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Thorbjorn Risager & The Black Tornado in einer Bar

Sie liefern mehr als Blues: Thorbjorn Risager & The Black Tornado | Foto: Christoffer Askman

Blues muss nicht traurig oder schwermütig klingen, besonders, wenn er von einem Musiker wie Thorbjørn Risager interpretiert wird. Im Falle dieses dänischen Sänger, Gitarristen und Songwriter entstand mit „Come On In“ eine so vielseitige und optimistisch klingende Platte, dass man selbst als langjähriger Musikfreund staunen kann. Die Review zur Vinyl-Ausgabe erklärt die Gründe dafür.

 

Thorbjorn Risager & The Black Tornado - Come On In (LP, 180g Vinyl)

17 Jahre ist es nun her, dass Thorbjørn Risager mit einigen Musikern aus der Kopenhagener Blues-Szene die Formation Thorbjørn Risager Blue7 gründete und erntete bereits schon bald internationale Anerkennung. Ein wesentlicher Grund ist wohl seine ungewöhnlich ausdrucksstarke Stimme, welche ihn deutlich von anderen Bluesmusikern abhebt. Überhaupt dehnt Risager den Begriff Blues deutlich in verschiedene Richtungen aus.

 

Die Vielfalt des Blues - Come On In

Thorbjorn Risager Come On In VinylDamit ich bei meiner Rezension nicht zu euphorisch rüberkomme, hier mal die weniger erfreulichen Dinge bei meinem vorliegenden Vinyl-Exemplar: eine ansonsten sehr gute Pressung wird auf Seite 2 durch deutlich hörbare Einschlüsse getrübt. Ausserdem hat man bei dem Song „Love So Fine“ eine ungewöhnlich flach klingende Abmischung vorgenommen, denn der Rest der Schallplatte ist eigentlich ziemlich gut. Zumal insbesondere die akustischen Passagen richtig Freude machen. Und damit bin ich bei einem von vielen Gründen, warum diese LP eine Top-Empfehlung für Blues-Fans ist.

Dies beginnt bereits mit dem Titel-Track „Come On In“, das mit seinem vorwärtstreibenden Groove zu fesseln weiß. Die Bläser agieren zurückhaltend, tragen aber trotzdem zu diesem funky Feeling bei. Die nächste Nummer „Last Train“ greift zwar in gewisser Weise den Beat auf, führt ihn aber wieder eher dem Bluesschema zu, ist rockiger und kommt ohne Bläser aus. Spätestens hier ist man schon ganz und gar in dieser Musik drin und wird von dem gänzlich anderen „Nobody But The Moon“ überrascht: die beschwingte, leichte und wieder mit Bläsern unterstützte Melodie täuscht darüber hinweg, dass hier ein sehr ernstes Thema zugrunde liegt: es handelt von Flüchtlings-Kinder, die im Mittelmeer ertrunken sind und deren Schreie von niemandem als dem Mond gehört werden. Die anschließende Ballade „Two Lovers“ versöhnt die Gemüter mit einem beseelten Gesangs- und insbesondere schönen Slide-Gitarren-Part. „Never Givin' In“ hält wieder die typischen Blues-Fahne hoch, lässt aber mit feinen Perkussion rhythmische Alternativen zu. Wobei gerade dieses Stück mit seinen Bläsern und der sehnsüchtigen Slidegitarre zeigt, wie variabel Risager und seine Band zu Werke gehen.

Sin City“ ist überaus traditionell gehalten, New Orleans lässt grüßen. „Over The Hill“ ist dann dem Rock’n’Roll gewidmet, wobei das Saxofon eine nicht unwesentliche Rolle bekam. „On And On“ ist dann wieder ein schlichte Ballade mit verträumter, entspannte Melodie - atmosphärisch ein Highlight dieser Platte! Das rockige „Love So Fine“ überzeugt mich leider aus oben genannten Gründen gar nicht. Stark hingegen ist der Rausschmeisser in Buddy Waters-Manier: in „I'll Be Gone“ wippen die Füße unweigerlich mit, Fingerpicking vom Feinsten!

Diese Einspielung demonstriert, wie vielseitig Blues heute klingen kann, wenn man das Thema optimistisch und mit wahrer Spielfreude angeht. Mich würde es nicht wundern, wenn Thorbjorn Risager & The Black Tornado mit „Come On In“ wieder einmal in den Bestenlisten der Musikbranche stehen wird!

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 28. Februar 2020
Label: Ruf Records
Bestell-Nummer: RUF 2060
Pressung: Pallas
Pressqualität*: 2-4
Inhalt: 180g Vinyl
Besonderheit: Download-Code
Aufnahmen: Januar bis Oktober 2019 in den Viktoria Studios in Kopenhagen, Dänemark

 

Besetzung

Thorbjørn Risager - vocals, guitar
Emil Balsgaard - piano, organ, Wurlitzer, synthesizer
Joachim Svensmark - guitar, synthesizer, backing vocal
Kasper Wagner - alto saxophone, tenor saxophone, baritone saxophone
Hans Nybo - tenor saxophone
Peter Kehl - trumpet, flugelhorn, trombone, sousaphone
Søren Bøjgaard - bass, moog bass, synthesizer
Martin Seidelin - drums, percussion

 

Trackliste

Seite 1

1. Come On In
2. Last Train
3. Nobody But The Moon
4. Two Lovers
5. Never Givin' In

Seite 2

6. Sin City
7. Over The Hill
8. On And On
9. Love So Fine
10. I'll Be Gone

 

* Pressqualität 1-5:
1= starke Nebengeräusche, deutlich sichtbare Pressfehler
5= keinerlei Nebengeräusche, optisch perfekt

 

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