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Gnosis - zwischen Tradition und Moderne | Foto: Shawn Peters

Gnosis" ist kubanisch und doch ganz anders. Der in Santiago de Cuba geborene Pianist und Komponist David Virelles hat mit diesem Album ein Werk des kulturellen Austausches geschaffen, das von schier unglaublicher Improvisationskunst geprägt ist. Lass dich auf eine Doppel-LP ein, die, getragenen vom faszinierenden ECM-Klang, extrem aufregende Blickwinkel auf die afrokubanische wie südamerikanische Musik ermöglicht. Die Vinyl-Rezension offenbart mehr.

 

David Virelles - Gnosis (2 LP, 180g Vinyl)

Gnosis" wurde bei seiner Premiere in Toronto's Music Gallery (November 2015) als „futuristische, Afrokubanische Kammermusik" bezeichnet. Das trifft die Sache ganz gut und doch kann sich jetzt vermutlich niemand etwas darunter vorstellen. Das, was der Kubaner David Virelles zusammen mit seinem umfangreichen Ensemble eingespielt hat, unterliegt weder bekannten Schemen noch offensichtlichen Stilelementen. Wer offen für neue Klänge ist, wird hier drei äusserst spannende, wenn auch ungewöhnliche Plattenseiten erleben (Seite 4 ist unbespielt).

 

Gnosis - zwischen Tradition und Moderne

David Virelles-Gnosis ECM 2526 VinylDavid Virelles hatte bereits mit sieben Jahren seine klassische Klavierausbildung und bald darauf den ersten Kontakt zum Jazz. Er studierte in Kanada und bekam dort als Erster den Oscar Peterson Prize, persönlich von Oscar Peterson überreicht. 2006 spielte er auf dem Montréal Jazz Festival und gewann den Grand Prix de Jazz. Sein 2012er Album „Continuum" wurde mehrfach als „Album des Jahres" ausgezeichnet, ebenso „Mbòkó" von 2014, erschienen bei ECM Records. Soviel erst mal zu seinen frühen Schritte auf der Karriere-Leiter.

Mit „Gnosis" geht Virelles weiter in eine Richtung, die mehr in die Zukunft als in die Vergangenheit blickt. Denkt man an Kuba, so hat man traditionelle Klänge und Rhythmen im Ohr. Doch mit Buena Vista Social Club hat „Gnosis" gar nichts gemein, wenngleich auch das nicht ganz stimmt. Schon alleine aus der Instrumentierung sind die Wurzeln durchaus erkennbar. Auch der Son und Changüí sind Teil der Kompositionen, die Virelles in seine von Improvisationen geprägte Musik integriert.

Die umfangreiche Percussion-Section mutet wie ein großes Orchester, das so als Beiwerk auch mal eine Flöte, eine Bassklarinette oder eine Viola offeriert, an. Das Piano von David Virelles ist immer wieder zentraler Mittelpunkt. Auch vokale Parts sind enthalten, der vorwiegende Teil jedoch ist instrumental. Die oft recht kurzen Stücke wirken wie eingeworfene Miniaturen komplexerer Kompositionen, mal beschaulich und melodiös, dann wieder wirr und abstrakt. Durch die Schlaginstrumente wirken manche Tracks richtig geheimnisvoll, das Video unten bietet hier einen guten Einblick.

Gnosis" ist kein einfach zu konsumierendes Werk. Es ist das Album eines Künstlers, der abseits aller beschrittenen Pfade seine eigene Interpretation multikultureller Einflüsse aufzeigt. Sein musikalisches Vokabular ist ganz erstaunlich breit angelegt. Entsprechend zeigt sich dieses Album sehr komplex und vielfältig, zwischen avantgardistisch geprägtem Jazz, dem kulturellen Erbe Kubas und spirituellen Einflüssen, ja sogar klassischen Themen. Wer sich darauf einlässt, wird reich belohnt - mit ganz ungewöhnlich reichhaltiger Musik.

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 6. Oktober 2017
Label: ECM Records
Bestell-Nummer: ECM 2526
Pressung: optimal media
Inhalt: 2x 180g Vinyl
Besonderheit: Klappcover, Download-Code, Seite 4 unbespielt

 

Besetzung

David Virelles - piano, marimbula, vocals
Román Díaz - lead vocals and percussion (bonkó enchemiyá, ekón, nkomos, erikundi, itones, nkaniká, marímbula, claves, mayohuacán, pilón, carapacho de jicotea, coconut shells)
Allison Loggins-Hull - piccolo, flute
Rane Moore - clarinet, bass clarinet
Adam Cruz - percussion (steel pan, claves)
Alex Lipowski - percussion (orchestral bass drum, temple blocks, bongos, gong)
Matthew Gold - percussion (marimba, glockenspiel)
Mauricio Herrera - percussion (ekón, nkomos, erikundi, claves)
Thomas Morgan - double bass
Yunior Lopez - viola
Christine Chen - violoncello
Samuel DeCaprio - violoncello
Melvis Santa, Mauricio Herrera - vocals

Aufnahmen Mai 2016 in den Avatar Studios in New York, USA

 

Trackliste

Seite 1

1. Del Tabaco y el Azúcar 4:01
2. Fitití Ñongo 2:24
3. Lengua I 3:27
4. Erume Kondó 2:03
5. Benkomo 5:25

Seite 2

6. Tierra 6:16
7. De Ida y Vuelta I 3:42
8. Lengua II 1:35
9. De Ida y Vuelta II 2:32
10. Nuná 2:40
11. Epílogo 1:55

Seite 3

12. Dos 4:04
13. Caracola 1:28
14. Visiones Sonoras 1:19
15. De Portal 2:35
16. De Tres 0:41
17. De Cuando Era Chiquita... 2:50
18. De Coral 3:16

Seite 4

Leer / unbespielt

 

Das Video zu "Gnosis"

 

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