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Der Winter&Winter Showroom | Musik als Kunstform erleben - für Vinyl-Fans etwas Besonderes!

Hat man eine CD oder seit 2012 auch eine der wahrlich aufregenden Analog-Schallplatte in den Händen, so darf man sicher sein, einen Tonträger jenseits des Alltäglichen zu besitzen. Meine Berührung mit dem Münchner Plattenlabel kam tatsächlich erst durch die 180g Vinyl-LPs und schnell stand für mich fest, diese rein analog produzierten Schallplatten bieten etwas, das es am schier unübersichtlich riesigen Markt sonst nur ganz selten gibt. Warum ich so begeistert bin, soll dieses Label-Portrait über Winter & Winter näher beleuchten.

 

Winter & Winter - ein Plattenlabel der anderen Art

Das weiter unten folgende Portrait über die Music Edition Winter & Winter beschreibt den künstlerischen Anspruch, den Labelchef Stefan Winter und Mariko Takahashi hegen. Ich möchte an dieser Stelle erst einmal auf die LPs selbst eingehen, auf die sagenhafte Qualität und dem damit verbundenen Klangerlebnis. Auch wenn man in der Platten-Branche gerne mal mit Superlativen um sich wirft, die dann bei genauer Betrachtung nicht mehr ganz den Ansprüchen gerecht werden - für die 180g Vinyl-LPs von W&W lehne ich mich aus dem Fenster und sage: sie sind jeden Cent wert und gehören zum Besten, was man derzeit auf Schallplatte erleben kann!

Windmills of your Mind VinylAngefangen hat es mit 2012 mit der Platte "The Windmills Of Your Mind" von Paul Motian. Schon die Aufmachung dieser neuen Vinyl-Serie war ungewöhnlich: das rote Cover hatte eine geriffelte Oberfläche (Streifenprägung) und vorne in der Mitte ein ausgestanztes "W" - eine handnotierte Seriennummer deutete auf die limitierte Auflage von 500 Stück. Das Besondere verbarg sich aber nicht nur hinter dem Äusseren oder dem innenliegenden Beiblatt, sondern bereits in der Aufnahme.
Paul Motian, der "Picasso des Schlagzeugs" (Zitat Stefan Winter), spielte die LP auf ein analoges Halb-Zoll Tonband ein. Dem Mastering folgt mit kurzem Weg gleich ein Folienschnitt, um die Verluste so gering wie möglich zu halten.

Das Ergebnis war frappierend: diese Jazz-Musik war wie ein Gemälde, mit unglaublichen Feinheiten, die man erst beim genauen Hinsehen (hier genauer gesagt: Hinhören) entdeckt. Betrachtet man das Gesamtwerk, so ist es ein überwältigendes Erlebnis, das den Klang in eine Bildsprache übersetzt. Hier entfaltete die Analogtechnik ihre ganze Pracht, für die es schwer ist, Worte zu finden. Und wie es zu erwarten war: dieses Kunstwerk einer Schallplatte ist ausverkauft und wird selbst auf Portalen wie Discogs zu hohen Preisen gehandelt bzw. ist nur schwer zu finden. Warum sollte ein Besitzer der LP diesen Schatz auch hergeben?

Nach "The Windmills Of Your Mind" kamen weitere LPs, darunter eine meiner Lieblings-LPs: "Down Deep" des Trios Ernst Reijseger / Harmen Fraanje / Mola Sylla. Auch diese LP neigt sich beim Lieferanten dem Ende entgegen, Interessierten rate ich, sich schnellst möglich ein Exemplar zu sichern. Weitere Titel findet ihr unten als Link.

Und hier nun eine Beschreibung über das Label selbst:

Music Edition Winter & Winter

Es ist eine Art Bühnenjubiläum hinter den Kulissen: Vor 30 Jahren gründet Stefan Winter das Label JMT (Jazz Music Today) und nimmt das Debüt des Saxophonisten Steve Coleman auf. Am Anfang steht das Werk der neuen afro-amerikanischen Jazzströmung M-Base. Zu deren Protagonisten zählen Cassandra Wilson (Gesang), Geri Allen (Piano), Robin Eubanks (Posaune), Greg Osby und Gary Thomas (Saxophon). Als Antithese zu dieser Bewegung dokumentiert Stefan Winter die Entwicklung der jungen Avantgardisten des Jazz, er produziert wegweisende Aufnahmen mit Tim Berne (Saxophon), Hank Roberts (Cello), Django Bates (Piano), Joey Baron (Schlagzeug), Marc Ducret (Gitarre), wie auch der Gruppe Miniature.

