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Die Heavy-Metal-Band für Intellektuelle: Blue Öyster Cult mit ihrer zweiten LP

Hochwertige Wiederauflagen im Bereich des Hard Rock gibt es leider nicht so viele, was vielleicht auch dem Umstand geschuldet ist, dass Plattensammler lieber nach den Originalen suchen. Im Falle der zweiten Studio-LP von Blue Öyster Cult - „Tyranny And Mutation" - dürften allerdings auch diese Gattung der Vinyl-Junkies nach dem Reissue von Speakers Corner greifen, welches seit September 2016 in den Plattenläden zu haben ist. Welche Gründe es vom jungfräulichen und kratzer-freien 180g-Vinyl abgesehen noch gibt, lest ihr in dieser Rezension.

 

Blue Öyster Cult - Tyranny And Mutation (LP, 180g Vinyl)

blue-oyster-cult-tyranny-and-mutation-180g LPWie einst bei der Erstausgabe prangt auf Seite 1 die schwarze Schrift auf dem roten Hintergrund des Plattenlabels und umgekehrt auf Seite 2 die rote Schrift auf schwarzem Label. Diese nette Kleinigkeit ist neben dem Barcode-freien Reprint des Plattencovers ein Indiz dafür, dass man bei Speakers Corner, den norddeutschen Schallplatten-Spezialisten, ein feines Gespür für die Erwartungen heutiger Vinyl-Fans hat. Zumal, wenn die Rede von „High Quality Pressung" und „Audiophile Mastering" (Sticker auf der Platte) ist, steigen die Ansprüche. Und die Frage, ob sich die Neuausgabe lohnt oder man doch eine deutlich günstigere Second Hand LP holt, steht da schnell im Raum.

Ich hab natürlich gleich mal meine Holland-Pressung zum Vergleich aufgelegt und darf sagen, die macht meinen Stich gegen diese 2016er Ausgabe. Mag sein, dass die US-Erstpressung von 1973 mithalten kann, billiger ist sie allerdings eher nicht. Und dann dürfte sie auch nicht unbedingt makelfrei sein. Auch damit kann das Reissue punkten, denn die Pallas-Pressung ist nicht nur optisch einwandfrei, sondern auch ohne Nebengeräusche zu hören. Und das Wichtigste: das Re-Mastering wurde von den Analogbändern vorgenommen und das hört man, wenn auch aus musikalischer Sicht sicherlich nicht in jedem Song.

 

Die Heavy-Metal-Band für Intellektuelle

Für den Rocker ist so eine Überschrift sicherlich wie gegen den Strich bürsten - wenn die Gitarren, Bass und Schlagzeug loslegen, ist der Bauch gefragt und nicht der Kopf (ausser vielleicht zum Headbangen). Dennoch, Blue Öyster Cult galten nicht nur als Erfinder des Heavy-Metal-Umlaut (wie später dann auch Motörhead, Hüsker Dü oder Mötley Crüe), sondern auch als Rockband mit anspruchsvollen Texten. Dass dies in den frühen 70ern keine Massen motivierte, hielt BÖC nicht davon ab, etwa eine Patti Smith („Baby Ice Dog") oder Schriftsteller wie Sandy Pearlman und Richard Meltzer für die Lyrics der Songs zu gewinnen. Und dann ist da noch der knackige und psycho-getränkte Sound dieser LP, die für nicht wenige Experten weltweit als ihr bestes Album gilt.

Ob mit Highspeed wie im Opener „The Red & The Black" oder einem eher bluesigen „O.D.'d On Life Itself", die acht Tracks der Platte lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Rock schmutzig ist. Dass sie wie in „7 Screaming Diz-Busters" psychedelisch-spacy können, ist zweifellos dieser Ära geschuldet und dem Umstand, dass BÖC in ihren Anfangsjahren noch den Idolen Velvet Underground oder Doors nachhingen. Mit diesem kruden Rock-Style passten sie wenig in die Zeit, in der Platten wie „Pronounced Leh-Nerd Skin-Nerd" von Lynyrd Skynyrd, „Goodbye Yellow Brick Road" (Elton John) oder die Rockoper „Quadrophenia" der The Who angesagt waren. Ebenfalls 1973 erschien „The Dark Side Of The Moon" von Pink Floyd und Led Zeppelins berühmtes „Houses Of The Holy", damit waren die Budgets der Plattenkäufer recht schnell aufgebraucht. Somit hatte „Tyranny And Mutation" wenig Chancen, sich in den Charts zu platzieren.

Aus heutiger Sicht betrachten wir diese Platte als das, was sie ist: eine spannend gestaltete Rockscheibe, die weit jenseits des banalen Mainstream angesiedelt ist. Wer einen Anspieltipp für die klangliche Fähigkeiten dieser Wiederauflage möchte, der lege einfach Seite 2 auf: „Baby Ice Dog" kommt knackig mit einem trockenen Schlagzeug und Gitarren, wie man sie als Rockfan hören möchte.

 

Fakten

Veröffentlichung Reissue: September 2016 (Erstveröffentlichung: Februar 1973)
Label: Columbia / Speakers Corner
Bestell-Nummer: KC 32017
Pressung: Pallas
Inhalt: 180g Vinyl
Besonderheit: Beiblatt

 

Besetzung

Eric Bloom - guitar, synthesizers, vocals
Donald "Buck Dharma" Roeser - guitar, vocals
Allen Lanier - keyboards, rhythm guitar
Joe Bouchard - bass guitar, keyboards, vocals
Albert Bouchard - drums, vocals

Aufnahme: 1972 in den Columbia Studios, New York City, von Tim Geelan
Produktion: Murray Krugman & Sandy Pearlman

 

Trackliste

Seite 1 / The Black

1. The Red & The Black 4:20
2. O.D.'d On Life Itself 4:50
3. Hot Rails To Hell 5:12
4. 7 Screaming Diz-Busters 7:00

Seite 2 / The Red

5. Baby Ice Dog 3:28
6. Wings Wetted Down 4:12
7. Teen Archer 3:57
8. Mistress Of The Salmon Salt (Quicklime Girl) 5:07