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Mit „Bloom/Burn“ erinnert Oldseed an die großen Tugenden der Songwriterkunst

Kanadier haben bei uns in Deutschland einen guten Ruf. Ob das für Craig Bjerring alias Oldseed der Grund war, nach zwei Touren durch Europa schließlich in Deutschland zu bleiben und hier zu leben, bleibt offen. Was aber fest steht: seine mittlerweile achte Platte, die es auch als Vinyl-Schallplatte gibt, gibt mir Anlass genug, darüber in einer Rezension zu berichten. Zumal es da noch eine Verbindung zu einem anderen, sehr berühmten Kanadier gibt...

 

Oldseed - Bloom/Burn (LP, Vinyl)

Craig Bjerring ist noch ein relativ junger Musiker. Im Sommer 2003 traf er auf die Band Smog, die in seiner Heimatstadt Winnipeg - es gab einen gemeinsamen Gig und schon war Oldseed geboren. Ein Jahr später erschien sein erstes Album. Und es folgten Tourneen durch die USA, mit dem legendären Greyhound Bus, natürlich auch in Kanada und schließlich in Europa. Seine 2005er CD mit dem einprägsamen Titel „When You Laugh The World Laughs With You When You Cry You Cry Alone" ist mittlerweile vergriffen. Noch ist seine musikalische Karriere ein Nebenjob, das sollte sich erst später ändern. Seit Ende 2006 hat er seine Zelte endgültig in Deutschland aufgeschlagen.

 

Ein Mann auf den Spuren großer Künstler

Oldseed-bloom burn VinylHerbst 2008 war es dann soweit: Bjerring gab seinen Job auf und konzentrierte sich nun voll auf die Musik. Die vielen Konzerte, die Reisen durch ganz Europa und auch in Kanada zollten Tribut und die Nachfrage nach seiner Musik gab ihm die Kraft dazu. Im Jahr kommen da schon mal 150 Termine zusammen!
Eines dürfte dabei sein wichtigster Pluspunkt sein: Craig Bjerring ist ein echter Songwriter, wenn auch eigenwillig und fern jedem Kommerzes. Das erleben die Zuhörer während seiner Gigs auf intensive Weise, seine Musik wirkt ehrlich und spricht die Leute an. Stilistisch bewegt er sich im Lo-Fi-Rock Marke Smog oder Will Oldham. Eine Ähnlichkeit gibt es auch zu Lambchop, wenn auch diese längst zu den kommerziell erfolgreichen Popbands gehören.

In einer ganz anderen Liga spielt jedoch ein anderer Musiker, der nicht nur Rockgeschichte geschrieben hat, sondern der ebenfalls aus Kanada stammt: Neil Young! Warum ich ihn an dieser Stelle erwähne? Ganz einfach: Young hat eine Menge spärlich arrangierter Rocksongs geschrieben, an die mich so manche Nummer der LP „Bloom/Burn" erinnert.

Die Schlichtheit der Musik und das künstlerische Verquerte beginnt eigentlich schon beim Plattencover: vorne eine Zeichnung mit dem Feuer für „Bloom" und hinten ein Blumenstrauss für „Burn". Keine Credits, kein Tracklisting, noch nicht einmal eine Plattennummer oder Barcode - für sich genommen ist das schon Plattenkunst. Und dann wären da die Titel der Tracks, die wie Wortspiele klingen.

Die LP beginnt mit einer überlangen Nummer: „re/tire". Diese anfangs sachte mit Gitarre und Schlagzeug einleitete Komposition baut sich zu einer wuchtigen Rocknummer aus, mit fast schon aggressiven Gesangpassagen von Bjerring. Dagegen nimmt sich „no/thing" sanfter aus, hier kommen die Assoziationen zu Neil Young schon deutlich zum Vorschein. Nur mit akustischer Gitarre schuf er eine Atmosphäre, die an weite Landschaften seiner Heimat denken lässt, an Lagerfeuer und einsame Helden auf ewig langen Highways. In ähnlichen Spannungsfeldern bewegen sich auch die anderen sechs Songs, meist mit langsamen Tempi gespielt - Eile und Hektik braucht da keiner. Erstaunlich, dass die 40:34 Minuten weit schneller vorüber sind als man da erwarten würde.

Auch wenn ich diese Einspielung nicht mit audiophilen Glanzlichtern vergleichen möchte, so zeigt sie sich von einer natürlichen Schönheit und durchaus fein klingend. Aufgenommen wurde sie in nur zwei Tagen in einem hessischen Schloss aus dem 16. Jahrhundert, dem Geyso-Schloss Mansbach. Rein analog und direkt auf das Masterband, ohne Umwege über weitere Gerätschaften und Produktionsmechanismen. Auch damit schließt sich der Kreis dieser Produktion: Reduktion auf das Wesentliche und die Verwendung schlichter Mittel, ohne Firlefanz und großem Aufwand. Für mich ist das sympathisch, Oldseed hat bei mir ein Stein im Brett.

 

Fakten

Veröffentlichung: 15. September 2017
Label: Bekassine Records
Bestell-Nummer:
Pressung:
Inhalt: 140g Vinyl
Besonderheit: Textbeiblatt

 

Besetzung

Craig Bjerring - Gesang / Gitarre
Chris Ladd - Gitarre
Jan Hampicke - Bass
Jonas Giger - Schlagzeug

Aufgenommen im April 2017 im Geyso-Schloss Mansbach

 

Trackliste

Seite 1

1. re/tire
2. no/thing
3. bar/star
4. you/me

Seite 2

5. means/ends
6. pre/tend
7. take/away
8. re/fuse

(Gesamt: 40:34)

 

Das Video zu „means/ends"

 

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