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Alexander Kilian und Jan Pascal mit Sean Mcgee im Studio

Die "Famous Tracks" - Schallplatte: über so ein großartiges Ergebnis staunte auch Mastering-Chef Sean Mcgee | Foto: Chrissy Dorn

Mit ihrem fünften Studioalbum „Famous Tracks“ erreichten die beiden Musiker von Café del Mundo etwas, das nicht so vielen Musikern zuteil wird. Was damit gemeint ist und was dies mit den Aufnahmen in den legendären Abbey Road Studios zu tun hat, versucht diese Rezension deutlich zu machen.

 

Cafe Del Mundo - Famous Tracks (LP, 180g Vinyl)

Die Geschichte der Abbey Road Studios in London begann bereits im Jahre 1931 mit einer berühmten Aufnahme von „The Land Of Hope And Glory“ durch das London Symphony Orchestra. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden hier nicht nur Klassik-Einspielungen, darunter unzählige Werke des legendären Yehudi Menuhin, sondern auch Jazz-Aufnahmen (Glenn Miller, Aretha Franklin etc.) und dann in den 60ern natürlich die der Beatles. Viele weitere musikgeschichtliche Glanzpunkte folgten, so im Jahre 1973 „The Dark Side of the Moon von Pink Floyd und letztendlich zeitgenössische Platten von Kate Bush, Oasis, Radiohead, Amy Winehouse und viele andere. Und nun folgte ein Gitarren-Duo aus Deutschland: Cafe Del Mundo!

 

Wenn aus einem Traum Musik entsteht

Cafe Del Mundo Famous Tracks VinylWarum diese Einleitung für „Famous Tracks“? Ganz einfach: wer einen solch bedeutenden Ort besucht, dürfte von seinen Eindrücken überwältigt sein. Schon ein normal sterblicher Musikfreund wird die Schwelle der Abbey Road Studios mit größter Ehrfurcht überschreiten, für einen Musiker hingegen erfüllt sich ein Traum.

Doch bevor es für die beiden Café del Mundo-Musiker Jan Pascal und Alexander Kilian so weit war, gehen wir acht Tage zurück. Es war Frühjahr 2019, als ihre erste UK-Club-Tour begann. Auf dem Programm standen Städte, die in der Musikgeschichte große Bedeutung erlangten: Sheffield, Leeds, Bristol und Cambridge und am Ende sogar eine Einladung in den legendären Ronnie Scott’s Jazz Club in London!

 

Cafe Del Mundo Ronnie Scotts Foto carl hyde©Ronnie Scotts by Carl Hyde

Mit diesen Eindrücken, ihre Songs vor begeistertem Publikum präsentiert zu haben, ging es dann in die Mythen-beladene Abbey Road. Das Gitarren-Duo betrat die Studios und atmete von der ersten Sekunde an die magische Aura dieses Ortes. Wo einst John, Paul, George und Ringo aus- und eingingen, saßen nun Jan und Alex. Am Mischpult sorgte kein Geringerer als Chris Bolster (er arbeitete u.a. mit John Fogerty, Kate Bush, Oasis, Al Di Meola, Gregg Allman und Paul McCartney) für einen perfekten Sound. Für das Mastering später war Sean Mcgee zuständig - ein Analog-Spezialist, der einen Grammy für das 2009er Beatles Remasters bekam. Mit solchen Fachleuten entstand an nur einem Tag ein Album, das einen schlicht staunen lässt.

Man möchte glauben, dass die Impressionen der vorangegangenen Konzertabende und der nun aufregende Einsatz in den heiligen Hallen der Abbey Road Studios wie ein lähmender Ballast auf die beiden Musiker wirken musste. Doch das Gegenteil war ganz offensichtlich der Fall, die Beiden gingen höchst motiviert zu Werke und nutzten die emotional geladene Umgebung als Inspiration. Die Atmosphäre war allen Umständen zum Trotz völlig entspannt. So dauerte es tatsächlich nur wenige Stunden, ehe alles eingespielt war. Jeder Track wurde zwei bis dreimal aufgenommen und im Anschluss einer davon für das Album ausgewählt.

 

Cafe Del Mundo Abbey Road Studios Foto Chrissy DornFoto: Chrissy Dorn

Schon die erste Nummer „Danza del Molinero“ - eine Komposition von Manuel DeFalla - entführt uns in die Welt akustischer Gitarren, der Magie eines Klanges, der schon seit langer Zeit die Menschen begeistert. Die beiden Saitenkünstler bedienten sich bei ihrem Programm für „Famous Tracks“ einigen ihrer Lieblingsstücken aus der Geschichte der Gitarre. Allerdings nicht nur - neben berühmten Kompositionen hören wir hier auch Stücke aus eigener Feder von Jan und Alex.

Da mich die unglaubliche Virtuosität dieser beiden Musiker zwar immer wieder beeindruckt, sie mich allerdings nicht mehr überrascht, so entdecke ich bei dieser Einspielung etwas anderes. Es ist eine Art souveräne Spielweise, die mit Leichtigkeit auch schwierigste Passagen umschifft und elegant in sichere Fahrwasser landet. Egal, ob komplizierte Griffe und irrwitziges Tempo oder langsame, feinsinnige Melodien - Jan Pascal und Alexander Kilian haben jedes Repertoire lässig im Griff. Diese zwölf Stücke strahlen eine faszinierende Ruhe aus, eben selbst in rassigen Nummern.

Dieses künstlerisch hochklassige Ergebnis basiert möglicherweise auch auf der Sicherheit, ein Techniker-Team ersten Ranges zur Seite zu haben. Und zu guter Letzt kommt noch ein Umstand dazu, den die Musiker während der Aufnahme wohl nur ahnen und hoffen konnten: das klangliche Niveau erreichte einen Höchststand. Den Hörer dieser Schallplatte erwartet also ein Genuss in jeder Hinsicht, der Begriff Audiophil (angenehmes Hören) bekommt hier eine doppelte Bedeutung!

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 20. September 2019
Label: Fine Music / GLM
Bestell-Nummer: FM 251-1
Pressung: MY45
Inhalt: 180g Vinyl
Besonderheit:

 

Besetzung

Jan Pascal - Gitarre
Alexander Kilian - Gitarre

 

Trackliste

Seite 1

1. Danza del Molinero (Manuel DeFalla) 3:16
2. La Vida Breve (Manuel DeFalla) 3:17
3. Consolation (Jan Pascal & Alexander Kilian) 4:19
4. La Perla (Jan Pascal & Alexander Kilian) 3:40
5. Danza de los Vecinos (Manuel DeFalla) 3:16
6. Spain (Chick Corea) 9:33

Seite 2

7. Danza del Fuego (Manuel DeFalla) 4:07
8. Uma Bossa (Jan Pascal & Alexander Kilian) 4:50
9. One Fine Day (Jan Pascal & Alexander Kilian) 4:12
10. La Fiesta (Chick Corea) 4:23
11. Mediterranean Sundance (Al di Meloa/Paco de Lucia) 5:31
12. Danza Española Oriental (Enrique Granados) 3:22

 

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