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"Music From Big Pink" - ein Klassiker der Rockgeschichte, wurde schon unzählige Male wiederveröffentlicht - zuletzt von MFSL als audiophile Pressung. Viele Plattenfreaks haben diese LP von The Band in ihrem Plattenschrank, sie unzählige Male gehört und doch dürfte mancher in dieser spannenden Review Details entdecken, die ihm neu sind. Eine Schallplatte aus Feve's Plattenkiste - die Rezension bei Vinyl-Fans.de.

 

The Band - Music From Big Pink (Vinyl)

The Band-Music From Big Pink Vinyl1967, der legendäre Summer of Love. Entgegen des Trends der Musikszene dieser Zeit, die es in immer größeren Scharen in den Laurel Canyon nach Los Angeles zog, entschieden sich vier Kanadier und ein Farmerjunge aus Arkansas es Bob Dylan gleich zu tun und in die idyllische Abgeschiedenheit der Catskills nordöstlich von New York zu ziehen. Was dort im Keller eines recht hässlichen pinken Hauses zwischen Pinienwäldern und dem Overlook Mountain entstand, begründete nicht nur ein eigenes Subgenre, sondern sollte auch als eines des legendärsten Alben in die Geschichte des Rock eingehen. Die Rede ist von der wegweisenden Platte "Music From Big Pink".

Ihre Urheber nannten sich schlicht The Band. Es handelte sich dabei um Levon Helm, Garth Hudson, Rick Danko, Richard Manuel und Robbie Robertson. Bevor sie aber eines Tages von niemand geringeren als Bob Dylan höchstpersönlich als Band für seine berüchtigte „Electric-Tour" '65 auserkoren wurden, tourten sie erst zusammen mit Ronny Hawkins, später als Levon and the Hawks durch fast jede drittklassige Spelunke Kanadas. Die von Pfiffen und Traitor-Rufen geprägte Tour war Dylans erster Versuch sich vom gewohnten Folk-Protest-Stil zu lösen.

Ausgelaugt von der überwältigenden Feindseligkeit, die die Hardcore-Folkies dem neuen Sound entgegenbrachten, war es an an der Zeit, den Rummel für eine Weile links liegen zu lassen. Die Lösung hieß Woodstock. Kurzerhand wurde ein pinkes Haus in der Parnassus Lane gemietet und der Keller zum Amateurstudio umfunktioniert. Zwischen Juni und Oktober 1967, nachdem sich Dylan von einem schweren Motorradunfall erholt hatte, entstanden aus einigen Jamsessions, aufgenommen mit einem geliehenen Zweispur-Tonbandgerät, die legendären The Basement Tapes. Es war eine Zeit regelrecht übersprudelnder Kreativität, bedingt durch die schlichte Idylle der West Saugerties, New York.

Aber genug von der einmaligen Szenerie, die diesen Meilenstein hervorbrachte. Music from Big Pink wurde 1968 veröffentlicht und erwies sich als etwas in dieser Form nie Dagewesenes. Nicht nur, weil die Jungs von The Band eine gehörige Portion Tempo aus ihrer Musik nahmen und so einen angenehm dahinplätschernden Sound kreierten, sondern auch, weil es schlicht keinen Frontmann gab. Bis auf das von Johann Sebastian Bach inspirierte Orgelintro von Garth Hudson beim berauschenden Chest Fever, sind absolut keine Einzelaktion auf dem Album zu finden. Es lebt vielmehr von einem instrumentalisch perfekt aufeinander abgestimmten Ensemble, bestehend aus Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier und Orgel, garniert mit einer überwältigenden dreistimmigen Harmonie.

Die Tracks eines LP-Meisterwerks

Schon "Tears Of Rage", der erste Song der Platte, tropft bleischwer aus den Lautsprecherboxen und spätestens wenn Richard Manuel die erste Zeile „We carried you in our arms" wie alten Kaugummi in die Länge zieht, verfällt man dem Bann seiner unglaublichen Stimme, die mit ihrem einmaligen Vibrato mancherorts an Ray Charles erinnert. Neben einer Eigeninterpretation des amerikanischen Klassikers "Long Black Veil", welcher schon von Country-Giganten wie Johnny Cash und Kris Kristofferson gecovert wurde, ist "The Weight" wohl nach wie vor eines der bis heute bekanntesten Stücke. Aktuelle Künstler wie Mumford & Sons oder Jake Bugg geben den Song, der, nebenbei bemerkt, auch Dennis Hopper und Peter Fonda im Low-Budget-Streifen Easy Rider begleitete und das Thema Heimkehr behandelt, das ein oder andere Mal als Konzertzugabe zum Besten.

Selbst Dylan wollte sich ein Beitrag zu "Music From Big Pink" nicht entgehen lassen. Neben dem von ihm gemalten Cover schrieb er einige Stücke wie beispielsweise "His Wheel's On Fire" oder "I Shall Be Released". Bei Letzterem bewies Manuel auf eindrucksvolle Art und Weise, wie sehr er es beherrschte, den Weltschmerz seiner Wahrnehmung in seine Stimme zu transferieren. "I Shall Be Released", gesungen von Richard Manuel, ist wohl eins der ergreifendsten Lieder in der Geschichte der Musik und hätte keinen besseren Schlussstrich unter dieses Meisterwerk setzen können.

Was lässt sich nun abschließend sagen, außer, dass ich noch weitere zehn Seiten mit Stories über The Band hätte füllen können und dass, laut Legende, Eric Clapton seine Acid Rock Gruppe Cream kurzerhand auflöste, nachdem er zum ersten Mal die Schallplatte hörte? Es ist diese einmalige Mischung aus Umständen der Entstehung des Albums und der Musik selbst, die "Music From Big Pink" zu dem machen was es ist: das Ergebnis purer Freude an und Liebe zur Musik!

 

Trackliste

Seite 1

1. Tears Of Rage 5:21
2. To Kingdom Come 3:19
3. In A Station 3:31
4. Caledonia Mission 3:53
5. The Weight 4:34

Seite 2

6. We Can Talk 3:02
7. Long Black Veil 3:02
8. Chest Fever 5:15
9. Lonesome Suzie 4:02
10. This Wheels On Fire 3:11
11. I Shall Be Released 3:12

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