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Ein Highlight für jede Jazzsammlung: "Voices In The Night" | Foto Dorothy Darr

Wenn Jazzgeschichte lebendig wird, sind Top-Musiker wie jene auf dieser Platte nicht weit. Charles Lloyd hat im Jahre 1999 zusammen mit Billy Higgins, Dave Holland und John Abercrombie ein Album geschaffen, das jetzt zurecht bei ECM Records auch auf Vinyl veröffentlicht wurde: "Voices In The Night". Eine begeisterte Rezension zur Doppel-LP.

 

Charles Lloyd - Voices In The Night (2 LP, 180g Vinyl)

Einer der initiativen Gründe für das Entstehen dieser Platte war sicherlich die lange Zusammenarbeit mit Drummer Billy Higgins, welche bis in die 50er Jahre zurückreicht. Es war die Zeit, als Charles Lloyd seinen Master in der University of Southern California machte. Er spielte mit Leuten wie Ornette Coleman, Don Cherry, Scott LaFaro und Eric Dolphy zusammen, was auch die Schnittmenge zu Higgins war. Mit Dave Holland und John Abercrombie kamen die Kontakte erst später - „Voices In The Night“ ist eine kongeniale Fortsetzung dieser Zusammenarbeit!

 

In Verbindung mit der Historie

Charles Lloyd Voice In the Night Vinyl ECM 1674Wie sehr sich Charles Lloyd in der Quartett-Besetzung wohl fühlt, kann man vom ersten Takt der Schallplatte „Voices In The Night“ gut hören. Auf dem entspannten Beat des Titelstückes, das gleich am Anfang startet, lässt Lloyd eine schöne Melodie folgen. Abercrombie hingegen zeigt, dass er keineswegs vorgegebenen Pfaden folgt, sondern eigene Akzente setzt. Erstaunlicherweise klingt das im Quartett-Spiel von „Voices In The Night“ trotzdem geschlossen und schlüssig. Ich mache das an der Erfahrung dieser vier Musiker fest, letztendlich überrascht es gar nicht.

God Give Me Strength“ geht rhythmisch etwas forscher vorwärts, Higgins ist da sichtlich in seinem Element. Es handelt sich um eine Komposition von Burt Bacharach, in der Version von Elvis Costello. Ein für mich schönstes Lied kommt dann mit der Ballade „Dorotea's Studio“ - ein Paradestück für Abercrombies gefühlvolles Spiel. Er hat hier den ersten Part für sich, ehe Higgins, Holland und schließlich auch Lloyd eingreifen.

Ähnlich dezent folgt auf Seite 2 die Nummer „Requiem“, bei der besonders das Wechselspiel von Abercrombie und Holland gefällt. Beeindruckend ist dann das vierteilige „Pocket Full Of Blues“, das fast zwölf Minuten dauert - spannende Soli, glänzendes und immer wieder subtil vorgetragenes Zusammenspiel. Eine Reminiszenz an die 60er. Lloyd spielt teilweise, als hätte er noch einen weiteren Saxofon-Begleiter neben sich, beim genauen Zuhören entpuppt sich das als geniales Spiel von Abercrombie - großartig!

In „Homage“ widmet sich Lloyd den alten Meistern Charlie Parker, Coleman Hawkins, John Coltrane oder Lester Young, virtuose Akkord-Folgen, denen sich auch Abercrombie anschließt. Holland und Higgins liefern den perfekten Rahmen dafür, deren Rhythmusspiel ist überaus ansteckend. „Forest Flower“ ist eine ältere Nummer aus einem sehr erfolgreichen Livealbum von 1967. In der Neuinterpretation ist die Melodie und die Lebendigkeit des Stückes omnipräsent und wunderschön ausgestaltet. Den Abschluss der Doppel-LP bildet „A Flower Is A Lovesome Thing“, ein Billy Strayhorn-Standard aus dem Jahre 1941. Eine Ballade, die in dieser Darbietung einmal mehr die Klasse dieses Quartetts und zugleich deren Verbindung mit der Jazzgeschichte gelungen darstellt.

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 7. Juni 2019
Label: ECM Records
Bestell-Nummer: ECM 1674
Pressung: Record Industry
Inhalt: 2x180g Vinyl
Besonderheit: Klappcover

 

Besetzung

Charles Lloyd - tenor saxophone
John Abercrombie - guitar
Dave Holland - double bass
Billy Higgins - drums, percussion

Aufnahme Mai 1998 im Avatar Studio in New York, USA

 

Trackliste

Seite 1

1. Voice In The Night 6:31
2. God Give Me Strength 4:41
3. Dorotea's Studio 7:48

Seite 2

4. Requiem 6:00
5. Pocket Full Of Blues 11:41
a. Island Blues
b. Little Sister's Dance
c. Shade Tree
d. Mud Island

Seite 3

6. Homage 9:25

Seite 4

7. Forest Flower: Sunrise / Sunset 15:23
8. A Flower Is A Lovesome Thing 6:46