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Foto: Anna Maggy Grimsdottir

Hast du schon einmal intensiv ein Gemälde oder eine Skulptur studiert, dich in die Gedankenwelt des Künstlers hineinversetzt? Der visionäre Komponist und Pianist Dustin O'Halloran, der Geiger Bryan Senti, der Reykjavik Silfur Choir und das Budapest Art Orchestra sowie insbesondere auch die elektronische Produktion von Paul Corley (Sigur Rós) bieten ein seltenes Hörerlebnis auf Schallplatte. Diese Musik lässt viel Raum dafür, ein Kunstwerk zu erleben, das sich hier „1001“ nennt.

 

Dustin O’Halloran - 1001 (LP, 180g Vinyl)

Der amerikanische Musiker Dustin O’Halloran gehört zu den Talenten, die bereits in jungen Jahren mit eigenen Kompositionen überraschen konnten und entsprechend früh zu den versierten Pianisten seiner Generation zählt. Über Studium und internationalen Tourneen mit seiner damaligen Band Devics machte er sich einen Namen in der Filmmusik-Szene. Manche mögen ihn von dem Soundtrack des Historiendrama „Marie Antoinette“, Drake Doremus „Like Crazy“ oder William Olssons „An American Affair“ kennen. Die Filmmusik zum Spielfilm „Lion – Der lange Weg nach Hause“ (2016) brachten O’Halloran gar Nominierungen für den Oscar und Golden Globe Award ein. Und nun landete er mit diesem eindrucksvollen Werk bei dem so renommierten Plattenlabel Deutsche Grammophon - „1001“ ist tiefgreifend.

 

Musik für alle Sinne

dustin o halloran 1001 VinylAus einem Tanzstück von Fukiko Takase, einer in London und Tokio lebenden Tänzerin und Choreografin, über die Interaktion von Mensch und Maschine entwickelte sich über Umwege das Konzept von „1001“, welches schließlich ohne Performance auskommt. Statt dem Tanz folgte also ein neues viersätziges Werk mit Chor, Orchester und elektronischer Musik.

Die wesentlich Idee dahinter waren die Gedanken von Dustin O’Halloran, den Kontrast zwischen der schönen Natur Islands und der trostlosen städtischen Umgebung mit den immer stärker werdenden Auswirkungen künstlicher Intelligenz darzustellen. Die Wanderung von einer natürlichen Umgebung in die einer künstlich geschaffenen Umwelt, dem Umgang mit neuen Technologien und die immer komplexer werdenden Strukturen unseres menschlichen Wesen - all das trieb O’Halloran um.

Die LP beginnt sanft mit einem Frauenchor, der das Stück „Spiritus Naturae Aeternus“ (so viel wie „Ewiger Geist der Natur“) einleitet. Gefühlvoll stimmt Dustin O'Halloran am Piano ein, ehe sich eine Violine dazugesellt und das Orchester dieser Komposition Breite verleiht. Bereits an dieser Stelle muss sich niemand über die sich einstellende Gänsehaut wundern, das ist magisch und anmutig.
Ähnlich kann es dem Zuhörer dieser auch klanglich sehr gelungenen Schallplatte bei dem nächsten Track „Cymatic Love Spiral“ ergehen. Bryan Senti spielt ein Geigensolo mit stetig wiederholenden Akkord, das sich allmählich mit den Streichern vereint, bis schließlich alles in Ruhe ausklingt. Beide Tracks haben einen unverkennbaren filmischen Charakter, man bekommt unweigerlich Bilder der Fantasie vor Augen.

War die erste Plattenseite weitgehend akustisch arrangiert, so bekommen die elektronischen Klangelemente auf Seite 2 einen weit größeren Stellenwert. „Harmonic Dream Sequence“ erinnert an spacige Werke aus der Welt des Science Fiction. O'Halloran bedient dabei ein analoges Elektronikgerät, während ein dunkler Grundton eine fast schon beklemmende Atmosphäre vermittelt und zum Schluß hin kakofonischer Techno für Chaos sorgt - eine an sich ironische Interpretation des Songtitel.
Transfigural Syntax Eclipse“ hat schließlich etwas Geisterhaftes, die hellen Stimmen des Frauenchor und der elektronische Soundteppich haben etwas Schwebendes an sich. Als dann die flirrenden Streicher und ein ebenso dunkler Grundton einsetzen, wandelt sich die Stimmung hin zu etwas düsterem und unklaren.
Sinnbildlich handelt es über den Verlust der menschlichen Sprache und unsere Entfremdung von der Natur.

1001“ keine Musik zum Nebenbei-Hören, sie will mit allen Sinnen erfasst sein und entfaltet dann eine ungeheuere Wirkung auf den Zuhörer. Die hervorragende Produktion (sowohl klanglich als auch presstechnisch) sorgen dafür, dass gerade das Format Schallplatte hier seine ganze Qualität ausspielen kann.

 

 

Fakten

Veröffentlichung: 22. März 2024
Label: Deutsche Grammophon
Bestell-Nummer: 4864919
Pressung: Pallas
Pressqualität*: 4-5
Inhalt: 180g Vinyl
Besonderheit: 4-seitiges Booklet
Aufnahmen: East Connection Music Recording, Studio 22 in Budapest/Ungran, in den RRO Studios sowie Silfur Studios ( beide Reykjavík/Island).

 

Besetzung

Dustin O'Halloran - piano, electronics, analog synthesizer
Bryan Senti - violin
Zac Rae - modular synthesizer
Francesco Donadello - modular synthesizer
Clarice Jensen - processed cello
Budapest Art Orchestra
Reykjavik Silfur Choir

 

 

Trackliste

Seite 1

1. Spiritus Naturae Aeternus 9:15
2. Cymatic Love Spiral 3:31

Seite 2

3. Harmonic Dream Sequence 9:30
4. Transfigural Syntax Eclipse 10:01

 

* Pressqualität 1-5:
1= starke Nebengeräusche, deutlich sichtbare Pressfehler
5= keinerlei Nebengeräusche, optisch perfekt

 

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