während der Großteil eigentlich super nett ist. Aber da ich nicht weiß, ob es so ist, bleibe ich lieber auf Distanz.


Bottom Line ist also in etwa: Vinyl hat mich angefixt, weil es der Musik mehr gibt, als die Musik selbst ist. Weil mit dem Plattenladen, mit dem Suchen und Sammeln, eine soziale Komponente hinzu kommt. Weil es etwas ist, für dass ich mich sehr schnell begeistern konnte. Weil es etwas ist, was mir Freude bereitet.

 

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