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Foto: Thi Thuy Nhi Tran

Es gibt immer wieder Bands, die einen sprachlos machen. Im November 2018 veröffentlichten Tiflis Transit einen EP namens „Mondaene Dysfunction“, mit der sie Kritiker wie Musikfreunde überraschten. Nun legen sie fünf weitere Songs unter dem Titel „A Dim Daze“ und lassen uns wieder staunen! Beides ist nun auf einer limitierten Vinyl Schallplatte zu haben, hier die Review dazu.

 

Tiflis Transit - A Dim Daze / Mondaene Dysfunction (LP, Colored Vinyl)

Du kennst Tiflis Transit nicht? Ok, das kann passieren. Es war der 9. November 2018, als nicht nur Kritiker, sondern auch Musikfans, die stets auf der Suche nach dem Besonderen sind, überrascht wurden. Es tauchte eine EP mit dem Titel „Mondaene Dysfunction“ auf, die sie erstaunen liess. Nun folgen nicht nur fünf weitere Songs, sondern auch jene vier von 2018 auf einer gemeinsamen Vinyl. Und erneut sitzt man verblüfft mit offenen Mund da. Es macht Sinn, erst mal Seite 2 mit „Mondaene Dysfunction“ aufzulegen.

 

Das Unerwartete

Tiflis Transit A Dim Daze Vinyl 2020Das Projekt um den Sänger und Pianisten Fabian Till, Gitarrist Birk Buttchereyt, den Bassisten Niklas Mingels und Jenny Schmitz (Schlagzeug) saugt ganz offensichtlich stilistische Elemente aus vielen Jahrzehnten auf. Dazu gehört unüberhörbar der Soul und R&B. Schon ein Blick auf die um Bläser erweiterte Formation macht deutlich, dass da gewisse Wurzeln präsent sind. Und doch sind die neun Songs ganz anders als erwartet und lassen einen auch nach wiederholten Hören etwas ratlos. Zumindest dann, wenn man jemand erklären soll, wie diese Musik klingt.

Die Vielfalt der Elemente in ihrer Musik machen Tiflis Transit so spannend und zugleich staunt man, dass dieses Ganze so entspannt und flüssig daherkommt. Für mich geht das weit über den normalen Indiepop hinaus, der ohnehin schon so bunt und immer wieder unerwartet daherkommt. Es gibt Rezensenten, die hier von Blue Soul und Funk-Attitüden sprechen, von DIY-Pop, Motown, Jazz und Psychedelic sprechen, einen Vergleich mit Annenmaykantereit, Tame Impala, Okta Logue oder Fleet Foxes vorschlagen. Letztere kamen mir zumindest, was den Gesang von Fabian Till und wiederum die raffinierten Arrangements angeht, auch in den Sinn. Trotzdem neigen Tiflis Transit nicht zu einem eindeutig verifizierbaren Stil.

Besagte Seite 2 mit den vier Tracks von „Mondaene Dysfunction“ startet mit „May“. Ein unbestimmt agierendes Keyboard, ein lässiges Schlagzeug und der eher helle Gesang sorgen für eine Atmosphäre, die rätseln lässt. Wenn dann auch noch die Trompete dazukommt, stehen die Fragezeichen im Raum: ist das irgendetwas wie Soulpop? Die eigenwilligen Arrangements, die undefinierbare Melodiestruktur und der trotzdem so wunderbar gefällige Flow lässt jede Schublade unwirksam werden. „White Wall“ ist etwas simpler, hier bietet zumindest die Orgel eine Reminiszenz an die Sixties, wäre da nicht der etwas jazzige Verlauf der Drums. Der Gesang geht in der Höhenlage etwas in Normalregionen, der Entspanntheit wird Tribut gezollt. „Mosaic“ groovt lässig und in „Island“ eröffnet ein Glockenspiel, ehe ein eher funky Beat eingeschlagen wird und eine gestopfte Trompete einen Sidekick Richtung Jazz landet.

Nun Seite 1 mit den neuen Songs: wieder ein Start mit Keyboard, ein Harfe-ähnlicher Einwurf und dann ein entspannter Rhythmus, der sich zum Ende hin etwas opulenter aufbaut. „Waver“ erinnert mit seinen Vocal-Sprengsel zu Beginn an billige Italowestern der 70er, biegt dann aber doch in eine gefällige Melodie ein. Trotzdem zeigt sich diese Nummer wieder sehr variabel, variiert im Rhythmus und der Instrumentierung, zu der sich gegen Ende hin auch Bläser dazugesellen. Am Anfang von „Toil“ steht nur der intime Dialog zwischen Gesang und Piano, ehe sich dezent und weit im Raum verteilt eine Gitarre hinzufügt und das Schlagzeug einstimmt. Der Song baut sich zu einer großartigen Opulenz auf. „Errantly Casual“ kommt mit seinem Beat wieder zurück in die Welt des Motown, was aber auch nicht eindeutig geschieht. Dazu gestalten Tiflis Transit das zu variabel, sehr schön ist auch die Einlage mit der Flöte. Die letzte Nummer „Bazon’s Song“ schleicht sich dann endgültig in die Hirnwindungen mit einem unwiderstehlichen „Huhu“ und einem entspannten Beat, der Orgel und Bläser als lässige Einwürfe mitnimmt.

Musik wie diese flirtet ganz klar mit Menschen, die das Unerwartete erwarten. Wer weder auf Mainstream noch auf die etablierten Sounds steht, sollte sich diese Schallplatte gönnen. Und auch nicht zu lange warten, denn sie ist auf gerade mal 300 Stück limitiert!

 

Fakten

Veröffentlichung: 13. November 2020
Label: Listenrecords
Bestell-Nummer: TRO38V
Pressung: Pallas
Pressqualität*: 3-4
Inhalt: 150g Vinyl
Besonderheit: blau/grün-marmoriertes durchsichtiges Vinyl, auf 300 Stück limitiert
Aufnahmen: A1-A5 durch Lukas Kurz & Birk Buttchereyt, B1-B4 von Birk Buttchereyt, Drums von Florian Hofer
Mastering: Rachel Field bei Resonant Mastering, Seattle / USA

 

Besetzung

Fabian Till - piano, organ, keyboards, vocals
Birk Buttchereyt - guitars, backing vocals
Niklas Mingels - bass, backing vocals
Jenny Schmitz - drums, percussion, backing vocals, glockenspiel

Conrad Czielinski - flute (A4)
Niklas Fischer - saxophone (A2, A5)
Julian Göke - trumpet (B1, B4)
Simon Meier - saxophone (B1, B4)
Catharina Schorling - trumpet (A1, A2, A5)
Lukas BlecksTracks - keyboards (A3)

 

Trackliste

Seite 1

A Dim Daze

1. Doze
2. Waver
3. Toil
4. Errantly Casual
5. Bazon’s Song

 

Seite 2

Mondaene Dysfunction

6. May
7. White Wall
8. Mosaic
9. Island

 

* Pressqualität 1-5:
1= starke Nebengeräusche, deutlich sichtbare Pressfehler
5= keinerlei Nebengeräusche, optisch perfekt

 

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