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Als die Nachricht vom Tod des begnadeten Tony Clarkin bekannt wurde, richtete sich die Aufmerksamkeit sofort auf die neue Magnum-LP - mancher Orts war sie schnell vergriffen. Kein Wunder, denn sie überzeugt künstlerisch einmal mehr, ebenso wie die neue Schallplatte einer der Jazzrock-Pioniere Deutschlands - Kraan. Und dann wäre da noch eine ungewöhnliche Jazzscheibe, die ich euch diesen Monat empfehlen möchte.

 

Vinyl-Neuheiten 1-2024 - Die Plattentipps in Kurz-Reviews


 

Eugen Cicero Trio - Lullubies (180g Vinyl)

Eugen Cicero Trio Lullubies Vinyl 2024

Wenn das mal nicht ungewöhnlich ist: ein Album vollgepackt mit Wiegenlieder (Lullubies). Nein, Eugen Cicero wollte uns nicht einschläfern, sondern sehr wohl bezaubern! Der rumänische Jazz-Pianist hat hier im Jahre 1995 elf Songs eingespielt, die von klassischen Komponisten wie Brahms, Schubert oder Schumann sowie Jazzer wie George Shearing und vielen weiteren Autoren stammen. Ursprünglich war das Album nur für den japanischen Markt gedacht, wo Cicero Kultstatus genoss. Eugen Cicero starb 1997 - „Lullubies“ waren seine letzten Studioaufnahmen, eingespielt im Trio mit Decebal Badila am Bass und Ringo Hirth am Schlagzeug.
Das Faszinierende an dieser Schallplatte ist neben dem fantastischen Klang die Tatsache, das die bekannten Lieder frei von Kitsch wunderbar swingen und dabei ein tiefenentspanntes Gefühl vermitteln. Und schließlich ist es variantenreiche Piano-Spiel von Cicero, dass einmal „amerikanisch-jazzig“ und im nächsten Moment klassisch-barock klingen kann, ohne dass es zu einem Stilbruch kommt. Das hat Klasse!

In+Out Records, IOR LP 77154-1


 

Kraan - Zoup (LP, Vinyl)

Kraan Zoup Vinyl Review 2024

54 Jahre ist es her, dass eine der bedeutendsten deutschen Rockbands die Bühne der Musikwelt betreten hat. Seither gab es nicht nur unzählige Platten dieser Gruppe, sondern auch einige Entwicklungen. Nun, im Jahre 2024 darf man mit großen Respekt, aber auch kritisch betrachten, wo die Herren Peter Wolbrandt, Jan Fried und Hellmut Hattler angelangt sind. Um es kurz zu sagen: es darf gestaunt werden! Sie klingen frisch und fast schon unbekümmert, wie eine Band, die ihr Ding selbstbewusst durchzieht. Das sind im Fall der LP „Zoup“ kraftvolle Rocksongs mit Groove und unkomplizierter guter Melodik. Die meisten der acht Songs sind instrumental angelegt, mit den zu erwartenden Jazzrock- und Funk-Anteilen. Und vor allem jenseits des Mainstream, den wir aus dem Radio täglich vorgesetzt bekommen. Daran beteiligt waren auch Martin Kasper (Keyboard, Vokoder), Jürgen Schlachter (Perkussion) und Siyou (Background Vocals)
Kraan bedienen damit einmal mehr ihre Fans, die nicht alleine am Krautrock hängen bleiben. Die Pressung von Duophonic ist bei meinem Exemplar nicht perfekt, die Störgeräusche gehen jedoch im lauten Musikpegel unter. Klanglich darf die LP als gelungen bezeichnet werden.

Baseball Recordings / 36music, LP36119


 

Magnum - Here Comes The Rain (2 LP, Colored Vinyl)

Magnum Here Comes The Rain Vinyl 2024

LPs, die ungewollt zu einem Vermächtnis geraten, haben in der Musikgeschichte schon immer einen besonderen Stellenwert. Für mich hat sie aber auch noch einen ganz individuellen Wert: ich erinnere mich noch gut daran, wie mich Ende der 70er im Plattenladen das Silber-schillernde Cover von Magnum - II ins Auge stach und ich diese Schallplatte unbedingt mit nach Hause nehmen musste. Der optischen Faszination folgte das musikalische Aha-Erlebnis, fortan gehörten Bob Catley & Co. zu meinen Lieblingen im stetig wachsenden Plattenregal - das hält bis heute an und nun kam mit „Here Comes The Rain“ gleich das nächste Highlight dazu. Gitarrist, Produzent und Songwriter Tony Clarkin hat den Erfolg dieser Scheibe leider nicht mehr erlebt, er starb nur wenige Tage vor der Veröffentlichung.
Was mich besonders freut ist zweifellos die Beständigkeit der Qualität, mit der Magnum regelmäßig bei ihren Neuheiten aufwartet. Musikalisch zeigen sie sich auch mit dieser 2024er Veröffentlichung melodisch stark und kraftvoll bis bombastisch arrangiert, quasi wie so oft bereits zeitlos gut. Das hat alles Hand und Fuß, was Tony Clarkin zusammen mit den Jungs da inszeniert hat. Balladen zeigen ihre Wirkung und die vorwärts drängenden Nummern setzen genau die richtigen Akzente, wo sich mal das Keyboard, mal die Gitarre ins Rampenlicht schieben.
Erstaunlich finde ich, dass die düsteren bis apokalyptischen Hintergründe der Songs - sie beziehen sich dann auf den Krieg - keineswegs auf die Stimmung der Musik drücken, alles wirkt weitgehend optimistisch. Wäre nicht der Umstand, dass es von dem traurigen Umstand begleitet wird.
Dem darf ich noch anfügen, dass die Schallplatte leider recht komprimiert und undynamisch klingt, die klangliche Seite passt somit bei weitem nicht zu der hervorragenden Musik. Presstechnisch geht die farbige Vinyl hingegen in Ordnung, die vierte Seite enthält eine schöne Gravur, also ohne Musik.

Steamhammer, SPV 249041 LP

 

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