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Der wachsende Markt an Schallplatten-Waschmaschinen bekam Zuwachs. Wer eine mechanische Berührung, wie sie bei Flächensaugern im großen Maße stattfindet, nicht mag, findet bei diesem Prinzip der Punktabsaugung eine gute Alternative. Die britische Firma Keith Monks ist dabei ein Pionier in Sachen Vinyl-Reinigung. Wie sich die neue Prodigy Plus schlägt, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

 

Plattenwaschmaschine Keith Monks Prodigy Plus im Test

Keith Monks Prodigy Plus DeckelFoto: Gerät mit Deckel

Die ersten Reaktionen auf das neueste Modell des britischen Herstellers Keith Monks (im weiteren Verlauf des Berichtes mit KM abgekürzt) waren doch sehr unterschiedlich. Wo einige Leute das Design hübsch und gar edel fanden, sprachen andere von „Kindersärgen“. Letztere ziemlich abwertende und auch völlig deplatzierte, weil pietätlose Umschreibung der ungewöhnliche Gehäuse-Gestaltung der Prodigy (zu deutsch „Wunder“) dürfte sich wohl etwas wandeln, wenn man sich näher mit dem Gerät beschäftigt. Das möchte ich mit diesem Bericht tun, zunächst aber ein kurzer Blick zurück.

 

Die Geschichte der Plattenwaschmaschine

Keith Monks prototype 1968 sno.001Foto: Keith Monks Prototyp anno 1968

Ich weiß nicht, wann wirklich die erste kommerzielle Plattenwaschmaschine auf den Markt kam. Keith Monks jedenfalls dürfte in der Vinyl-Ära einer der frühen Hersteller gewesen sein, der Ende der 60er zusammen mit Ingenieuren der BBC in London ein Gerät „for the restoring and preserving of gramophone / phonograph records“ entwickelte. Etwa 1971 eroberten dann die ersten professionell vertriebenen Kisten aus Großbritannien die Welt der Analogfans, die ihre Schallplatten-Schätze nun selbst reinigen konnten. Als ich Anfang der 90er damit begann, beruflich mit Schallplatten zu arbeiten, gab es im Wesentlichen neben Keith Monks nur VPI, Nitty Gritty und Loricraft. Heute jedoch sieht das ganz anders aus, eine Vielzahl an Marken und Modellen, ja auch verschiedenen Reinigungssystemen machen es dem engagierten Vinyl-Einsteiger nicht einfach, sich für eines davon zu entscheiden.
Zum 50-jährigen Firmenjubiläum hat Jonathan Monks, der Sohn des Firmengründers Keith Monks, mit der Prodigy ein aussergewöhnliches Gerät präsentiert, das ich hier nun näher vorstelle.

 

Die Bauweise

Keith Monks Prodigy Plus BauweiseFoto: Keith Monk Prodigy Plus

Das Gehäuse, der Deckel, der Absaugarm und weitere Komponenten der Prodigy sind aus Bambus gefertigt, was nicht nur fertigungstechnisch Vorteile hat. Ich zitiere dazu die Infos von KM:
Bambus ist von Natur aus mit geringer Eigenresonanz ausgestattet, absorbiert Geräusche und Vibrationen, ist von Natur aus wasserbeständig, antistatisch, robust, strapazierfähig und verträgt sich gut sowohl mit traditionellen als auch modernen Einrichtungen. Bambus ist ein nachhaltiges, erneuerbares Gras, welches in Rekordzeit nachwächst. Ein natürlicher Rohstoff, welcher mehr CO2 absorbiert und mehr O2 ausgibt als jeder Baum auf unserem Planeten“. Ich denke, das kann man so stehen lassen.

Auf der Oberseite des Gerätes befindet sich gleich neben dem Saugarm ein Behälter, der die abgesaugte Flüssigkeit aufnimmt und zum Entleeren einfach nach oben entnommen werden kann. Hinter dem Saugarm ist noch eine schwenkbare Walze (ähnlich einer Malerrolle, hier „DewDrop2-Spritzschutz“ genannt.) Sie hilft zumindest am Anfang beim Auftragen der Flüssigkeit, dass diese nicht auf die Rückseite fließt. Mit etwas Übung kann man darauf verzichten.
Im Inneren befindet sich die 12 V Membran-Pumpe, der Antriebsmotor für den Plattenteller und das Riemen-Kupplungssystem für den Absaugarm.
Rechts am Gerät befindet sich der Einschaltknopf. Und als Gimmick hat das Gehäuse an der umlaufenden Kante eine Farbleiste, die man beliebig farbig mittels einer kleinen Fernbedienung einstellen und zum Glück auch abschalten kann!
Durch die Art der Absaugung von innen nach aussen können alle Formate gereinigt werden, von der 7“-Single bis zu normalen LP und sogar CDs!

