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Pure Sound-Magie des norwegischen Trompeters Niels Petter Molvær | Foto: CF Wesenberg

Es wurde aber Zeit! 22 Jahre mussten vergehen, ehe eine der aufregendsten ECM-Platten endlich auch auf Vinyl erschien. Der Preis der Deutschen Schallplattenkritik, unter den besten 100 besten Jazz-Alben beim Magazin Rolling Stone und so manche weitere internationale Auszeichnungen zeugen von der hohen Qualität der LP „Khmer“, dem Debütalbum des norwegischen Trompeters Niels Petter Molvær. Die Review dazu.

 

Niels Petter Molvær - Khmer (LP, 180g Vinyl)

Eines seiner Vorbilder war Miles Davis und da insbesondere dessen elektrische Phase. Doch der an der norwegischen Westküste auf der kleinen Insel Sula geborene Niels Petter Molvær fand in seiner musikalischen Entwicklungsphase auch Verbindungen zu Bill Laswell, Massive Attack und allgemein Drum'n'Bass, Techno und Jungle. Er spielte selbst sogar auch Rock - das Crossover-Potential ist also eine der Stärken dieses vielseitigen Trompeters. Und seine Debüt-Platte „Khmer“ ist nichts weniger als das erste Meisterwerk seiner Diskografie.

 

Jenseits des Jazz

Niels Petter Molvær Khmer Vinyl ECM 1560Noch eine witzige Vorgeschichte zu dieser Review bzw. bevor diese erst entstand: als ich die Platte bekommen hatte, packte ich sie voller Begeisterung und Vorfreude aus, hatte sie erst mal gewaschen und dann schnell aufgelegt. Das, was da aus den Lautsprechern kam, begeisterte mich ohne Maßen. Takt und Beat waren unglaublich tanzbar und fesselnd, wenn auch etwas ungewöhnlich. Als die erste Seite zu Ende war und ich am Laufwerk stand, um die Platte umzudrehen, fiel mir auf, dass noch die 45rpm eingestellt waren! Krass - eine ganze Seite mit falscher Geschwindigkeit angehört und doch war das Ergebnis klasse! OK, mit 33rpm noch einmal angehört und was soll ich sagen, die eigentliche Magie des Albums schälte sich nun Stück für Stück heraus.

Was also beim ersten (mit beinahe peinlichem Fehler) Hören teils wie ein HipHop-Album klang, entpuppte sich nun als geniales Spiel zwischen elektronischen Sounds, coolen Grooves und dem faszinierenden, ätherischen Timbre seiner Trompete. Wobei auch ethnische Rhythmen mit einflossen und so ein unglaublich wirkungsvolles Zusammenspiel mit den visionären elektrischen Klangskulpturen schufen.

Toningenieur Ulf W. Ø. Holand hatte im dritten Stockwerk des Rainbow-Studio-Komplexes sein eigenes Tonstudio Lydlab, wo die Aufnahmen zu „Khmer“ stattfanden. Aus dem vielen Material sorgte ECM-Chef Manfred Eicher, dass durch eine geänderte Reihenfolge der Songs genau das Album entstand, welches auch Niels Petter Molvær selbst begeisterte.

Am Anfang stand ein pulsierender Beat, der mit den Perkussion fernöstlichen bis orientalischen Flair vermittelt - das Titelstück „Khmer“ macht bereits deutlich, was den Hörer beim Rest der LP erwartet. Dazu gehört neben dem fesselnd musikalischen Œuvre die klangliche Seite: die synthetischen Bässe reichen verdammt tief in den Keller hinunter, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Nebenraum war die Bassgewalt dieser LP noch beeindruckend spürbar. Doch auch die Feinheiten der akustischen Instrumente, hier natürlich allen voran der Trompete, werden wie bei ECM üblich allerfeinst dargeboten.

Über acht Songs erstreckt sich das musikalische Abenteuer, das uns Molvær auf dieser LP bietet. Dazu gehören schnelle und quirlige Tracks, aber auch schleppende Beats („Access / Song Of Sand“) und selbst die Welt der Balladen wurde betreten („On Stream“). Molvær hatte gleich drei Gitarristen in seiner Band, die sowohl rockige als auch ambient-bezogene Seiten offerierten. Das „Khmer“-Projekt wird durch die kreativen Sound-Samples von Reidar Skar perfekt, unterstützt durch Ulf W. Ø. Holand und seinen Sampling-Einlagen. Auf diese Weise entstand ein aus meiner Sicht einzigartiges Werk jenseits aller Schubladen. Der nordische Jazz bekam mit „Khmer“ eine derart innovative Facette hinzu, dass man insbesondere durch die mal subtilen und mal deutlichen World-Einflüsse von einer Melange aus Ambient & Akustik Jazz, Ethno/Weltmusik, Elektronik und TripHop sprechen kann. Großartig!

 

PS. Es gab 1997 auch eine Remix-Version von „Khmer“ mit sechs Tracks, die natürlich auch in meiner Sammlung steht. Auch wenn ich diese immer noch klasse finde, so erhebt sich die nun vorliegende Original-Aufnahme als wesentlich ambitionierter und reizvoller.

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 7. Juni 2019
Label: ECM Records
Bestell-Nummer: ECM 1560
Pressung: Record Industry
Inhalt: 180g Vinyl
Besonderheit: Klappcover

 

Besetzung

Nils Petter Molvaer - Trumpet, Guitar, Bass Guitar, Percussion, Samples
Eivind Aarset - Guitars, Treatments, Talk Box
Morten Molster - Guitar
Roger Ludvigsen - Guitar, Percussion, Dulcimer
Rune Arnesen - Drums
Ulf W.O. Holand - Samples
Reidar Skar - Sound Treatment

Aufnahmen 1996-1997 bei Lydlab A/S in Oslo, Norwegen

 

Trackliste

Seite 1

1. Khmer 4:59
2. Tløn 7:52
3. Access / Song Of Sand 5:50
4. On Stream 5:01

Seite 2

5. Platonic Years 6:33
6. Phum 3:39
7. Song Of Sand II 6:10
8. Exit 2:42

 

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