Bewertung: 4 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern inaktiv
 

Warum die Solo-LP "Let It Reign" von Carl Barat And The Jackals nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken darf, erklärt uns Feve's Vinyl Tipp bei Vinyl-Fans.de.

 

Carl Barat And The Jackals - Let It Reign (LP, Vinyl)

carl barat and the jackals-let it reign LP

Fünf Jahre nachdem Libertines-Mitbegründer Carl Barât erstmals versuchte auf eigenen Füßchen zu stehen, erscheint sein neues Solowerk "Let It Reign" mit tatkräftiger Unterstützung der Jackals, einer Band, die kurzerhand durch eine Internet-Annonce zusammenfand. Ein eigenartiger Zeitpunkt, wenn man bedenkt, dass die Libertines längst im Studio an einer neuen Platte basteln. Genau das ist auch der Knackpunkt an der Solonummergeschichte: es wird mit Sicherheit nicht lange dauern, bis die LP in der Bedeutungslosigkeit versinkt und sich alte Fans um das neue Material der selbstbezeichnenden Freidenker reißen werden.

Dabei beginnt das Album vielversprechend. "Glory Days" überzeugt mit einem durchaus gelungenen Offbeat, getragen von Beastie-Boys-Percussionist Alfredo Ortiz, einem bestimmenden, nach vorne preschenden Carl Barât und ist von alten englische Größen, wie etwa The Clash, inspiriert. Leider schafft es das frisch aus dem Boden gestampfte Quartett nicht, das Niveau des Album-Openers durchweg aufrecht zu erhalten. Es ist kaum zu überhören, dass an manchen Stellen schlichtweg das kreativ-verrückte Genie Doherty's fehlt.

Ganz besonders gilt das für Stücke wie "Victoria Gin" oder "Mark of the Idle", die mit ihrer schlichten Akkorddrescherei fast schon schal dastehen und Carls Leadsinging zu verschlucken scheinen. Im weiteren Verlauf von "Let It Reign" zeigen sie sich dann aber doch, die Lichtblicke des neuen Werks. Das basslastige "We Want More" schafft es, ganz in der Tradition des Inselpunk, durch einen mehrstimmigen, ins Mikrophon gegrölten Chorus durchweg gute Laune zu verbreiten. Mit "Let It Rain", dem letzten Track, scheint man Carl Barât fast schon eine prophetische Resignation anzuhören, wenn er in einer Mischung aus Verträumt- und Geknicktheit „No I don't have the strength to accept, what I can't change" singt. Dass das neue Album mit all seinen Höhen und Tiefen stets im Schatten der Libertines stehen wird, lässt sich nunmal leider nicht ändern, lieber Carl.

Abschließend lässt sich sagen, dass "Let It Reign" ein solides Album in der Tradition englischen Punks, mit einer leichten Tendenz in Richtung Pop ist, aber auch nicht mehr. Für all diejenigen, die vor freudiger Erwartung auf das neuen Libertines Album schon aufgeregt auf der Bank hin und her rutschen, ist es eine gelungene Möglichkeit, die Zeit bis zum Release mit dieser Schallplatte zu überbrücken.

 

Trackliste

Seite 1

1.    Glory Days
2.    Victory Gin
3.    Summer In The Trenches
4.    A Storm Is Coming
5.    Beginning To See

Seite 2

6.    March Of The Idle
7.    We Want More
8.    War Of The Roses
9.    The Gears
10.  Let It Rain