 

Die Reinigungsflüssigkeit

Ich werde nicht müde, immer wieder zu betonen, dass die Reinigungsflüssigkeit mit das Wichtigste bei einer guten Reinigung ist. Denn sie ist es, die den Schmutz in der Plattenrille löst und nicht etwa aufwendig gestaltete mechanische Verfahren von Bürsten, Walzen oder gar Ultraschall. Fette, organische Rückstände müssen gelöst werden, hierfür ist der Alkohol wichtig. Der tiefsitzende Schmutz wird von den meisten Plattenbürsten und den Samtpolstern der Plattenwaschmaschinen überhaupt nicht erreicht. Eine gut gemischte Flüssigkeit hingegen hat die nur eine Aufgabe, den Schmutz zu lösen und diesen auch in der Tiefe der Plattenrille.

Doch was ist gut? Diese Frage beantworten heutige „Experten“ in vielfacher Weise. Doch: es sind nicht die bei Mondschein abgefüllten, streng geheimen Mischungen, sondern schlicht und einfach nur sehr reine Bestandteile.

Welche Zutaten Jonathan verwendet, ist natürlich sein Betriebsgeheimnis. Nach vielen damit gewaschenen Platten musste ich trotz meiner Skepsis feststellen, dass dieses discOvery sehr gut funktioniert. Skepsis deshalb, weil es ziemlich schäumt und Duftstoffe enthält (wovon ich nichts halte, siehe oben). Den Angaben nach ist es in allen Bestandteilen biologisch abbaubar, sicherlich ein positiver Aspekt. Allerdings gilt das nach meinen Infos auch für Isopropanol, Teil der Standardmischung Destilliertes Wasser/Isopropanol/Netzmittel. Eine Entsorgung von Iso über das Abwasser ist allerdings nicht empfehlenswert!

 

Das Funktionsprinzip

Keith Monks Prodigy Plus SaugspitzeFoto: Saugspitze

Ganz in der Tradition der ersten Keith Monks Record Cleaner funktioniert auch die neue Prodigy nach dem Prinzip der Punktabsaugung. Das bedeutet, dass die Absaugung der Reinigungsflüssigkeit über einem Arm und dessen kurzen, senkrecht stehenden Absaugrohr erfolgt, ähnlich wie bei einem Plattenspieler der Tonarm und dessen Tonabnehmer. Nur, dass hier keine Nadel durch die Rille läuft, sondern die Flüssigkeit über ein Rohr/Schlauchsystem abgesaugt wird - eben die Punktabsaugung.

Bisher (bzw. bei den Maschinen anderer Hersteller) lief an der Stelle, wo das Saugrohr mit der Vinyloberfläche Kontakt hat, ein Faden mit. Dieser sorgte dafür, dass sich das Rohr oder der Schlauch nicht auf der Platte festsaugt und diese natürlich auch nicht beschädigt. Die Prodigy verzichtet jedoch auf den Faden, was durch die neu entwickelte Threadless (fadenlose) Saugdüse möglich ist. Die KM-Angaben dazu: „Die neue Threadless Saugdüse von Keith Monks reinigt tatsächlich sogar noch besser und schafft eine doppelte Flüssigkeits- aufnahme im Vergleich zur alten Auflage mit harter Düsenspitze“. Vergleichen kann ich das mangels früherem Modell nicht, zumindest aber sehe ich die sehr gute Absaugleistung der neuen Prodigy.
Gegenüber der Flächenabsaugung (der meisten Maschinen auf dem Markt) benötigt die Punktabsaugung deutlich weniger Saugleistung, da die abzusaugende Fläche nun mal erheblich geringer ist. Der angenehme Nebeneffekt: eine leiserer Saugmotor!

 

Die Bedienung

Keith Monks Prodigy Plus ReinigungFoto: LP in der Reinigung

Kommen wir als nun zum Wesentlichen: dem Reinigen einer Schallplatte mit der Keith Monks Prodigy Plus. Man legt die LP auf den ca. 10cm breiten Subteller, der eine Acrylauflage besitzt, damit die Platte einen guten Halt hat. Festgeklemmt wird die Scheibe mit einer kleinen Schraubklemme, die meiner Ansicht zu winzig geraten und besser in der Größe des Plattenlabels ausgeführt wäre. Damit könnte dann auch das LP-Label vor Wasserspritzer geschützt werden. Ausserdem finde ich den Gewindegang zu lang, es dauert, bis man mit der fummeligen Schraubklemme die Platte fest auf dem Teller fixiert hat. Ob da im Budget etwas besseres drin ist, Jonathan?

