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Günstig und einfach: die Plattenwaschmaschine Okki Nokki im Test

Günstiger geht es kaum, auch wenn Wünsche offen bleiben: die Okki Nokki reinigt gut

Man kennt sie zur Genüge, in vielen Haushalten steht bereits ein Modell und es gibt genügend Erfahrungsberichte darüber: die Plattenwaschmaschine Okki Nokki. Und dennoch halte ich es für unverzichtbar, sie im Rahmen dieses Tests vorzustellen. Warum? Ganz einfach, sie ist schlicht, wirkt robust und ist preiswert. Aber taugt sie auch wirklich für die Ansprüche des heutigen Vinyl-Fan? Der Test zeigt es!

 

Der Plattenwaschmaschinen-Test: Okki Nokki

 

Auspacken und Aufstellen

Okki Nokki DetailsGleich drei Kartons plus Luftpolsterfolie schützen das kleine Maschinchen vor dem Unbill der Paketdienste, da sollte nix schiefgehen. Wir packen also aus: Eine Okki Nokki Plattenwaschmaschine, ein Absaugarm aus Kunststoff (nicht von dem 12" in der Bedienungsanleitung irritieren lassen, damit ist nicht die Länge des Armes, sondern die Größe der zu waschenden Schallplatten gemeint), eine leider recht kleine Plattenklemme (∅ 3,7cm - positiv dagegen: ein unten eingelassener Gummiring verhindert beim Festdrehungen Beschädigungen am Plattenlabel-Papier), eine Kunststoffflasche mit 50ml Reinigungs-Konzentrat, die Reinigungsbürste aus Holz sowie das Strom-Anschlusskabel und schließlich die Bedienungsanleitung. Absaugarm aufgesteckt, Kabel ans Netz angeschlossen und schon kann es losgehen. Fast jedenfalls. Denn jetzt heißt es erst mal das Reinigungs-Konzentrat mit einem Liter destilliertem Wasser mischen, sofern man es gerade zuhause herumstehen hat (ich hatte es nicht und konnte deshalb nach dem Auspacken erst einmal nicht loslegen!).

Also merke: als Vinyl-Reinigungsfachkraft immer destilliertes Wasser im Schrank stehen haben! Und dazu gleich noch einen Tipp: möglichst kein entmineralisiertes Wasser (nach VDE 0510) besorgen, sondern wirklich destilliertes oder besser noch doppelt destilliertes Wasser nehmen (auch wenn dies ökologisch gesehen negativ, weil energietechnisch aufwändig herzustellen ist). Ist teuerer, aber erheblich reiner und sorgt nicht für Schlieren bzw. die möglichen Reste im Wasser für eine schlechtere Reinigungsqualität.

Und noch ein Tipp: ein saugfähiges, nicht fusselndes Tuch neben dem Gerät bereitlegen.

 

Die Bedienung

Ein Teller für die Schallplatte, eine kleine Klemme, der Absaugarm und zwei Knöpfe, das war es, mehr braucht diese Maschine nicht. Scheint also einfach zu sein. Doch der Teufel steckt wie immer im Detail!

Bevor man die verschmutzte LP auf den Plattenteller (eine Kunststoffplatte mit einem Gummiüberzug, der sich runterziehen ließe!) legt, sollte man die untere Plattenseite erst einmal trocken mit einer Bürste oder einem guten Schallplattentuch reinigen, damit nicht gleich der erste Dreck auf dem Plattenteller liegt und anschließend die sauber gewaschene LP-Seite gleich wieder versaut, nachdem man die nun oben gewaschene LP umdreht.

