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Der Schwede zaubert erstaunliche Klänge aus seinem Bass | Foto: Martin Müll

Achtung: große Dynamik-Sprünge! Bei dieser LP sollte man den Warnhinweis durchaus beachten, empfindliche Hifi-System, insbesondere Lautsprecher könnten hier schon mal Probleme bekommen. Die Vinyl-Ausgabe von „Provenance", der neuen LP des schwedischen Bassisten Björn Meyer, hat jedenfalls eine Menge Potential. Mehr dazu in dieser Review.

 

Björn Meyer - Provenance (LP, 180g Vinyl)

Ich habe es bereits an anderer Stelle hier im Blog erwähnt, dass Solo-Platten nicht so mein Ding sind. Zu schnell kommt da Langeweile auf bzw. es ist einfach nicht genug Abwechslung in einer solchen Einspielung enthalten, um meine Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Bei „Provenance" ist das etwas anders. Hier verstehe ich nach wenigen Tracks, dass der Künstler während der Solodarbietung den Raum als Mitspieler sieht. Er meint zwar dabei den Aufnahmeraum, ich jedoch auch meinen Hörraum!

 

Eine LP fordert den Hörraum heraus

Bjoern Meyer-Provenance ECM 2566 VinylVon ECM-Platten kennt man das ja schon, sie sind eigentlich immer auf höchstem Niveau, das Hören macht einfach Spaß. Im Falle von „Provenance" kommt man da allerdings schon mal an die Grenzen der Abtastfähigkeit des Tonabnehmers oder aber wie bei mir geschehen, auf unerwartete Raumresonanzen. Der E-Bass von Björn Meyer regte beim Titeltrack „Provenance" so sehr den Heizkörper hinter dem Laufwerk an, dass dessen Abdeckung laut zu vibrieren begann. Erst nachdem ich ihn beruhigt habe, konnte ich die LP wieder normal genießen.

Und schwups, schon sind wir beim musikalischen Inhalt dieser Scheibe und doch auch wieder an den akustischen Belangen angelangt. Denn wie oben bemerkt hat Meyer festgestellt, dass sich ein weiterer Mitspieler bei den Aufnahmen dazugesellt hat: der Raum! Die Akustik im Konzertsaal des Schweizer Auditorio Stello Molo sorgt dafür, dass sich die Klänge des Basses durch den Nachhall im Raum ausbreiten und so für eine ganz reizvolle Atmosphäre sorgen. Die Aufnahme durch Stefano Amerio hat dies wunderbar eingefangen. Man kann herrlich in dieser Klangfülle schwelgen und dabei den künstlerisch spannenden Wegen des Schweden folgen.

Die meisten der zwölf Stücke wirken auf mich sehr meditativ, auch wenn die dynamischen Ausbrüche immer wieder kleine Unterbrechungen darstellen. Das ist dann letztendlich auch der Reiz dieser LP. Meyer führt zunächst in eine besinnliche Richtung, nur um dann mit harten Riffs laute Ausrufezeichen zu geben - ein mitunter drastisches Kontrastprogramm. Zwischen subtiler Spielweise und funky-rockigen Parts wie etwa in „Squizzle" zeigt er eine erstaunliche Bandbreite an Klangfarben, Rhythmen und Ausdrucksweisen. Was wenig verwundert, denn Björn Meyer spielte auch schon in Punk- und Grungebands, zuletzt allerdings war er eher in der Weltmusik zuhause (Asita Hamidi's Bazaar, Bazar Blå, Nik Bärtschs Ronin, Anouar Brahem). „Provenance" hat irgendwie von allem etwas...

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 15. September 2017
Label: ECM Records
Bestell-Nummer: ECM 2566
Pressung: optimal media
Inhalt: 180g Vinyl
Besonderheit: Beiblatt, Download-Code

 

Besetzung

Björn Meyer - 6-string electric bass, acoustic bass guitar

Aufnahmen August 2016, Auditorio Stelio Solo RSI, Lugano, Schweiz

 

Trackliste

Seite 1

1. Aldebaran 4:29
2. Provenance 6:11
3. Three Thirteen 3:12
4. Squizzle 2:23
5. Trails Crossing 6:43
6. Traces Of A Song 3:50

Seite 2

7. Pendulum 5:50
8. Banyan Waltz 5:37
9. Pulse 4:27
10. Dance 4:51
11. Garden Of Silence 5:46
12. Merry-Go-Round 3:44

 

Das Video zu „Provenance“

 

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