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Eine Schallplatte im Oldschool Style: "Stockroom Recordings No. 2" von Christoph Bouet

Ganz oldschool! Es ist die zweite LP des Künstlers Christoph Bouet und erneut hat er tief in die Kiste gegriffen, die ein J.J. Cale bereits vor über 40 Jahren aufgestellt hatte. Nein, „Stockroom Recordings No. 2" ist kein Plagiat, sondern die Fähigkeit eines Musikers, mit der Gitarre die Seele zu streicheln. Ihr hört es schon heraus: ich liebe diese Musik und in meiner Rezension bei Vinyl-Fan.de möchte ich erklären, warum dies so ist!

 

Christoph Bouet - Stockroom Recordings No. 2 (LP, 180g Vinyl)

Christoph Bouet-Stockroom Recordings No 2 VinylSehr lässig: ein alter 78er Chevrolet Impala ziert das Klappcover, das in Schwarz-Weiß gehalten, gleich mal für die passende Atmosphäre sorgt. Legt man die Platte auf und hört den ersten Track „Things Go Wrong", denkt man unweigerlich an US-Roadmovies, hier in tiefer Nacht irgendwo auf den ewig langen Highways. Aus dem Radio des Chevy tönt ein cooler Song mit einer sehnsüchtigen Gitarre und eine dunkle Stimme zum Stein-Erweichen. Yes, das ist ein Feeling, das J.J. Cale einst mit seinem Tulsa-Sound perfekt beherrschte. Es gibt aber noch jemand, dem das großartig gelingt: Christoph Bouet!

Wie aber schafft es ein Musiker, alle Instrumente selbst zu spielen (wir hören da u.a. eine Fender Telecaster und Gibson Les Paul) und dabei diese Innigkeit zu schaffen? In der Musik versunken zu sein, die Akkorde dahinfliessen zu lassen. Dies sehe ich als die große Kunst dieser LP, den Ausdruck eines Gefühles, wenn die Finger auf den Saiten ihren eigenen Weg gehen und für magische Momente sorgen. Nicht umsonst hat Christoph bis auf einen Song alle mit dem 1. Take genommen! Und was man hier noch bemerkt, wenn man genau zuhört: die Stücke entwickeln sich, vom ersten zum letzten Song entstehen subtile Veränderungen. Vergleicht man „Things Go Wrong" mit „Drive My Car", so wird es deutlich: spielte er hier die Gitarre lässig und mit ausgedehnten Tönen, wurden dort die Riffs schneller und beinahe rockig.

Für mich der Höhepunkt: „Lucille" scheint, als wären die Geister aller verstorbenen Gitarrenmeister im Studio Pate gestanden und hätten heimlich die Finger von Christoph Bouet geführt. Sehr spannend finde ich auch die langsame, bluesige Nummer „Slow Train" mit der Fender, das hat er glänzend hingebracht und hat mich an Albert Collins erinnert.

Die Schallplatte, die klanglich und presstechnisch auf sehr hohen Niveau spielt, besitzt leider einen sehr großen Makel: mit rund 22 Minuten ist sie viiiel zu kurz! Von dieser Art Musik könnte man definitiv eine Menge mehr vertragen. Übrigens: die Aufnahmen mit 192 kHz (!) gerieten richtig fett, mit viel Pegel. Sie mussten wieder heruntergeschraubt werden, unter anderem kamen hier auch zwei Studer A807 zum Einsatz. Der Lohn dieser Mühen war ein immer noch sehr direkter Sound mit viel Punch, Bass-Fans dürfen sich freuen!

Wenn man die zeitgenössische Gitarrenszene betrachtet, gibt es zweifellos große Könner und Genies, die ihren Instrumenten irrwitzige Licks entlocken können. Aber auf dem Niveau, wie Christoph Bouet sich auf dieser LP präsentiert, wird die Luft dünn.

 

Noch eine Info am Rande: dies war Nr. 2 von Bouet. Geplant sind insgesamt fünf Scheiben, die dann Platz in einer sogenannten „STOCKBOX" (erscheint 2017) landen dürfen. Voraussichtlich mit Buch in Stülpdeckel-Box oder Schuber, beides aber wertvoll für den Sammler.

 

Für die Technik-Fans

Bouet im Bieger StudioDie 192KHz/24Bit Digitalaufnahmen wurden beim Mix durch zwei Studer A807 "heiß" gemacht. Das erste Tape wurde mit richtig viel Pegel angesteuert und gab dem Mix viel Punch, natürliche Kompression und Griffigkeit. Nach der ersten Bandmaschine kam eine Zweite, auf der dann der Mix, pegelreduziert, aufgezeichnet wurde.
Es war wie Tag und Nacht. Die Idee hatte Christoph Bouet. Techniker Hannes Bieger war ebenfalls davon angetan und war zu jeder "Schandtat" bereit. Auch das bezieht sich auf eine Arbeitsweise wie vor 50 Jahren, als es nur 4-Spur-Geräte gab und Hendrix- und Beatles-Aufnahmen immer wieder auf neue Tapes kopiert werden mussten, um Platz für mehr Gitarren und Effekte zu schaffen. Immer neues Tape, rauschen, eiern und Kompression. Das machts eben auch. Bestes Beispiel „All Along The Watchtower" von Hendrix. Das klebt zusammen wie UHU.

Beim Mastern wurde eine echte Hallkammer (speziell präparierter Kellerraum im Studiokomplex von EBS, mit Lautsprechern und Mikrofonen) dazu gemischt. Hall wurde früher immer mit echten Räumen erzeugt. Die Musik oder nur die Vocals wurden in extra Räumen per Lautsprecher extrem laut abgespielt und gleichzeitig aufgenommen und dieses Signal zum "trockenen" Song gemischt. Bestes Beispiel "From Elvis In Memphis". Legendäre Kammern waren in Capitol Studios oder Abbey Road. Diesen Aufwand findet man nur noch selten. Emil Berliner Studios hat zwei davon und die klingen großartig.

 

Fakten

Erstveröffentlichung: 2016
Label: 1301 Media
Bestell-Nummer: 1301-02
Inhalt: 180g Vinyl, signierte Klappcover, Poster 60x90, zwei Einleger mit Songtexten 30x30 (je nach Edition)
Auflage: 500 Stück signiert & nummeriert, davon:
White Edition: 333 Stk.
Black Edition: 77 Stk. (inkl. Lithographie/Zinkografie)
Gold Edition: 33 Stk. (inkl. Lithographie/Zinkografie + Originalzeichnung)

White Edition: 29,90 EUR
Black Edition: 49,90 EUR
Gold Edition: 199,00 EUR

 

Besetzung

Christoph Bouet - guitar, bass, drums, synthesizer

Aufnahmen Juni, August & September 2015 im Stockroom Home Studio, Studio Jerichow.

 

Trackliste

Seite 1

1. Things Go Wrong 2:47
2. Black Birds 5:13
3. Lucille 4:57

Seite 2

4. House Of The Devil 4:50
5. Slow Train 3:18
6. Drive My Car 2:45

 

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