Nimmt man nun zum ersten Mal die Reinigungsbürste in die Hand, staunt man nicht schlecht, wie sehr die Fasern stauben (und Haare verliert), wenn man mit den Fingern darüber fährt. Ob damit jemand heimlich seine Regale damit abgestaubt hat??? Ok, da muss man durch und zur Beruhigung: nach dem Waschen ist die Bürste entstaubt. Die zuvor gemischte Flüssigkeit (nun kann man wieder das kleine Fläschchen damit füllen und zum Auftragen auf die Schallplatte verwenden. Das geht sehr schön dosiert, auch wenn es bei der noch trockenen Bürste länger dauert, bis diese sich mit dem Fluid aufgesaugt hat. Die nächsten LPs brauchen dann schon deutlich weniger Zeit.
Schaltet man nun also die Drehung mit dem Schalter „Motor" ein (wir beginnen als Rechtshänder mit Stufe I für Rechtsdrehung des Plattentellers), legt die LP auf, klemmt sie fest, nimmt die Bürste in die linke Hand und das Fläschchen in die rechte Hand, kann man sehr schön sehen, wie sich mit der Bürste die Flüssigkeit gleichmäßig auf der Oberfläche verteilt. Ein bisschen Übung, ein paar LPs waschen, schon hat man die richtige Menge raus. Wer es genau haben möchte: 4cl reichen.
Linkshänder dürfen ruhig Stufe II für Linksdrehung nehmen und den obigen Vorgang entsprechend umgekehrt händeln.
Ok, der Plattenteller mit der LP dreht sich also (bei neuen LPs reichen ca. 3-5 Sekunden, bei älteren gebrauchten und insbesondere stark verschmutzten Platten sollte man gut 30-60 Sekunden!) - jetzt den Absaugarm über die Platte schwenken, den Schalter „Vakuum" für die Absaugung betätigen und den Arm etwas nach unten (sachte!) auf die Plattenoberfläche drücken, für den Restweg hilft dann das Vakuum nach.
Nach meinen Versuchen reichen 2-3 Umdrehungen in einer Richtung aus, um die LP sauber und trocken zu bekommen. Bei stärker verunreinigten LPs empfiehlt sich ca. 2mal in beide Richtungen zu abzusaugen.

So und nun hagelt es gleich mehrere Kritikpunkte:

1. Der Absaugarm hat weder in der Ruhe- noch in der Absaug-Position über der LP eine Raststelle, sondern hängt irgendwo undefiniert herum. Das erweist sich nicht unbedingt als Problem, ist aber etwas fummelig.

2. Der Absaugmotor ist nicht wirklich leise, obwohl die Saugleistung gerade mal als befriedigend durchgeht.

3. Die Klemme ist zu klein, deckt also das Plattenlabel nicht ab, Flüssigkeit kann auf das Papier geraten.

4. Die im Boden gut gemeinte Dichtung in der Klemme sorgt für ein ungenaues Gefühl, wann man fest genug andreht hat. Man neigt dazu, nicht ganz so fest anzuziehen, mit der Folge, dass die LP beim Absaugen „stehen" bleibt.

5. Das Vakuum reicht nicht aus, um den Absaugarm auf die LP zu ziehen, man muss manuell nachhelfen.

6. Nach dem Absaugen geht der Absaugarm manchmal von selbst hoch, manchmal bleibt er auf der Platte, so dass man ihn von Hand abheben muss.

 

Hat man bis 30 LPs erfolgreich gewaschen, muss man den Abwassertank leeren. Dazu muss man einen Behälter (z.B. ein altes Marmeladeglas, kann man wieder verschließen und beim nächsten Mal wiederverwenden) unterhalb der Rückseite der Maschine stellen oder halten, den Auslaufschlauch reinhalten, den Verschlussstopfen daran abnehmen und das Gerät vorne etwas anheben: die Schmutzbrühe kann nun auslaufen. Den Grad des Kippens kann man gut selbst finden.

Die Bedienungsanleitung in sechs Sprachen ist kurz, aber völlig ausreichend und verständlich. Witziges ist darin auf jeden Fall zu lesen: „Lassen Sie die Schallplatte solange drehen, bis alle Rillen mit Reinigungsflüssigkeit gefüllt sind." Ähm, liebe Okki Nokkis, Preisfrage: wie viele Rillen hat eine Plattenseite?
Auch sonst sind da ein paar Fehler eingebaut: der Motor dreht laut Beschreibung in Stellung (-) nach Links, was wie oben erklärt genau anders herum ist.
Ansonsten aber lässt sie keine Fragen offen, denke ich mal.

