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Louise Lémon im Fotostudio

Ihre Stimme ist fantastisch, ihre Musik dunkel: Louise Lémon | Foto: Sophie-Winberg-Tyrfelt

Auf dem Sticker steht „180g of pure darkness" - damit ist nicht nur die Farbe des Vinyls, sondern auch die dunkel anmutende Musik gemeint. Ich hoffe, meine Begeisterung über die schwedische Sängerin Louise Lémon und ihre klasse Schallplatte „Purge" schwappt auch zu euch über und sorgt dafür, dass ihr eine der auf weltweit 500 Stück limitierten Boxen ergattern könnt.

 

Louise Lémon - Purge (LP, 180g Vinyl)

Nein, Lana del Rey & Co. müssen nun nicht bangen, dass sie von einer jungen Schwedin verdrängt werden. Dazu ist die Musik von Louise Lémon zu wenig Charts-kompatibel, zu düster, zu eindringlich. Denn die acht Songs lassen einen einfach nicht mehr los. Schon alleine deshalb, weil acht Stücke von „Purge" neben der grandiosen Stimme eine eigenartige Ambivalenz offenbaren: sie strahlen zugleich eine dunkle, abweisende und dann wieder warme, angenehme Atmosphäre aus.

 

Purge - eine wertvolle Box, in mehrfacher Hinsicht.

Louise Lemon-Purge VinylWenn solche Kompositionen in einer Radiosendung vorgestellt würden, dann allenfalls zu später Stunde, in einer Sondersendung, vielleicht über bemerkenswerte Neuheiten des Musikmarktes. Also fern der Top-Einschaltzeiten, wo man ja ein breites Publikum ansprechen möchte. Ein solches würde mit der Musik von „Purge" wohl eher weniger anfangen können. Kein fröhlich-bunter Yeah, Yeah - keine schnellen Dance-Beats und vor allem keine schnell konsumierbaren Ohrwürmer. Warum ich trotzdem von dieser Schallplatte begeistert bin? Erstens: mit dem Charts-Gedudel kann ich eh nix anfangen und zweitens mag ich Musik, die Tiefgang hat!

Eigentlich beginnt die Freude über dieser Werk bereits aufgrund von Äusserlichkeiten. Nämlich bei der in grauschwarz gehaltenen Hartkarton-Stülp-Box, die nach dem Öffnen das Konterfei von Louise Lémon auf dem Beiblatt offenbart. Auf diesem LP-großen Papier sind hinten die Songtexte abgedruckt. Die LP selbst (sauber gepresst bei optimal media) liegt weich gebettet auf einer Schaumstoffeinlage, die dafür sorgt, dass bei geschlossener Box nichts umherfliegt. Die Innenhülle ist leider von einfacher Machart, weshalb ich sie nach dem obligatorischen Plattenwaschen in ein neues, gefüttertes Sleeve gesteckt habe. Ein Download-Code liegt nicht bei, ich persönlich brauch so etwas ohnehin nicht. Trotzdem wundert dieses Fehlen angesichts der sonstig aufwändigen Ausstattung dieses LP-Sets.

Louise Lemon-Purge Vinyl Box

 

Nun aber zur Musik. Aufgenommen wurden die Stücke in einer Jäger-Hütte im tiefsten Wald der schwedischen Provinz Dalarna. Komponiert hingegen hat Lémon in ihrer Wahlheimat Barcelona, die fertigen Tapes wurden in den berühmten Avast Studios in Seattle gemixt.

Track-By-Track

In Zeitlupentempo wird die Trommel geschlagen, der Synthesizer-Sound schafft ein düsteres Szenario und aus der Tiefe des Raumes erklingt ein hell timbrierter Gesang - „Appalacherna" (im Video zu sehen). In diesem Song wird eine Atmosphäre geschaffen, die weitgehend auch in den anderen Stücken vorzufinden ist. Auch „Thirst" ist tempo-reduziert, allerdings mit opulenteren Passagen, die Stimme von Louise Lémon nimmt einen souligeren Charakter auf. Dieser wandelt sich in „Only Meet At Night" zu einer Vamp-artigen Prägung: dunkel dräuend! Die begleitende Orgel unterstreicht das bedrohliche Feeling und macht damit diese Nummer zu einem Nachtgespenst unter den Kompositionen dieser LP. Die sägenden Töne in „Egyptian Darkness" holen uns, wenn auch nur schleppend, aus diesem Szenario. Selbst der Gesang wird offener, möchte sich aus einer Umklammerung befreien.
Diesen Weg geht das Album, das man übrigens aufgrund der Spieldauer von knapp über einer halben Stunde eher als Mini-LP oder EP bezeichnen kann, auf Seite 2 weiter. Die Stimmung wird lauter, fordernder. „Let Me In" ist entsprechend schneller in seinem Tempo, alles ist üppiger gestaltet. Zeit, die Bremse anzuziehen, das anschließende „Shipwreck" ist wieder deutlich langsamer, auch wenn Louise aus ihrer ruhigen dunklen Stimme ausbricht und der Welt lauthals entgegen schreit. Weniger aggressiv wirkt da das dezente „Malex", bei dem sie ihre stimmlichen Fähigkeit sehr schön ausbreitet. Geheimnisvoll eröffnet sich das letzte Stück der Platte: in „178" sind die Tempi ebenfalls sehr langsam dahin fliessend, der Gesang entspannt und weit ausladend.

„Purge" ist ein völlig unangepasstes Werk, das dem Genre Indiepop eine sehr willkommene Abwechslung bietet. Irgendwie schwebt diese Musik zwischen Traum und Realität, in einer Welt abseits des Alltages, aus dem wir immer wieder zu fliehen versuchen. Dunkle Visionen weichen einer warmer und heimeliger Atmosphäre, die von einem grandiosen Gesang getragen wird. Louise Lémon dürfte mit dieser Platte eine weitreichende Aufmerksamkeit erzielen, die ich ihr sehr wünsche!

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 13. April 2018
Label: Icons Creating Evil Art
Bestell-Nummer: ICEA051
Pressung: optimal media
Inhalt: 1x 180g Vinyl, Hartkarton-Stülp-Box, Innenhülle mit Texten bedruckt
Besonderheit: Limitierte Auflage - 500 Stück weltweit

 

Besetzung

Anders Ludwigsson - keyboard
Johan Kvastegard - guitar
Randall Dunn - bass synth.
Don McGreevy - bass
Petter Nygardh - drums

 

Trackliste

Seite 1

1. Appalacherna
2. Thirst
3. Only Meet At Night
4. Egyptian Darkness

Seite 2

5. Let Me In
6. Shipwreck
7. Malex
8. 178

 

Das Video zu „Appalacherna"

 

 

 

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