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Foto: Alex Kozoblis

Schon oft bot die Natur die beste Inspiration für Komponisten. Und doch scheint die LP „Ecosystems“ eine gewisse Sonderstellung zu haben: der spanische Film-Komponist Roger Goula begreift die Verbindung von Natur und Mensch als Symbiose, er vereint das Akustische und das Elektronische miteinander. Seine Musik erzeugt beim Zuhörer Bilder, wie es sonst selten zu erleben ist - kein Wunder, dass er mittlerweile für renommierte Preise nominiert wurde.

 

Roger Goula - Ecosystems (LP, Vinyl)

Der in London ansässige Komponist und Multiinstrumentalist Roger Goula dürfte vermutlich in erster Linie den Liebhabern von Filmmusik bekannt sein. Denn seit seiner Debüt-LP „Overview Effect“ im Jahre 2016 hat er insbesondere die Musik zu Film- und TV-Produktionen geschrieben und dafür auch von renommierter Seite viel Lob geerntet. Die Renaissance- und Barockmusik hat ihn wohl in seiner musikalischen Idee im besonderen Maße inspiriert und seine Umsetzung in der elektronischen Musik und Samplings zeugen von einem reifen Verständnis für diesen Zusammenhang. Auch die LP „Ecosystems“ profitiert davon.

 

Ein emotionales Klangerlebnis

Roger Goula Ecosystems Vinyl 2023Nach mehrmaligen Hören der LP konnte ich feststellen, dass die zweifellos unterschiedlich gestalteten Tracks trotzdem in einen Gesamtcharakter passen, den man als fließend bezeichnen kann. Und damit hat Goula offensichtlich sein Ziel erreicht: „Das gesamte Album antwortet auf die Idee, wie wir uns mit der Natur gegenseitig beeinflussen und hoffentlich kann es am Ende einige Harmonie bieten“.

Trotz, wenn nervös und zappelnde erscheinende elektronische Sounds auftauchen, so wandeln sie sich immer wieder in harmonische Klänge, bei denen die Streicher sicherlich eine wesentliche Rolle spielen. Ein schönes Beispiel dafür ist gleich mal die erste Nummer „Gift“, bei der ein pulsierender Beat das Herzklopfen einer Ultraschall-Aufnahme von Goulas ungeborenem Kind darstellt und schlußendlich zu einem warmen und kraftvollen Klangkörper verschmilzt. Oder auch das anschließende „Symbiosis“, bei dem die kalte elektronische Landschaft von der Wärme der Streicher geflutet wird und so eine reizvolle Einheit bildet. Selbst scharfe, dissonante Geräusche stören den Gesamteindruck nicht, sondern bilden eher die Kontrastpunkte in dem Fluss der Klänge.

Als Vergleich könnte hier tatsächlich ein großer Gebirgsfluss dienen: immer wieder spritzen durch Wirbel erzeugte kleine Wellen hoch und doch erscheint der Blick auf den Fluss äusserst entspannend. Genauso ergeht es bei diesen neun, rein instrumentellen Stücken dieser Schallplatte. Im wesentlichen herrscht eine Kooperation von elektronischen und akustischen Instrumenten, nur im letzten Track „Becoming One“ dominiert eine Solo-Violine, die das Album zu einem harmonischen Ende führt. Wobei auch die Nummer „Embodied“ sehr an Vivaldis Vierjahreszeiten erinnert und somit die Streicher eine tragende Rolle spielen. Hier und auch an anderer Stelle sorgen satte und tief reichende Bässe für ein tolles Klangerlebnis, das den emotionalen Charakter der Platte noch weiter unterstreicht.

Es würde mich nicht überraschen, wenn „Ecosystems“ den bisherigen Preis-Auszeichnungen für Roger Goulas Wirken weitere hinzufügt.

 

 

Fakten

Veröffentlichung: 16. Juni 2023
Label: Cognitive Shift Recordings
Bestell-Nummer: CSRLP 010
Pressung: Record Industry, Niederlande
Pressqualität*: 4
Inhalt: 160g Vinyl
Besonderheit:
Aufnahmen:

 

Besetzung

Komponist: Roger Goula
Musiker:
Violine: Violeta Vicci, Max Bailie, Eloisa Fleur Thom, Alessandro Ruisi
Viola: Jordan Bergmans, Richard Jones, Alison de Souza
Violoncello: Sergio Serra, Max Ruisi, Tatiana Chernyshova
Kontrabass: Andy Marshall

 

Trackliste

Seite 1

1. Gift
2. Symbiosis
3. Broken Harmony
4. Perfect Balance

Seite 2

5. Embodied
6. Relational Beings
7. Intra-Actions
8. Everything is Everything
9. Becoming One

 

* Pressqualität 1-5:
1= starke Nebengeräusche, deutlich sichtbare Pressfehler
5= keinerlei Nebengeräusche, optisch perfekt

 

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