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Wieder ein genialer Rausch der Sinne: "Dionysus" von Dead Can Dance | Foto © BB Promotion

Endlich, so wie viele Musikfreunde weltweit gehöre auch ich zu ihren Fans und freue mich um so mehr auf das neue Album „Dionysus“. Dead Can Dance sind ein einzigartiges Phänomen der Musikwelt, sie kombinieren auf ganz eigene Weise ambient-artige Sounds mit Weltmusik-Klängen. Die Review zur 180g Vinyl.

 

Dead Can Dance - Dionysus (LP, 180g Vinyl)

Seit der Ankündigung, dass am 2. November 2018 das neue Album „Dionysus“ kommen soll, war ich in größter Vorfreude. Denn alles andere als ein musikalisches Highlight des Jahres konnte es ja nicht werden. Alle Vorgängeralben waren Kritiker-Lieblinge und alle gehörten zu den Genre-bildenden Schallplatten - für ein Genre, das es eigentlich vor Dead Can Dance gar nicht gab. Auch „Dionysus“ setzt die Linie dieser DCD-eigenen Klangwelten fort.

 

Dionysus - ein Rausch der Sinne

Dead Can Dance Dionysus Vinyl PIASR440Weder das Klappcover noch die bedruckte Innenhülle verrät sonderlich viel darüber, wer neben den beiden Hauptprotagonisten Brendan Perry und Lisa Gerrard alles beteiligt ist. Hört man sich diese Schallplatte an, so hat man den Eindruck, dass eine ganze Menge Musiker und Chöre in den Ker Landelle Studios in der Bretagne an den Mikrofonen standen.

Zumindest hören wir wieder Dudelsäcke, Chorgesang im Stile der „The Mystery of the Bulgarian Voices“, orientalische Rhythmen und geheimnisvolle Klänge, bei denen man sich in einem tiefen Dschungel wähnt. Dabei fällt im Gesamtblick auf, dass „Dionysus“ keine festen geografischen und historischen Markierungen setzt, sondern nur Andeutungen auf die Herkunft bzw. Inspiration dieser Kompositionen bietet. Perry und Gerrard haben dies geschickt gemacht, vielleicht auch ein Beitrag für den One-World-Gedanken. Field Recordings ergänzen das Feeling, dass sich hier Natur und menschliche Kulturen zu einer mystischen Einheit verbinden - eine Schafherde aus der Schweiz und ein Bienenschwarm aus Neuseeland sorgen da z.B. für atmosphärische Besonderheiten.

Tanz und Ekstase, Wein und Lebensfreude - der griechische Gott Dionysus mag die Idee zu diesem Werk gegeben haben. DCD haben dies zu einem Trance- und Groove-Erlebnis weitergeführt, das schon fast visionären Charakter hat und seinesgleichen sucht. Schon die erste Nummer „Sea Borne“ ist eine Synthese aus ethnischem Rhythmus, Chorälen, Psychedelic und magischen Trance. Epische Sound-Konstruktionen treffen auf spirituelle Rhythmen, mittelalterlich anmutende Ansätze gehen in multikulturelle Einflüsse über. Naturgeräusche und elektronisch generierte Klänge gehen hier wie selbstverständlich ineinander über. So wie überhaupt die einzelnen Tracks übergangslos ineinanderfließen.

Interessant ist übrigens, dass in Act 1 (Plattenseite 1) weder Lisa Gerrard noch Brendan Perry gesanglich vordergründig in Erscheinung treten, was erst auf Seite 2 der Fall ist (wenn auch nicht so deutlich wie in früheren Alben). Den Gesangspart übernehmen hier weitgehend Choräle, möglicherweise sind dies die bulgarische Sängerinnen, mit denen Lisa Gerrard jüngst zusammen ein Album eingespielt hat („BooCheeMish“).

Wer sich in „The Forest“ mit seinen perkussiven, repetiven Beats und den zwischenzeitlich orientalischen Anklängen ertappt, wie der Kopf kreisende Bewegungen macht, der muss sich nicht dafür schämen. Dann ist man dem Zauber einer Musik erlegen, den Dead Can Dance wie keine andere Formation zu schaffen vermag. „Dionysus“ ist ein traumhaftes Beispiel dafür, wie sehr eine Schallplatte fesseln kann! Übrigens auch klanglich.

 

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 2. November 2018
Label: PIAS Recordings
Bestell-Nummer: PIASR440LP
Pressung: GZ Media
Inhalt: 180g Vinyl
Besonderheit: Klappcover, Innenhülle bedruckt

 

Trackliste

Seite 1 - ACT I

1. Sea Borne
2. Liberator of Minds
3. Dance of the Bacchantes

Seite 2 - ACT II

4. The Mountain
5. The Invocation
6. The Forest
7. Psychopomp

 

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