Nun den Einschaltknopf betätigen, die LP rotiert im Uhrzeigersinn, geschätzt in 78er Geschwindigkeit. Mit dem Einschalten startet auch die Absaugpumpe, nur hört man von ihr nichts, das meiste Geräusch stammt vom Antrieb.

 

Keith Monks Prodigy Plus BuersteFoto: discOvery Bürste

Man hat nun zum Auftragen der Reinigungsflüssigkeit einen Behälter mit der Monks-eigenen Mischung und zwei verschiedene Möglichkeiten zum Verteilen. Eine sehr gute und optisch auch gelungene Version ist die discOvery Bürste. Auch sie sieht wie eine Malerbürste aus, scheint aber aus einer Art Mikrofaser zu bestehen. Sie ist in einem Bambusrohr aufgesteckt und wird ganz simpel herausgefahren und arretiert. Mit ihr lässt sich die auf die Platte gegebenen Tropfen sehr gut und gezielt verteilen. Die andere Variante wäre eine normale Plattenbürste, die meinem Testexemplar der Prodigy beilag. Das geht auch, besser gefiel mir aber die Handhabung mit der discOvery. Aufpassen muss man allerdings mit der Menge der Flüssigkeit, bei zu viel kann es schnell passieren, dass aufgrund der hohen Drehgeschwindigkeit und der Fliehkraft einiges nach aussen spritzt.

Nun kommt der spannende Augenblick: der Absaugarm wird per Hand nach innen geschwenkt und die Saugspitze auf die Platte gesenkt. Wichtig ist dabei, ihn zunächst bis etwa Plattenmitte zu bewegen (man spürt dabei etwas Widerstand vom Reibrad) und dann retour zum Beginn der abzusaugenden Fläche. Der Grund dafür ist im Mechanismus des Reibradantriebes zu finden, der den Saugarm nun schön langsam Richtung aussen bewegt. Der Arm ist so ausbalanciert, dass die Saugspitze genau die richtige Auflagekraft hat, dabei weder die wertvolle LP beschädigt noch von der Oberfläche abhebt. Die Flüssigkeit wird also gut abgesaugt, während sich der Arm nach aussen bewegt. Ist der Arm aussen angelangt, schaltet man den Antrieb und Absaugung aus. Bei dem Modell Prodigy Deluxe soll dies automatisch geschehen.

Ein nicht unwichtiger Vorteil dieses Systems, den Absaugarm (Vakuumarm) selbst per Hand positionieren zu können, bedeutet auch, dass man sogar die Auslaufrille reinigen kann. Das können die meisten anderen Plattenwaschmaschinen nicht!

Dieser Absaugvorgang dauert knapp über 2 Minuten und funktioniert bei allen getesteten LPs prima. Lediglich ganz am Aussenrand kann es je nach LP und deren ausgeprägten Wulst der Einlaufrille passieren, dass etwas Feuchtigkeit bleibt. Die wischt man einfach mit einem sauberen Mikrofasertuch ab. Das wars! Nun die LP umdrehen und die andere Seite nach dem gleichen Prinzip reinigen und schon kann man die fertig gewaschene Schallplatte auflegen und anhören. Apropos hören: es gibt wohl kaum eine aktuelle Plattenwaschmaschine, deren Absaugung man so gut wie gar nicht hört - die Prodigy ist so eine! Die gesamte Geräuschentwicklung hält sich auf einem so geringen Niveau, dass man während dessen gut Musik hören kann.

Clever und sehr praktisch ist übrigens auch der Schmutzwasserbehälter. Wenn er voll ist, kann er einfach aus seiner Gehäuseaussparung entnommen werden, der Deckel abgeschraubt und entleert werden.

Keith Monks Prodigy Plus InnenansichtFoto: Innenansicht

Laut Bedienungsanleitung ist das Gerät so konzipiert, dass der Besitzer Wartungsarbeiten selbst vornehmen kann. Hierzu müssen lediglich drei Schrauben am Geräteboden entfernt werden. Man kann nun im Geräteinneren alle gesteckte Komponenten und Untergruppen selbst tauschen, wenn nötig. Wenn das nicht kundenfreundlich ist? Wichtiger Hintergrund dazu: alle elektrischen Teile sind hier auf 12V ausgelegt. Zwar könnte die Kabelführung etwas professioneller angeordnet sein und auch die Alufolie hat einen DIY-Charakter, doch insgesamt finde ich die Idee des selbst durchführbaren Teilewechsel sehr gut. Bei billigen China-Importen funktioniert das gar nicht und selbst bei den meisten europäischen oder US-Hersteller gehen die defekten Geräte ausschließlich zum Kundendienst.