Meine Tipps:

- die Samtlippen auf dem Absaugarm regelmäßig, am besten nach jeder LP abwischen.
- die gewaschene LP nie sofort auflegen, auch wenn sie trocken ist. Durch den Alkohol ist die Oberfläche abgekühlt (kann man vorsichtig mit dem Handrücken fühlen), einfach ein paar Minuten warten, bis die Platte Zimmertemperatur hat.
- Rauchen verboten!

 

Reinigungsergebnis

Die LP wird sauber, Punkt! Auch wenn der Weg dazu etwas holprig ist, die Fingerabdrücke lassen sich entfernen, der Staub ist weg und die Tiefen der vielen Rillen (gelle!) sind porentief rein. Was will man mehr? Und zudem reinigt die Okki Nokki sehr zügig, trotz der langsamen Drehgeschwindigkeit.

 

Besonderheiten

Eine Abdeckung ist wie bei allen anderen Maschinen in diesem Test nicht dabei, kann man aber für 59 EUR dazukaufen. Ausserdem finden wir in der Zubehörliste des deutschen Vertriebes (das Gerät stammt aus China) auch Absaugrohre für Singles (7") und 10"-Platten, der Preis liegt hierfür jeweils bei stolzen 50 EUR. Dafür sind die Ersatz-Samtlippen mit 7,50 EUR für das Paar günstig. Die Maschine ist in weiß und schwarz erhältlich.

 

Zusammenfassung

Insbesondere dank des niedrigen Preises - die Okki Nokki ist das günstigste Gerät im Test - kann man mit einem Kauf dieses Maschinchens nicht viel falsch machen, wenn man mit den genannten Kritikpunkten leben kann. Eine ordentliche und schnelle Reinigung läuft bei einiger Übung recht gut, besser und günstiger kann man seine Vinyl-Schätze kaum sauber bekommen. Vom Werterhalt /-steigerung der LPs kaum zu reden!

Positiv

+ gut verpackt
+ einfaches Aufstellen und Inbetriebnehmen
+ Preis/Leistung unübertroffen gut
+ verständliche und auch mal lustige Bedienungsanleitung
+ Gummiring zum Schutz des Plattenlabels
+ leichtes, kompaktes Gehäuse

Negativ

- keine Ersatz-Samtlippen
- Reinigungs-Konzentrat muss erst mit destilliertem Wasser gemischt werden
- Verarbeitung des Gehäuse mäßig (Senkkopfschrauben ohne Versenkung)
- Design dem Preis entsprechend
- Klemme deckt Plattenlabel nicht ab
- LP bleibt beim Absaugen gerne mal hängen
- keine Statikableitung (dreht man zu lange bei der Absaugung, lädt sich die LP auf)
- keine Füllstandsanzeige für denAbwassertank
- In Standardausführung nur für LPs geeignet, für 7" und 10" braucht man einen optimal zu kaufende Absaugarme
- Absaugarm ohne Rastpositionen

 

Lieferumfang

- Okki Nokki Record Cleaner Machine
- Absaugrohr mit Samtlippen
- Plattenklemme ∅ 3,7cm
- Kunststoffflasche mit 50ml Reinigungs-Konzentrat (mit Isopropyl-Alkohol)
- Ziegenhaar-Reinigungsbürste in Holzausführung
- Netzkabel mit Kaltgerätestecker
- Bedienungsanleitung

 

Technische Daten

- Netzanschluss: 230/240 Volt
- umschaltbare Tellerdrehrichtung
- Abmessungen (H x B x T): 23 x 36 x 36 cm
- Gewicht: 7 kg

 

empf. Preis im Handel (inkl. 19% MwSt.): 450,00 EUR

 

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