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"Blind Heaven", das 2019er Werk von Hior Chronik in der Rezension

Ist „Blind Heaven“ der Soundtrack zu einem verträumten Sonntag-Nachmittag? Ein Schritt heraus aus dem elitären Ambient-Sounds und vermeintlicher Neo-Klassik? Georgios Papadopoulos alias Hior Chronik hat mit seinem aktuellen Album nicht vor, die (musikalische) Welt neu zu erfinden, sondern schuf einfach mal ein schönes Werk - die Review dazu erläutert das.

 

Hior Chronik - Blind Heaven (LP, Vinyl)

Ästhetischer Wohlklang, Tiefe, Erhabenheit. Elektronische Sounds treffen auf akustische Instrumente, in einem Track sogar mit der sanften Stimme von Amber Ortlano zu einer bewegenden Synergie erhoben - „Blind Heaven“ kann beeindrucken! Allerdings nur, wenn man die getragenen Klänge und die dunkle, kühle Atmosphäre von Anfang bis Ende ertragen kann - meine Sache ist es jedenfalls in großem Maße.

 

Ein sanfter Vulkan

Hior Chronik Blind Heaven VinylHior Chronik zeigt uns mittlerweile schon mit mehreren Alben, dass er seine Klangwelten nicht als modische Einmaligkeit gestaltet hat, sondern etwas Zeitloses, welches auch morgen noch Bestand hat. Die langsamen Tempi der ruhig dahinfließenden Melodien haben dabei etwas geheimnisvolles, etwas, das sich aus einem Nebel herauskristallisiert. Wenn dann, wie im letzten Stück „Elixir“, sich auch noch „himmlische“ Chöre melden, dann wirkt das beinahe schon sakral. Das aber wird es sicher nicht sein, was Georgios Papadopoulos beabsichtigt hat. Vermutlich ging es ihm lediglich um Stimmungen und emotionale Auszüge unseres Lebens, Momentaufnahmen und Reflektieren.

Das Ganze ist, wie mir scheint, auf Minimalismus aufgebaut. Schon in der ersten Nummer „Imitation Of Life“ baut Hior Chronik so etwas wie Hornklänge (Goat Horn, von Karl Seglem oft gespielt) ein, die dem Sound einen nordischen Charakter verleihen. Also weit weg von seiner Heimat Griechenland, weniger weit allerdings von Berlin, wo Hior Chronik heute zuhause ist. Seine musikalische Reise ist dabei durchaus flexibel, was man schön am zweiten Track „Beneath“ erleben kann. Amber Ortolano haucht ihren sanftweichen Gesang zu den Trompetenklängen und einem dunklen, bedrohlichen Bass - eine berührende Mischung!

Dann gibt es immer wieder pulsierende Beats, welche aus den flächigen Sounds Amplituden-artig herausragen. Im Gegensatz dazu steht der kunstvolle Einsatz des Vibraphon des Japaners Masayoshi Fujita, was den Weg von Hior Chronik kongenial ergänzt. Alternativ erweist sich hingegen das Klavier der polnischen Pianistin Hania Rani in „Words Are Gone“, wenn gleich deren schlichtes Spiel sich irgendwie auch wieder fein in die gesamte Stimmung der Platte einfügt. Klanglich ist dieser Track, insbesondere durch die sehr atmosphärische Aufnahme, der Höhepunkt dieser Schallplatte.

Wenn ich diese Musik mit einem Bild vergleichen würde, dann mit dem eines Vulkans: die Lava fließt im Zeitlupentempo über den Hang, immer wieder begleitet von atemberaubenden Eruptionen, aufsteigenden Wolken und Niederschlag eines Asche-Regen. Das könnte genauso in Island wie in Griechenland sein - für mich eine gute Analogie zu dieser beeindruckenden Musik.

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 8. November 2019
Label: 7K!
Bestell-Nummer: 7K011LP
Pressung: Sony Poland
Pressqualität (1-5: starke bis keinerlei Nebengeräusche): 3-4
Inhalt: 130g Vinyl
Besonderheit: Innenhülle bedruckt

 

Besetzung

Hior Chronik - Electronics
Amber Ortolano - Stimme
Masayoshi Fujita - Vibraphon
Hania Rani - Klavier
Francesco Donadello - Electronics
Christian Grothe - Trompete

 

Trackliste

Seite 1

1. Imitation Of Life
2. Beneath (feat. Amber Ortolano)
3. Don't Mess With My Heart
4. Blanket (feat. Masayoshi Fujita)
5. Words Are Gone (feat. Hania Rani)

Seite 2

6. One Eternity At A Time (feat. Francesco Donadello)
7. Through The Path
8. Smash And Grab
9. Intimacy Of The Unknown
10. Elixir

 

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