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Eine AAA-LP der musikalischen Extraklasse | Foto: Steffen Schmid

Eine hübsche Kubanerin - solo am Bösendorfer Flügel - das verspricht etwas Besonderes und macht neugierig. Was aber erwarten wir von Marialy Pacheco? Temperament, Feuer, Leidenschaft? Oder eher Hingabe und eine musikalische Überraschung? Nun, mit meiner Rezension zu dieser reinen AAA-Produktion in der Reihe der Studio Konzerte in den Bauer Studios versuche ich, das Bild dieser Pianistin näher zu beleuchten. Eine Review bei Vinyl-Fans.de.

 

Marialy Pacheco - Studio Konzert (180g Vinyl)

Marialy Pacheco-Studio Konzert Vinyl

So lange MusikerInnen wie Marialy Pacheco für musikalische Farben sorgen, wird es in der deutschen Jazz-Szene sicherlich nicht langweilig. Die 1983 in Havanna auf Kuba geborene Pianistin und Komponistin beweist mit dem Konzert im Bauer Studio, dass sie durch ihre Musik, der Szene wunderbare Impulse geben kann. Gerade bei einem Solo-Konzert, bei dem sich ein Künstler beweisen muss, erkennt man die Unterschiede - Marialy setzte am 15. Juni 2015 mit einem reizvollen Instrumental-Werk spannende Akzente!

 

 

Marialy Pacheco LiveKurz-Bio

Marialy Pacheco wuchs in einer musikalischen Familie auf, wie so viele andere Künstler auch. Am Instituto Superior de Artes in Havana studierte sie klassisches Piano und Komposition. Bereits 2002 gewann sie den kubanischen Preis Jo-Jazz, mit Grammy Award-Gewinner Chucho Valdes in der Jury.
2005 erschien ihre Debüt-CD „Bendiciones", weitere folgten. Bis 2009 lebte sie in Deutschland, zog dann nach Australien, um 2011 dort die CD „Songs That I Love" einzuspielen. Ein Jahr später folgte eine Aufnahme in Tokyo,Japan („Tokyo Call") und schließlich kehrte sie wieder nach Europa zurück, um gleich mal den „Piano Solo Competition" im Rahmen des Montreux Jazz Festival zu gewinnen. Seit 2013 wohnt Marialy wieder in Deutschland und hat 2014 bei Neuklang die Trio-CD „Introducing" eingespielt, mit Trompeter Joo Kraus als Gastmusiker. Und nun das: ein Studio Konzert in einer quasi Direktschnitt-Atmosphäre, rein analog und mit einem erwartungsvollen Publikum.

 

Die Songs

Natürlich ist der Einstieg in das Album eine kubanische Nummer - „Ay! Mama Inés" macht schon mal deutlich, dass Marialy Pacheco ihre Heimat Kuba immer wieder in den Blickpunkt rückt. Der Flair dieser Komposition von Eliseo Grenet erinnert im besten Sinne an den Buena Vista Social Club. Und schon hier staunt man über die Spieltechnik dieser Pianistin, über die Akzentuierungen und die Dynamik, die in diesen 6:25 Minuten stecken.
Ihr Selbstbewusstsein spiegelt sich auch in den Eigenkompositionen „Güajira Para Tulio", „Metro" und „Septiembre" wieder, erstere ist eine hinreissend schöne Ballade. Der Klang ihres Instrumentes wirkt hier wie ein Gemälde, voller intensiver Farben, den Betrachter in den Bann ziehend.
Mercer Ellingtons Komposition „Things Ain't What They Used To Be" zeigt, dass Marialy auch Klassiker in ihre musikalische Welt einzubeziehen versteht. Auch wenn das Publikum dem Vortrag gespannt und aufmerksam zuhört, so kann man ahnen, dass nicht wenige verleitet waren, mitzuschnippen und den Blues-Beat aufzunehmen. In den rund sieben Minuten entwickelt sich ein intensives Spiel und ein spannendes Auf-und-Ab der Lautstärke.
Eine ähnliche Spieltechnik finden wir auch in „Metro": während die linke Hand mit einem konstanten Akkord den Rhythmus und die Basis bestimmt, sorgt die rechte Hand für ein quirliges Treiben auf den Tasten - wie ein feuriger Tanz!
Entspannter klingt dann „Septiembre", anfangs. Denn es entwickelt sich eine spannende Nummer, bei der die Pianistin geschickt das Tempo und die Lautstärke variiert. Nicht nur durch die leidenschaftlich mitsummende Marialy Pacheco erinnert dies an Keith Jarrett, insbesondere das letzte Drittel ist intensiv und sehr dynamisch gespielt. Der Beifall für dieses 10 Minuten kreatives Potentials ist mehr als gerechtfertigt!
Den Abschluss bildet das Wiegenlied von Johannes Brahms. Und wie man es schon erwartet: die berühmte Melodie bekommt eine feine Ausgestaltung, die wie eine unterstrichene Bestätigung der Qualitäten von Marialy Pachecos Fähigkeiten dasteht. Man sitzt da und staunt!

 

Piano-Solo-Alben, zudem auch noch rein instrumental, gibt es in der Jazzwelt viele. Wenn sich eine LP diese exzellente Schallplatte von Marialy Pacheco aus diesem Pool heraushebt, so liegt das schlicht an dem Niveau dieser fantastischen Darbietung. Das Publikum im Juni 2015 hat hier ohne Zweifel etwas Besonderes erlebt, wir dürfen es dank einer ebenso exzellenten Aufnahme sehr schön nachvollziehen.

 

Trackliste

Seite 1

1. Ay! Mama Inés 6:25
2. Güajira Para Tulio 9:34
3. Things Ain't What They Used To Be 7:04

Seite 2

4. Metro 6:02
5. Septiembre 10:04
6. Wiegenlied 7:01

 

Besetzung

Marialy Pacheco - grand piano (Bösendorfer Imperial)

 

Aufnahme

Live am 15. Juni 2015 in den Bauer Studios

 

Technik

Analoges direct-to-2-track-recording:

Mikrofone: Neumann U 67/SM 69/KM 184, Brüel & Kjaer 4006/4011
Analogen Effektgeräte
Analoge AMS Neve VXS Konsole 60-Channel Patchbay
Studer A 820 Bandmaschine

 

Konzerte

10.03.16 - Bergisch-Gladbach, Villa Zandes (Solo)
11.03.16 - Wienhausen, Kloster (Solo)
19.03.16 - Raab (A), Jazzclub (Solo)
27.04.16 - Blaibach, Konzerthalle (Solo)
28.04.16 - Regensburg, Jazzclub (Trio) feat. Joo Kraus
29.04.16 - Neuburg/Donau, Birldland (Trio) feat. Joo Kraus
30.04.16 - Hard (A), Kammgarn (Trio) feat. Joo Kraus
08.05.16 - Schwerte, "Sternstunden am Bösendorfer" (Solo)
03.06.16 - Hanau, Comoedientheater (Solo)
18.06.16 - Köln, Sendesaal (Trio), feat. Joo Kraus & WDR Funkhausorchester
22.07.16 – Würselen, Burg Wilhelmstein (Trio) feat. Joo Kraus & Olvido Ruiz

 

Das Video


Kommentare

0 #1 Klaus 2016-01-15 17:51
Danke für die tolle Rezension - auch von Marialy ;-)
Klaus

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