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Karl Seglem mit Band bei einem Live-Auftritt

Karl Seglems neuestes Werk "Nunatak" hat eigenwillige Seiten | Foto: Jonas Adolfsen

Mein Lieblings-Norweger hat wieder eine Schallplatte veröffentlicht und sorgte bei mir gleich mal für Erstaunen - Karl Seglem. Was an der „Nunatak“ so anders ist, möchte ich in dieser Rezension vorstellen. Nur so viel: die Produktionszeit der LP dauerte etwa 3 Jahre, auch wenn eine Live-Aufnahme die Basis darstellt.

 

Karl Seglem - Nunatak (LP, 180g Vinyl)

Seine Platten sind immer wieder abenteuerliche, musikalische Reisen um die Welt. So manche LPs von Karl Seglem sind von Weltmusik geprägt, auch wenn die wesentlichen Elemente im Jazz begründet sind. Seglems Spezialität: das Ziegenhorn, ein archaisches Instrument mit einem eigenwilligen Ton. Eine weitere norwegische Besonderheit ist ebenfalls auf „Nunatak“ zu hören: die Hardanger-Geige. Gleich zwei Spezialisten spielen diese Fiedel, nämlich Håkon Høgemo und Sigrid Moldestad. So entstand eine LP, die trotz der akustischen Eigenheiten auch eine Vielzahl weiteres Sounds zu bieten hat.

 

Nunatak - ein musikalischer Aufschrei

Karl Seglem Nunatak Vinyl norcd1893LPEin Ostinato kann meditativ, aber auch enervierend sein. In der ersten Nummer „Rindabotn“, die fast elf Minuten dauert, ist dies ein zentraler Punkt, um das alle instrumentellen Beiträge kreisen. Im Mittelpunkt stehen genau jene Hauptinstrumente Ziegenhorn und Hardanger-Geigen, kraftvoll unterstützt vom Schlagzeug und dem unüberhörbaren Bass von Sigurd Hole. Durch das wuchtige und komplexe Geschehen ist diese Komposition kein leichter und doch aufregender Einstieg in eine Schallplatte, die man so nicht oft hört.

Auch der nächste Track „Men Argue. Nature Acts“ dauert über acht Minuten und fordert den Hörer in seiner Aufmerksamkeit. Kein Ostinato mehr, dafür Call and Response, ein langsamer Beat und mehr Individualität in der Instrumentierung. Das bekommt fast schon klaustophobe Industrial-Züge, bei dem die eigenartigen Klänge des Ziegenhorns eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Hinter all diesem nicht leicht zu verdauenden Songmaterial steckt Seglems erschrockener Blick auf das Verhalten der Menschen weltweit, das mit Umweltverschmutzung elementare Veränderung unserer Welt mit sich bringt. Ist es also der Aufschrei von Musikern, die dem nicht tatenlos zusehen wollen?

Beinahe wohltuend beginnt Seite 2 mit eher dezenten, sehnsüchtigen Klängen, die uns wieder zurück in die Weiten Norwegens bringen, in eine vermeintlich gesunde Natur. Sind dies Klischees, die Seglem ansprechen möchte oder eher das Verlangen nach den letzten Revieren einer Welt, in der Mensch noch durchatmen kann und sich wohl fühlt? Zumindest musikalisch klingt diese Plattenseite versöhnlicher und angenehmer. Besonders „Tid kvervlar“ ist eine wunderschöne Nummer mit sanfter Instrumentierung, bei der das Piano und die Geige schöne Momente zaubern. Das anschließende Titelstück „Nunatak“ ist hingegen ein energiegeladener, kraftvoller Akt, der mit seinen folkloristischen Elementen vieles von dem offenbart, das wir von Karl Seglem kennen und lieben.

Entstanden ist dieses Werk teilweise bei einer Konzertaufnahme in Oslo, Norwegen. Im Laufe von drei Jahren kamen weitere Stücke hinzu, es wurden zusätzliche Instrumente eingespielt und von Seglem fertiggestellt.

Mit einem einminütigem, gesprochenen Text („Stjernebalsam“) endet eine LP, die in der Diskografie von Karl Seglem sicherlich als ungewöhnlich bezeichnet werden darf. Andererseits, so ungewöhnlich ist sie dann doch nicht. Denn erwartet man nicht von exzellenten Künstlern wie diesen Norweger einen Beitrag, der sich aus dem ökologischen Problemen unserer Zeit generiert? Mich hat diese Platte jedenfalls beeindruckt!

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 26. Oktober 2018
Label: NORCD
Bestell-Nummer: NORCD1893LP
Pressung: Sony DADC
Inhalt: 180g Vinyl
Besonderheit:


Besetzung

Karl Seglem - tenor saxophone, goat horns, voice
Håkon Høgemo - Hardanger fiddle
Sigrid Moldestad - Hardanger fiddle, vocals
Lars Jakob Rudjord - Rhodes, Philichorda, organ
Andreas Ulvo - piano, keyboards
Sigurd Hole - Electric und acoustic bass
Kåre Opheim - drums, percussion

Live-Aufnahme 12. Februar 2016 im Riksscenen in Oslo, Norwegen
Weitere Aufnahmen 7Etage in Oslo, Norwegen


Trackliste

Seite 1

1. Rindabotn 10:54
2. Men Argue. Nature Acts 8:17

Seite 2

3. Nordre 4:54
4. Tid kvervlar 7:24
5. Nunatak 7:09
6. Stjernebalsam 1:07

 

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