Nach 1995 ändert sich grundlegend seine Arbeitsweise vom Dokumentaristen zum Klangregisseur. Dies ist der Start von WINTER&WINTER. Zusammen mit Mariko Takahashi wagt er, ein neues Labelkonzept umzusetzen. Ende der 80er Jahre begegneten sich Takahashi und Winter in Japan. Unter der Federführung von Mariko Takahashi wurde in Ginza in Tokio das Festival »Taboo-Lu« initiiert, eine außergewöhnliche Werkschau mit Live-Konzerten, Aufnahmewerken und einer Kunstausstellung. Mit »Taboo-Lu« wurde die Idee von und für WINTER&WINTER gewissermassen vorweggenommen: Grenzüberschreitung wird zum Programm. Kunst und Musik agieren zusammen, Zeitgenössisches trifft auf Tradition, Komposition auf Improvisation. Mariko Takahashi und Stefan Winter wollen mit unkonventionellen Aufnahmewerken den Weg für fantastische Erlebnisse freimachen.

Trio Reijseger-Fraanje-Sylla bei einer Winter&Winter Aufnahme mit einem einzigen MikrophonStefan Winter ist erfüllt von der Vision, klassische Meisterwerke in radikalen Neuinterpretationen zu inszenieren. Mit Aaron Zapico und dem Barockensemble Forma Antiqva findet er die ideale Besetzung Antonio Vivaldis »Vier Jahreszeiten« in einer noch nie gehörten Klangsprache herauszubringen. Das Originalklangensemble La Gaia Scienza offenbart eine neue Sicht auf Schlüsselwerke der Romantik wie Franz Schuberts Klaviertrios und Johannes Brahms' Quintette für Klavier. Er setzt bahnbrechende, musikalische Grenzüberschreitungen mit Uri Caine um, entdeckt die Volksmusik neu und inszeniert die für WINTER & WINTER charakteristischen HörFilme (Kino für geschlossene Augen) wie »Wagner e Venezia«, »Waldhaus Sils-Maria«, »Requiem for a Dying Planet« und »Memoirs of an Arabian Princess«.

Neben den HörFilmen, seinem Markenzeichen, entwickelt Stefan Winter Künstlereditionen mit den Musikern Teodoro Anzellotti (seit 1996), Theo Bleckmann (2004 bis 2014), Uri Caine (seit 1993), Mauricio Kagel (1998 bis 2008), Paul Motian (1988 bis 2011), Ernst Reijseger (seit 1997), Fumio Yasuda (seit 2000) und weiteren. Besonders Mauricio Kagel, zeitgenössischer Komponist, Hauptbegründer des Neuen Musiktheaters als auch Filmregisseur und Paul Motian, der Picasso des Jazz, der das Schlagzeug aus der Rolle des Timekeepers befreit, inspirieren Stefan Winter immer wieder aufs Neue, das Besondere zu wagen. Mariko Takahashi und Stefan Winter leiten gemeinsam ihre Unternehmung WINTER&WINTER. Es ist die wesenseigene Ausrichtung dieser Edition, neuen Strömungen offen gegenüber zu stehen und diese mit zu gestalten.

Seit einigen Jahren inszeniert Stefan Winter Klanginstallationen und schafft Klangkunstobjekte: Ich suche den Klang des tanzenden Schnees (Näheres unter www.winterstefan.com). »Malen mit dem Mikrofon« titelt der Deutschlandfunk und das Studio Akustische Kunst des WDR nennt sein Werk »Vor der Stille« einen Kontrapunkt zur Berieselungskultur. Winter glaubt an die Erzählkraft der Geräusche und Klänge. Er arbeitet zusammen mit Mariko Takahashi an der Umsetzung von Klangkunst in Museen. Im Jubiläumsjahr 2015 zeigt das Wallraf-Richartz-Museum in Köln Werner Herzogs »Hear Say of the Soul« (»Vom Hörensagen der Seele«) mit Klängen von WINTER&WINTER, das Konzerthaus Le Rocher de Palmer in Bordeaux stellt Stefan Winters Klangskulptur »Die Weinende« aus.

In der Galerie Slewe in Amsterdam wird die Klangkunst »Listen to me, look at me« präsentiert, ein spartenübergreifendes Gesamtkunstwerk mit Bildern von Jerry Zeniuk und Ernst Reijsegers Klanguniversum. Zum Geburtstag erscheint zum Jubiläumspreis eine Sonderedition mit zehn Alben, die der Produzent Stefan Winter selbst auswählt und zusammenstellt. Jedes einzelne Jubiläumsalbum wird von Adrian von Ripka, der von Anfang an das Klangdesign von WINTER&WINTER gestaltet, neu bearbeitet. Diese Sonderedition lädt ein, die phantastische Klangwelt von WINTER&WINTER zu erfahren und zu genießen.

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