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Wer sich den Schallplatten von Grateful Dead nähern möchte und sich deshalb zunächst ihre erste Debüt-LP aus dem Jahre 1967 ins Auge gefasst hat, darf mit dieser prima Rezension gleich mal näheres erfahren und staunen, was es da zu berichten gibt. Feve's Vinyl Tipp: "Grateful Dead / Debut" bei Vinyl-Fans.de.

 

Grateful Dead - Grateful Dead / Debut (LP, 180g Vinyl)

Grateful Dead Debut VinylSchon mal was von sogenannten Kool-Aid Acid Tests gehört? Sollten Sie sich für das San Francisco der 60er interessieren, kommen Sie daran nicht vorbei. Im Grunde waren das nächtelange Veranstaltungen, auf denen sich Horden junger Hippies trafen um zu nebensächlicher Live-Musik selbstfabriziertes und kostenloses LSD einzuwerfen. Anschließend bewunderte man in dieser Atmosphäre sauren Regens karierte Leguane auf Oktogons. Das Fillmore in Frisco war in der Szene berühmt für derlei Geschichten. Es gab aber noch einen weiteren Grund, der diese gemütliche Konzerthalle zu einem musikalisch-geschichtsträchtigen Ort machte und das war die hauseigene Band. Bei dem vergammelten Haufen von Musikern, der dort Woche für Woche in scheinbarer Endlosigkeit Instrumente aufbaute und stimmte, was, nebenbei bemerkt, später zu einem Markenzeichen der Gruppe wurde, handelte es sich um niemand geringeren als die Grateful Dead.

Bevor die Gruppe um Kultfigur Jerry Garcia einen Plattenvertrag bei Warner Bros. Records unterzeichnete und 1967 ihre erste gleichnamige Schallplatte veröffentlichte, machten sich die Lokalmatadoren einen Namen durch unzählige Auftritte in Bars und Spelunken von San Francisco bis L.A. Dabei glichen diese Auftritte eher öffentlichen Jamsessions, die teilweise aus 20-minütigen Improvisationen bestanden, als durchdachten Konzerten. Im Grunde gab es schlicht keinen fertigen Dead-Song. Die Stücke unterlagen einem stetigen Wandel, auch bedingt durch eine einmalige drogenbedingte und pseudotelepatische Verbindung zwischen Band und Publikum, die zur Folge hatte, dass es schon mal zwei bis drei Jahre Live-Reifung brauchte, bis ein Song eine Persönlichkeit bekam.

Als es nun an die Produktion gehen sollte und Labels gern in Schubladen denken, musste erstmal ein Genre her. Da die Dead wohl am ehesten noch mit den Electric Prunes zu vergleichen waren, viel die Wahl seitens Warner Bros. auf psychedelischen Rock. Der elementare und druckvolle Rhythm & Blues, den die Band aber eigentlich spielte, war alles andere als psychedelisch. Allein die Tatsache, dass die Jungs ständig unter Einfluss psychedelischer Drogen auf der Bühne standen, schien das Genre zu rechtfertigen.

Die Songs auf der ersten Platte stammen mit einigen wenigen Ausnahmen aus dem althergebrachten Live-Repertoire, so zum Beispiel der "Viola Lee Blues", "Beat It On Down The Line" oder "Cold Rain And Snow". Die rasende Blue-Ridge-Mountain-White-Blues Version des zuletzt Genannten hat aber kaum noch Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Folk-Variante anderer Künstler und der 10-minütige Viola Lee Blues kommt wohl am ehesten der Grateful Dead Live Experience nahe. Weiter geht's mit einer definitiv obszönen Gesangsinterpretation von "Good Morning Little School Girl" in der Version von Sonny Boy Williamson, zum Besten gegeben von Orgelspieler Ron „Pigpen" McKernan. Neben "Cream Puff War" ist Jerry Garcias "The Golden Road (To Unlimited Devotion)" das einzige Original auf der Platte und zeigt Garcia als vielversprechenden und an dieser Stelle doch durchaus psychedelischen Texter, was er in den folgenden Alben aber leider nicht weiterverfolgt. "The Golden Road" eröffnet das Album mit einem erweckenden Tschaka-Groove, kombiniert mit Garcias einmaliger Bluesgitarre. Ganz zu schweigen vom Ohrwurm-garantierenden Hey-Hey-Einstieg in den Refrain.

Den Sound des ersten Grateful Dead Albums zu kategorisieren, ist alles andere als eine einfache Aufgabe. Trotzdem lässt sich nicht verleugnen, dass es sich hier um ein unglaublich innovatives Stück neuerer Musikgeschichte handelt! Seien es Garcias eigene Songs oder die bis zur Unkenntlichkeit neuinterpretierten alten amerikanischen Gassenhauer. Als Symbol der Hippiehochburg Haight-Ashbury in San Francisco folgen die Dead keinem Genre, sie sind eines!

 

Trackliste

Seite 1

1. The Golden Road (To Unlimited Devotion) 2:07
2. Beat It On Down The Line 2:27
3. Good Mornin' Little School Girl 5:56
4. Cold Rain And Snow 2:25
5. Sittin' On Top Of The World 2:01
6. Cream Puff War 2:25

Seite 2

7. Morning Dew 5:00
8. New, New Minglewood Blues 2:31
9. Viola Lee Blues 10:01

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