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Ein Legende tourt durch Deutschland und macht Halt in der Universitätsstadt Tübingen: Bob Dylan! Das Konzert am 21. Juni 2015 besuchte unser Vinyl-Fan Felix, lest seinen Konzertbericht über dieses Event.

 

Live in Tübingen: Bob Dylan | Ein Konzert-bericht

Maximal in einem von fünf Konzerten zeigt dieser schmächtige, bleiche, mittlerweile 74-jährige Junge mit dem zerzausten Lockenkopf, der leicht verstimmten Gitarre und der obligatorischen Mundharmonika um den Hals, was er musikalisch wirklich zu bieten hat. Solche Phrasen waren jedenfalls im Vorfeld zu Robert Zimmermans Konzert in Tübingen allgegenwärtig. Es ist schwer zu beschreiben, welche Erwartungen ich angesichts eines baldigen Live Auftritts einer lebenden Legende hegte. Die Reaktionen des Publikums nach und teilweise noch während des Konzerts ließen aber erahnen, was sich die Mehrheit der Altfolkies erhoffte. Trotzdem hieß es am 21. Juni pünktlich um 21 Uhr für mich zum ersten Mal: „Ladies and Gentlemen, Mr. Bob Dylan!"

„Things Have Changed", ein Song der neuen, von Sinatras Swingstil inspirierten Platte eröffnete den Abend für die knapp 8000 Gäste im Tübinger Sparkassen Carré. Die Menschen hätten sich verändert, seien wie die heutige Zeit seltsam und verrückt geworden, heißt es darin. Ist das aber wirklich so? Es war ein Konzert, das durchweg von musikalischer Hochwertigkeit nur so triefte. Nicht nur ein Dylan, der tänzelnd mehr Zeit am Klavier als an der Gitarre verbrachte, sondern auch meisterhaft neu interpretierte Klassiker wie "Desolation Row", "Ballad Of A Thin Man" oder "All Along the Watchtower" ließen das Herz höher schlagen. Auch die fast schon mystische Szene, als der Himmel einbrach und es wie aus Kübeln zu regnen begann während der Altmeister zu "Shelter From The Storm" ansetzte, trug ihren Teil zu der Einzigartigkeit dieses Abends bei.

Die allgemeine Erwartungshaltung ließ der musikalischen Qualität allerdings keine Chance. Am zunehmenden Missmut des Publikums trug sicherlich das durchwachsene Wetter und die schlechte Location bei. Allerdings wurde man das Gefühl nicht los, dass die Leute, ähnlich wie bei der Electric-Tour 1965 als Dylan erstmals zur elektrischen Gitarre griff, schlicht etwas anderes hören wollten. Man muss sich nur ein bisschen mit diesem kafkaesken Charakter beschäftigten um zu erahnen, dass die Vorstellung eines heutigen Konzerts im Stil von "The Times They Are A-Changing" oder gar einer Entertainment-lastigen Popshow schlicht absurd ist. Wenn man darüber hinaus keine Sinatra Songs bei einem Dylan Konzert hören möchte, sollte man sich auch keine Tour nach dem Release eines Albums aussuchen, das aus Neuinterpretationen alter Sinatra Songs besteht.

Obwohl eine kleine Kellerbar im Greenwich Village ohne Ausschankgenehmigung dem Geist und der Atmospähre, die dieser Künstler entstehen lässt, vermutlich gerechter werden würde, kann ich jedem Fan, der es noch nicht geschafft hat, ein Dylan Konzert zu besuchen, nur empfehlen, ein solches Unternehmen in Angriff zu nehmen!

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