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Ein starkes Stück Prog-Metal: "Shehili" | Foto: Nidhal Marzouk

Nein, nicht aus dem hohen Norden, sondern aus der Wüste kommen sie. Mit ihrer neuen Schallplatte „Shehili“ dürfte die tunesische ProgMetal-Band Myrath insbesondere bei Fans von Melodie und Symphonie Metal neue Freunde finden. Langjährige Vinyl-Fan.de-Leser werden jetzt zwar staunen, hier über eine solche Musikrichtung zu lesen, aber ich kam nicht umher, diese geile Scheibe in einer Review vorzustellen.

 

Myrath - Shehili (LP, 180g Vinyl)

Metal bei Vinyl-Fan.de? Ok, ist jetzt nicht mein Spezialgebiet und daher mag man mir den einen oder andere Faux­pas verzeihen. Eingefleischte Metalfans lesen ihre Platten-Review von einschlägigen Magazinen und von Kritikern, die ihren Job verstehen. Vermutlich gibts da gewisse Spielregeln und Phrasen, die Insider kennen und erwarten. Davon aber hab ich keine Ahnung, ich gehe also mit meinen eigenen Worten ran und die mögen für Fachleute unter euch ungewöhnlich sein - aber sie sind ehrlich!

 

Mächtig, komplex, variantenreich und fesselnd

MYRATH Shehili 2019 VinylSie hat Power, in manchen Tracks steckt unbändige Kraft, die aus den Lautsprechern rausbrüllt. Sie zeigt sich aber auch mal anschmiegsam und kommt auf Samtpfoten daher. Und sie punktet bei mir unentwegt - die LP „Shehili“. Einen der wesentlichen Gründe nach dem ersten Durchhören ist die musikalische Vielfalt, das Herzblut, das in ihr steckt und die klasse Ideen, die Myrath da reingepackt haben.

Für alle, die diese Band noch nicht kennen: Myrath haben sich 2001 gegründet, stammen aus Tunesien und wurden sicherlich durch ihre orientalischen Einflüsse bei uns bekannt. „Shehili“, soweit ich das richtig sehe, ihre 6. Platte und erst die zweite Vinyl (auch „Legacy“ von 2016 gab als Schallplatte). Aufgenommen wurde das Album von Kevin Codfert (Adagio) in den X Fade Studios in Nanterre/Frankreich, das Schlagzeug in Hamburg (Chameleon Studios) und das Streichorchester in Tunis.

Ja, ihr habt richtig gelesen, hier wirkten Streicher mit, eines der spannenden Seiten dieser Platte. Die andere ist wohl der orientalische Touch, doch erstaunlicherweise ist der gar nicht so dominant. Eher schon raffiniert in das Gesamtkonzept integriert. Das arabische Intro „Asl“ dient vermutlich nur als stilgerechtes „Schau-mal-welches-Genre-wir-können“, das gleich passend in das knackige „Born To Survive“ übergeht, bei dem immerhin auch arabische Laute zu vernehmen sind. Das geht auch so weiter, Arabeske meets Metal - dezent und doch präsent. Erstaunlich melodisch wirkt das immer wieder, auch wenn das Schlagzeug von Morgan Berthet den Hörraum zum Beben bringt! Leadsänger Zaher Zorgati gehört aus meiner Sicht nicht zu „Schreihälsen“ (sehen wohl alle Nicht-Metaller meist so), sein Gesang kommt sauber artikuliert und doch kraftvoll.

Nummer wie „Dance“ wirken fast schon hymnisch und dürften sich schnell in den Ohren der Fans festsetzen, Auch hier kommen übrigens die Streicher zum Einsatz, wenn auch eher als Waffen denn Instrumenten - ist jetzt positiv gemeint. Im ebenfalls melodisch starkem „Wicked Dice“ darf das Keyboard die Stimme etwas lauter erheben, ehe ein klasse Gitarre-Soli die Aufmerksamkeit übernimmt. Einer der Highlights dieser LP! Grandios ist allerdings auch das anschließende „Monster In My Closet“ mit Männer-Chorus im Background, Streicher rundherum und Basar-Getöse mittendrin. Man kann die Battles zwischen Bassist Anis Jouini, Malek Ben Arbia an der Gitarre und Drummer Berthet regelrecht spüren, die hatten richtig Spaß!

Lili Twil“ kommt anfangs richtig poppig daher, nimmt dann aber mächtig Fahrt auf. „No Holding Back“ klingt gesanglich und instrumental zu Beginn alternativer, wird dann bald ein sinfonisch begleitetes, üppiges Melodie-Monster. Am Anfang von „Stardust“ kommt das Piano von Kevin Codfert prächtig zur Geltung, was zu einer opulenten Nummer übergeht, die dennoch ein gewisses (Balladen-) Tempo nicht überschreitet. Solche mächtigen Songs gehören offensichtlich zur Stärke von Myrath! In „Mersal“ übernimmt Lofti Bouchnak (der "Pavarotti Tunesiens"!) die Leadvocals, teils im Duett mit Zorgati - der orientalische Faktor ist hier etwas plakativ, aber trotzdem nicht überzogen. Bei „Darkness Arise“ dürften manche an Nightwish, Within Temptation & Co. denken, auch wenn dazwischen mal Akustikgitarre eingeworfen wurden und eine Orgel an klassische Hardrock-Bands denken lassen. Den Abschluss bildet das Titelstück „Shehili“, bei dem man anfangs regelrecht die Bauchtänzerinnen vor dem geistigen Auge hat. Dabei ist es nicht weniger als ein episch-progressives Meisterwerk mit klasse Tempo- und Laut-Leise-Wechseln, zweifellos der Höhepunkt einer überragenden Schallplatte.

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 5. Mai 2019
Label: earMUSIC
Bestell-Nummer: 0213932EMU
Pressung: optimal media
Inhalt: 180g Vinyl, Download-Code
Besonderheit: Klappcover mit Songtexten

 

Besetzung

Zaher Zorgati - Lead Vocals
Malek Ben Arbia - Guitars
Anis Jouini - Bass
Elyes Bouchoucha - Keyboards
Morgan Berthet - Drums

Kevin Codfert - Piano, Guitars
Tunisian Symphony Orchestra
 


Trackliste

Seite 1

1. Asl (Intro)
2. Born To Survive
3. You've Lost Yourself
4. Dance
5. Wicked Dice
6. Monster In My Closet

Seite 2

7. Lili Twil
8. No Holding Back
9. Stardust
10. Mersal
11. Darkness Arise
12. Shehili

 

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