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Sie haben gut lachen - "Que Bom" ist ein wunderbares Sommer-Album geworden | Foto: Vinicius Giffoni

Mehr Sommer-Feeling geht kaum noch! Der italienische Piano-Spezialist Stefano Bollani hat mit „Que Bom“ eine Doppel-LP geschaffen, die Jazz und Latin auf herrlich lässige Weise verbindet und voller Lebensfreude steckt. Dass sich Leichtigkeit der Melodien und künstlerisches Niveau nicht ausschließen, beweist diese Schallplatte in hohem Maße. Die Review zur Vinyl-Ausgabe.

 

Stefano Bollani - Que Bom (2 LP, 180g Vinyl)

Mein Eingangs bereits gefälltes Urteil hat natürlich auch eine Ursache. An dem Tag, als ich die LP bekam und zum ersten Mal aufgelegt habe, war es sehr warm, die Fenster alle offen und wir saßen bei der Musik auf der Terrasse. Das Leben kann so schön sein, wenn es bei passendem Wetter durch eine solche Musik versüßt wird - dolce vita! Es wundert einen allerdings auch nicht, dass diese LP so wunderbar in jeder Hinsicht klingt: Stefano Bollani ist ein versierter Pianist, der bereits auf vielen unzähligen Alben (u.a. ECM, Decca, Verve…) mit vielen hochrangigen Musikern zusammengespielt hat. Auch auf „Que Bom“ erleben wir Gaststars, die sein Ensemble toll ergänzen.

 

Niveauvolle Leichtigkeit

Stefano Bollani Que Bom VinylDie Liste seiner Auszeichnungen ist lang. Man kann sie bei Wikipedia nachlesen, nicht aber das, was den Vinyl-Freund bei „Que Bom“ erwartet. Im Wesentlichen sind es Bollanis eigene Kompositionen, die wir auf den beiden LPs dieses Albums hören. Da ist viel brasilianischer Einfluss vorhanden, er mischt sich allerdings sehr elegant mit europäischem Jazz. Das kann zuweilen vital und quirlig ausfallen oder einfach cool relaxed. Als Hintergrundmusik taugt das Ganze aber so gar nicht, dafür sind die Protagonisten viel zu intensiv dabei, ihr Können zur Schau zu stellen.

Die Rhythmus-Maschine funktioniert ganz prima, kontrastiert durch immer wieder auftauchenden Soli. Die Perkussion spielen dabei eine wichtige Rolle, typisch für lateinamerikanische Elemente. Das geschieht weitgehend instrumental, lediglich drei Stücke kommen mit Gesang. Viele Stücke entführen einen an die Copacabana, an eine Strandbar und viel Sonne. Bollani beweist allerdings gekonnt, dass es keineswegs die leichte Muse ist, die dem Hörer das Glücksgefühl des Urlaubs vermittelt. Typisch ist dafür die Ballade „Habarossa“, die leicht melancholisch einen Ausflug nach Kuba macht. Bollani zaubert dabei an seinem Flügel eine hinreissende Melodie, die sich elegant auf dem Rhythmusgerüst bewegt. In „La nebbia a Napoli“ übernimmt er das Mikro für einen wehmütigen Gesang, begleitet von Jaques Morelenbaum am Cello.

Zwischen sanft-lyrischen und glutvollen, leidenschaftlichen Liedern, zwischen Balladen und temperamentvollen, tanzbaren Stücken zeigt Bollani und seine Mannschaft feine Nuancen, die deutlich machen, warum der Italiener ein weltweit geachteter Musiker ist. „Que Bom“ ist übrigens das erste Album, das auf seinem eigenen Label Alobar erscheint.

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 10. Mai 2019
Label: Alobar S.R.L. Unipersonale
Bestell-Nummer: AL1001V
Pressung: optimal media
Inhalt: 2x 180g Vinyl
Besonderheit: Klappcover mit Songtexten

 

Besetzung

Stefano Bollani - Piano
Jorge Helder - Double Bass
Armando Marçal - Percussion
Jurim Moreira - Drums
Thiago da Serrinha - Percussion

Gastmusiker

João Bosco - Voice, Guitar
Hamilton Holanda - Bandolim
Jaques Morelenbaum - Cello
Caetano Veloso - Voice, Guitar
Zè Nogueira - Soprano Saxophon
Frida Magoni Bollani - Voices
Everson Moraes - trombone
Aquiles Moraes - trumpet

Aufnahmen Dezember 2017 im Estúdio Visom Digital in Rio de Janeiro, Brasilien

 

Trackliste

Seite 1

1. Accettare tutto 3:58
2. Habarossa 5:02
3. Certe giornate al mare 5:03
4. La nebbia a Napoli 3:33

Seite 2

5. Michelangelo Antonioni 3:20
6. Galapagos 3:46
7. Ravaskia 6:31
8. Olha a brita 4:27

Seite 3

9. Sbucata da una nuvola 5:15
10. Il gabbiano ischitano 4:56
11. Ho perduto il mio pappagallino 3:29
12. Criatura dourada 4:42

Seite 4

13. Uomini e polli 5:42
14. Aleijadinho le o Codex Seraphinianus aqui 4:16
15. Nacao 3:47
16. Que bom 4:17