 

Die Hörtests

Die Hörtests ergaben ganz erstaunliche Ergebnisse. Im Test hatte ich Diskothekenscheiben, die vor der Reinigung das berühmte Lagerfeuer von sich gaben. Ihr ahnt es bereits - nach der Wäsche mit der Prodigy war es weg! Eine seriöse Beurteilung bei gebrauchten LPs ist natürlich immer schwierig und allenfalls subjektiv. Denn jede einmal bzw. mehrfach abgespielte LP hat hörbare Beschädigungen im Vinyl, die sich auch mit der besten Schallplatten-Waschmaschine nicht beseitigen lassen. Letztendlich geht es nur darum, die gebrauchten Scheiben best möglichst vom Schmutz zu befreien. Und das gelang bei den Testexemplaren ausgesprochen gut, schnell und eben sehr leise.

 

Test-Fazit

Keith Monks LP reinigen vorherFoto: vor der Reinigung*

Keith Monks LP reinigen nachherFoto: nach der Reinigung*

Wer eine schicke und in jedem Fall ungewöhnlich aussehende Plattenwaschmaschine sucht, die man gut neben eine Hifi-Anlage stellen kann und nicht wie so manch andere verstecken sollte, hat mit der Prodigy einen interessanten Kandidaten. Dass der dann auch noch richtig gut reinigt und nach nur rund fünf Minuten eine fertig gewaschene Platte hat, die gleich abspielbereit ist, dürfte die Chancen noch steigern. Und dafür, dass dieses Gerät „Made in Britain“ gefertigt ist und nicht aus China stammt, geht der nicht ganz günstige Preis doch in Ordnung. Wenn man nun bei Keith Monks auf die wirklich unnötige Beleuchtung samt Fernbedienung verzichtet und stattdessen das eingesparte Geld in eine gute Plattenklemme steckt, würde das den „Haben“-Faktor um einiges steigern.

*Zu den Vorher-/Nachherfotos: das als (brutaler) Kratzer gekennzeichnete Kreuz dient der exakten Lokalisierung und somit Vergleich.

 

Vorteile

- geringe Kontaktfläche zwischen Vinyl-Oberfläche und Absaugung
- Saugarm passt sich auch bei leichter Verwellung der LP auf Höhenänderungen an
- Schmutzwasser lässt sich leicht entnehmen
- Einfache Bedienung
- Für alle Formate geeignet: 12“, 10“ & 7“ Platten und sogar CDs, Blu-Ray-Discs, Computer-CDs und Laserdiscs
- Wartung/Austausch der Komponenten durch den Besitzer möglich!
- auch die Auslaufrille kann gut gereinigt werden
- sehr leise
- sehr leichtes Gerät (nur ca. 5kg!) 

Nachteile

- kein Hauptschalter
- kleine Plattenklemme
- kein Labelschutz, da kleine Plattenklemme
- Beleuchtung unnötig

 

Technische Daten

- Fadenloses System
- Reinigungszeit: ca. 2 Min. 15 Sek.
- Direktantrieb mit hohem Drehmoment
- SmoothFlow Vakuumpumpe
- ZeroTune Auto-Vakuum-System
- 10mm mattierter Acrylteller
- DewDrop2-Spritzschutz
- discOvery Präzisionsbürste
- discOvery 33/45 Flüssigkeit 250ml
- Geräteabdeckung
- Empfohlene Anwendungszeit: max. 4 Stunden
- 12V 5A, Eingang 100-250V 50/60Hz (Netzteil mit universellem IEC-Eingang und regional passendem Kabel im Lieferumfang)
- Abmessungen (Hauptgehäuse): 55B x 14H (+9cm Deckel) x 22T cm,
- Gewicht: 5 kg

 

Lieferumfang

- Keith Monks Prodigy Plus
- Deckel
- Single-Adapter
- DiscOvery Bürste
- Plattenteller-Klemme aus Gummi
- 250 ml discOvery 33/45 Reinigungsflüssigkeit
- ThreadlessTip Ersatz-Saugspitze (Modellen Plus, Deluxe)
- DewDrop2 Spritzschutz
- Netzteil

 

Preis

Von 999 EUR (Modell Prodigy JR.) über Modell Plus mit 1499 EUR hin zu Plus Deluxe 1799 EUR (Stand Juli 2022)

 

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