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33 Veränderungen Über Einen Walzer Von A. Diabelli | Eine 180g LP von MPS in der Rezension

Wiederveröffentlichungen wie diese sind nicht nur für den Plattensammler und Klangfetischist ein besonderes Objekt der Begierde, sondern auch für Genießer großer Kunst. Der österreichische Pianist und Komponist Friedrich Gulda zählte zu den Experten werkgetreuer Beethoven-Interpretationen. Anhand dieser Neupressung einer MPS Einspielung aus dem Jahre 1970 - natürlich wieder mit reiner Analog-Technik überspielt - kann man das Genie dieses Musikers wunderbar erkennen. Die Rezension unternimmt den Versuch, die Klasse dieser Schallplatte zu vermitteln.

 

Friedrich Gulda / Ludwig van Beethoven - Diabelli-Variationen (LP, 180g Vinyl)


33 Veränderungen Über Einen Walzer Von A. Diabelli Op. 120 ("Diabelli-Variationen")

 

Gulda Beethoven-Diabelli-Variationen VinylNun, wie soll ich anfangen? Ich bin kein Experte für klassische Klaviermusik und sicher auch nicht von Ludwig van Beethoven. Und dennoch bzw. gerade deshalb möchte ich Euch diese LP nahebringen. Sie beeindruckte mich nicht nur wegen ihres herrlich natürlichen Klangbildes, sondern insbesondere durch die wandlungsfähige Darbietung des Musikers Friedrich Gulda.

Für die jüngeren Vinyl-Fans, die sich dieser Platte mit Interesse nähern, mag Gulda wie ein Punk wirken, wie ein wilder Rock'n'Roller. Wie er bei dieser Einspielung auf die Tasten hämmert, nur um im nächsten Stück einen sanften, milden Ton anzuschlagen, das fällt selbst dem hartnäckigsten Kulturverweigerer auf. Beschäftigt man sich näher mit diesem letzten großen Klavierwerk Beethovens und der hier präsentierten Darbietung, so versteht man, dass der Wiener Musikverleger und Komponist Anton Diabelli anno 1823 über diese „33 Veränderungen Über Einen Walzer" so begeistert war. Man bekommt eine Ahnung davon, was bei der Komposition entstand und für damalige Verhältnisse fast revolutionär war. Die Verbindung barocker Spieltechnik und der Leichtigkeit der klassischen Romantik, ein Nebeneinander zwischen Dynamik und Lyrik, die Verwandlung unterschiedlicher Themen - die Diabelli-Variationen bieten dem Hörer ein reichhaltiges Menü.

Beethoven verarbeitete hier, wie es der Titel bereits aussagt, den Walzer in sage und schreibe 33 Variationen, die uns tatsächlich verblüffen. Das geht in schnellen bis rasanten Tempi bis hin zu ruhigen und schweren Varianten. Die Tonlagen ändern sich, die Melodien werden mal von der rechten, mal von der linken Hand übernommen. Gulda arbeitet diese Unterschiede auf beeindruckende Weise heraus. Wobei ich eigentlich von seiner Art, gefühlvoll die Töne ausklingen zu lassen, fasziniert bin.

33 Miniaturen (der Schallplatten-Freund lächelt hier natürlich auch durch die Verbindung zur heutigen LP-Geschwindigkeit) sorgen dafür, dass ein Werk für Solo-Klavier Spannung bis zum Schluss bietet. Musikalisch sind die Diabelli-Variationen ein wahrer Kunstgenuss. Dass es auch klanglich auf höchstem Niveau spielt, daran hat sicher bereits die Klasse der Aufnahme einen hohen Anteil. MPS-Gründer Hans Georg Brunner-Schwer hängte die Mikrophone direkt über die Saiten des Klaviers und lässt uns somit die Dynamik, ja jede feinste Nuancen erleben, die einst Friedrich Gulda mit seinem Spiel aus den Tasten herzauberte.

Ein feines Reissue von MPS

Gulda AAA-LPFür das Reissue wurde das 46 Jahre alte Masterband von dem Mastering-Spezialisten Christoph Stickel behutsam restauriert und auf komplett analogem Wege für den Folienschnitt aufbereitet. Wenn man den Gedanken einer audiophilen Schallplatte aufgreift, so erfüllt diese LP den Zweck voll und ganz. Auch optisch gab man sich große Mühe, das Original von 1970 zu reproduzieren und zwar mit der Innenhülle. Thematisch ist das sicher prima, praktisch allerdings weniger. Denn diese Karton-artige Innenhülle hält die LP recht fest, man muss sich schon Mühe geben, die Platte herauszuziehen. Eine weiche, gefütterte Innenhülle hielte ich da weit für besser und der hohen Qualität der Pressung angemessen. Genau, die Oberfläche meines Exemplars ist makellos und klingt entsprechend laufruhig, eine leichte Welle tut dem Gesamtergebnis keinen echten Abbruch. Die so bedruckte Innenhülle steckt in einem neu gestaltetem Klappcover, welches neben Linernotes (in Englisch und Deutsch) auch einen Abdruck der originalen Tonband-Hülle zeigt.

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 1970, Reissue 2016
Label: MPS
Bestell-Nummer: 0300722MSW (Original: MPS 13.000 ST)
Pressung: optimal media
Inhalt: 180g Vinyl Limited Edition, Klappcover, Innenhülle bedruckt

Gulda Limited-Edition

 

Besetzung

Friedrich Gulda - Piano

Aufnahmen Februar 1970 im MPS-Tonstudio in Villingen.

 

Trackliste

Seite 1

1. Thema Und Variationen 1 - 18 21:30

Seite 2

2. Thema Und Variationen 19 - 33 22:45

 

Linda bewacht die LP

 

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