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Ein audiophiler Kracher und ein musikalisch feines Werk von Telarc

Für die einen sind die Klassik-Einspielungen von Telarc reine Show-Objekte, andere wiederum sehen sie als farbig-lebendige Alternativen zum angestaubten Repertoire vergangener Zeiten. Nun gibt es neue Ausgaben, die bei optimal media gepresst wurden. Zwei LPs davon stelle ich in dieser Rezension vor: VivaldisVier Jahreszeiten" und die legendäre „1812" von Tschaikowski.

 

Berühmte Klassiker von Telarc auf Vinyl - Vivaldi & Tchaikovsky


Antonio Vivaldi - The Four Seasons (LP, 180g Vinyl)

Vivaldi-Vier Jahreszeiten Vinyl

Mit den „Vier Jahreszeiten" nahm Telarc einen beliebten Klassiker ins Programm auf und bat dafür den berühmten Dirigenten Seiji Ozawa ans Regiepult. Einen Namen machte er sich als Schüler von Herbert von Karajan und seiner Assistenz von Leonard Bernstein. Er übernahm die Direktion verschiedener großer amerikanischer Orchester, darunter seit 1973 auch das Boston Symphony Orchestra, mit dem dann im Jahre 1982 diese Einspielung entstand. Als Solist engagierte man den Violinisten Joseph Silverstein, der beim BSO bereits eine Institution war. Silverstein spielte auf einer 1742 Guarnerius del Jesu, zweifellos eine feine Sache.

So wirkt auch die gesamte Einspielung. Die 14-köpfige Kammermusik-Abteilung des BSO zauberte eine elegante und kultivierte Aufführung des bekanntesten Vivaldi-Werkes (von 1725) in die Kapelle Wellesley College, einem schönen Kirchenraum mit viel Holz. Und genau dieses hört man auch bei der mit nur drei Mikrofonen eingefangenen Aufnahme! Der Raumeindruck ist beeindruckend, insbesondere für eine Digitalaufnahme (wir Analogfreunde sehen so etwas sehr skeptisch, nicht wahr?). Insgesamt klanglich sehr gelungen und presstechnisch erstklassig.

Auch wenn es andere Interpretationen gibt, welche die vier unterschiedlichen Jahreszeiten mit noch mehr Fantasie füllen und farbiger ausmalen, so scheint mir diese Telarc-Version dem barocken Charakter überaus gerecht zu werden. Die einzelnen Instrumente, insbesondere wäre neben Silversteins dominanten Präsenz auch das Cembalo und das Cello zu erwähnen, kommen sehr schön zur Geltung. In vitalen und üppig ausgestalteten Momenten (z.B. Frühjahr und Allegro im Winter) kommt eine exzellente Balance zwischen Solisten und Ensemblespiel zum Ausdruck.

 

Fakten

Veröffentlichung Reissue: 14. September 2018
Erstveröffentlichung: 1981 (Japan, 20PC-2002) / 1982 (USA, DG-10070)
Label: Telarc
Bestell-Nummer: TEL00004
Pressung: optimal media
Inhalt: 180g Vinyl
Besonderheit: Klappcover, DMM-Mastering

 

Trackliste

Seite 1

1. La Primavera (Spring) Op. 8, No. 1 / RV 269 Concerto No. 1 In E Major
- Allegro 3:20
- Largo 2:35
- Allegro 3:08

2. L'Estate (Summer) Op. 8, No. 2 / RV 315 Concerto No. 2 In G Minor
- Allegro Non Molto 5:15
- Adagio 2:25
- Presto 2:40

Seite 2

3. L'Autunno (Autumn) Op. 8, No. 3 / RV 293 Concerto No. 3 In F Major
- Allegro 4:41
- Adagio Molto 2:33
- Allegro 3:18

4. L'Inverno (Winter) Op. 8, No. 4 / RV 297 Concerto No. 4 In F Minor
- Allegro Non Molto 3:11
- Largo 2:23
- Allegro 2:50

 


Peter Iljitsch Tchaikovsky - 1812 Ouvertüre, Capriccio Italien, Kosakentanz (LP, 180g Vinyl)

Tschaikowsky-1812 Ouvertuere Vinyl

Eine berühmt-berüchtigte Schallplatte ist wieder erhältlich: Tschaikowskis „1812 Ouvertüre" mit dem Kanonen-Donner, der einst die Plattennadeln springen liess! Und um es gleich deutlich zu machen, die breite Rillenauslenkung dieser Wiederauflage fordert nicht nur die Tonabnehmernadel, sondern auch die Lautsprecher - also bitte die LP in einer Lautstärke abspielen, die zunächst nicht zu hoch gewählt werden sollte!

Ich gestehe, dass ich diese Telarc-Version von der „Ouverture solennelle 1812 op. 49" als Objekt für die Zurschaustellung von Effekten ansehe. Zu sehr stehen die Show-Elemente im Vordergrund. Und damit meine ich nicht nur die Kanonen und die Glocken, sondern die vielen orchestralen Momente, die für mich etwas zu plakativ wirken. Eine recht amerikanische Darstellung, was durch den Dirigenten Erich Kunzel und seinem Cincinnati Symphony Orchestra freilich adäquat interpretiert wurde.

Für die authentische Wiedergabe der insgesamt sechzehn Schüsse (das soll so laut Partitur sein) zeichnete man bei Telarc drei Kanonen des 19. Jahrhundert, welche vom Fünften Virginia-Regiment abgefeuert wurden. Gleiches gilt für die Glocken-Aufnahmen, die vom Emery Memorial Carillon aufgezeichnet wurden und eine majestätische Szenerie des Kirchenglocken-Geläutes ermöglichten.

Doch diese LP bietet natürlich noch zwei weitere Stücke. Das „Capriccio Italien" mit seinem volksmusikalischem Hintergrund beinhaltet das populäre Lied mit dem Titel „Bella ragazza dalle trecce bionde", welches vom Orchester mit schöner Hingabe interpretiert wurde. Den Abschluss bildet der Kosakentanz aus der Oper „Mazeppa".

Meiner Meinung nach interpretatorisch kein Muss, gehört haben sollte man die LP allerdings allemal, akustisch ist das schon sehr beeindruckend. Eine Plattensammlung wird damit sicherlich bereichert!

 

Fakten

Veröffentlichung Reissue: 14. September 2018
Erstveröffentlichung: 1979 (Japan, 20PC-2009) / 1979 (USA, DG-10071)
Label: Telarc
Bestell-Nummer: TEL00009
Pressung: optimal media
Inhalt: 180g Vinyl
Besonderheit: Klappcover, DMM-Mastering

 

Trackliste

Seite 1

1. "1812" Overture, Op 49 15:34

Seite 2

2. Capriccio Italien, Op. 45 15:20
3. Cossack Dance From Mazeppa 4:17

 

Weitere Telarc Neuheiten:

Igor Strawinsky - Feuervogel & Alexander Borodin - Ouvertüre, Polowetzer Tänze
Robert Shaw / Atlanta Symphony Orchestra and Chorus

Carl Orff - Carmina Burana
Robert Shaw / Atlanta Symphony Orchestra and Chorus

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